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Politik & Gesellschaft

Weihnachtsstress und Besinnlichkeit

Geschenke kaufen, Putzen und noch schnell Plätzchen backen. Hektik und Stress gehören zum Weihnachtsfest genauso dazu wie Zeit für die Familie und Besinnlichkeit.

Kinder packen Geschenke am Heiligabend aus. Foto: Achim Scheidemann +++(c) dpa - Report+++

„Wir feiern Weihnachten als Familienfest. Wir haben insgesamt neun Enkelkinder. Sieben Mädchen und zwei Jungen“, betont der ältere Herr und ist sichtlich stolz auf den Nachwuchs. Auch in diesem Jahr wird es wieder einen großen prachtvoll geschmückten Tannenbaum geben. Außerdem wird die rund 80 Jahre alte Krippe liebevoll aufgebaut, um das Weihnachtsgeschehen nachzustellen. Das freue insbesondere die Kinder und ist allein schon deshalb ein absolutes Muss. Heiligabend wird die Großfamilie auch gemeinsam in die Kirche gehen, wie immer, sagt der rührige Großvater. Doch an den Anfang der Weihnachtsgeschichte kann er sich nicht erinnern. Dafür fallen ihm auf Anhieb einige Weihnachtslieder ein wie „Stille Nacht, heilige Nacht“, „O du Fröhliche“ und „Ihr Kinderlein kommet“. Nach dem Gottesdienst kommt das große Weihnachtsessen. Auf dem Speiseplan stehen: Gans, Rinder- und Schweinebraten sowie saftige Steaks. Damit für alle neun Enkelkinder etwas dabei ist.

Ruhe bevorzugt

Eine elegant gekleidete ältere Dame, die gerade mit ihrem Hund spazieren geht, mag es lieber ruhig an den Feiertagen. Das kommt auch ihrem Mann entgegen, der sichtlich unter den Folgen eines Schlaganfalls leidet. Sie möchte Heiligabend ruhig und gemütlich zu Hause begehen gemeinsam mit ihrem Mann, ihrem Hund und ihren Katzen. Ein leckeres Essen wird sie kochen und das möchte sie mit einem guten Wein genießen. Damit wird ihr Programm für Heiligabend auch enden. Nur keinen Stress!

Da hat sich ein junger Pole im dunklen Mantel schon wesentlich mehr vorgenommen. Er fährt wie jedes Jahr mit seiner Familie in die Schweiz und freut sich jetzt schon auf den Schnee. Doch außer Wintersport ist auch Weihnachten präsent. „Der Kirchgang gehört aus Tradition mit dazu. Meine Familie kommt aus Polen und da ist es nun mal Tradition in die Kirche zu gehen" Das Weihnachtsessen besteht wie immer aus einer Rote-Beete-Suppe und Teigtaschen.

Ein Familienvater, der gerade mit dem Kinderwagen unterwegs ist, wird bei der Frage, ob er einen Gottesdienst besuchen wird, ganz kleinlaut. Er wirkt fast ein bisschen überrascht. Und auf die Frage, warum er denn eigentlich Weihnachten feiert, kommt erstmal eine lange Pause und dann: „Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil alle feiern.“

Menschen beten am späten Freitagabend Foto: Frank Leonhardt dpa/lby +++(c) dpa - Report+++

Weihnachtsgottesdienst nicht für alle wichtig

Weihnachten im Neuen Testament

Der Grund steht in der Bibel. So heißt es im Lukasevangelium in der Übersetzung von Martin Luther:

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. [Volkszählung] Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“

Mit diesen Worten beschreibt der Evangelist Lukas die Geburt Jesu Christi. Und genau dieses Ereignis, die Menschwerdung Gottes, feiern Christen in aller Welt. Traditionell wird die Weihnachtsgeschichte an Heiligabend in den Kirchen vorgelesen oder nachgespielt.

Menschen stellen eine Krippe nach Bildrechte: Verwendung weltweit Rechtevermerk: picture-alliance/ dpa/dpaweb Fotograf: Roland Scheidemann Notiz zur Verwendung: (c) dpa - Bildfunk 7753882_18_A.jpg

Lebende Krippe

Nun sind bei weitem nicht alle Menschen in Deutschland Christen. Eine junge Frau erklärt, dass sie zwar Muslima sei, aber seit 20 Jahren hier lebe. Für sie und ihre Freundin gehört Weihnachten selbstverständlich jedes Jahr dazu. Beide feiern mit ihren Familien und haben selbstverständlich einen Tannenbaum aufgestellt und geschmückt. Die Freundin betont, dass sie von ihrem Land, der Türkei, nicht viel kenne. Sie sei mit drei Jahren nach Deutschland gekommen. Sie habe zwar schon mal was vom Nikolaus und vom Weihnachtsmann gehört, fügt sie lachend an, aber den genauen Grund, warum Weihnachten gefeiert wird, kenne sie nicht. Aber grundsätzlich sei ihr das Fest sehr wichtig. Die 23-Jährige findet es schön, dass die Kinder beschenkt werden. Ansonsten hält sie Geschenke nicht für notwendig.

Im weihnachtlich geschmückten Einkaufszentrum Kröpeliner Tor Center (KTC) in Rostock sind am 04.12.2010 Besucher unterwegs. Der Branchenverband HDE des deutschen Einzelhandels rechnet wegen der guten Konjunkturstimmung für das Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent. Foto: Bernd Wüstneck

Stress beim Weihnachtseinkauf

Kaufrausch vor dem Fest

So ähnlich sieht das auch ein älteres Paar und hat so seine eigene Lösung gefunden. „Es ist ja Weihnachten meistens so, dass man etwas schenken muss. Und ich schenke dann, wenn ich meine, es ist angebracht, und nicht, weil ich es muss.“ Er hat mit seiner Frau vereinbart, dass es zu Weihnachten nichts gibt. Ein weiterer Mann stört sich an dem Kaufrausch in der Vorweihnachtszeit. Er meidet Städte wie Köln oder Bonn. Nüchtern zieht er Bilanz: „Für mich ist Weihnachten ein reines Geschäft.“ Mit dem Geschäft hat er nicht so unrecht: rund ein Fünftel des Jahresumsatzes erzielt der deutsche Einzelhandel in den Monaten November und Dezember. In diesem Jahr liegen im Trend als meistgekauft Geschenkartikel: iPhone, Flachbildschirme, Schmuck und Spielzeug.

Aus welchen Motiven auch immer Weihnachten gefeiert wird, es ist ein Fest der Familie, mindestens aber das der Zweisamkeit. Frohe Weihnachten!

Autor: Petra Nicklis

Redaktion: Christina Beyert