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Wirtschaft

Weihnachtsmarkt: So was von Deutsch!?

Alles typisch Deutsch: Wertarbeit aus Händen eines Meisters. So war das vielleicht früher. Aber auch Althergebrachtes ändert sich. Svetlana Savchenko hat sich auf dem Bonner Weihnachtsmarkt umgesehen.

Große Regentropfen trommeln auf das Dach eines Standes mit Wollwaren. Die Händlerin schiebt die ausgelegten Mützen nach hinten, damit sie nicht nass werden. Nässe und Kälte zum Trotz bleibt es in dem kleinen Märchenhäuschen warm und gemütlich.

Der Kluge kauft im Sommer seinen Pelz

"Wir machen die ganzen Mützen selbst", erzählt die Verkäuferin stolz. "Das ist ein Vorteil. Die Leute wissen das und kommen im nächsten Jahr wieder. Wenn sie da gehen mit ihrer Mütze, winken sie schon", sagt sie und lacht. Ihre rote Mütze, die es auch im Sortiment gibt, wirkt sehr erfrischend.

Alle Waren werden in der Familie produziert. Selbst geschnitten, selbst genäht. Eher selten in Deutschland, wo nach Angaben des Umwelt-Bundesamtes circa 90 Prozent der gekauften Bekleidung Importware ist.

Bonner Weihnachtsmarkt

Wer seine Ware selbst herstellt, muss oft schon im Sommer mit der Produktion loslegen

Dafür ist der Aufwand groß. Alleine das Nähen einer Mütze braucht etwa eine halbe Stunde. Um sich auf die fünfwöchige Weihnachtsmarktsaison vorzubereiten, müssen viele Händler schon im Sommer mit der Produktion anfangen.

Zwischen Tradition und Überraschung

Deutsche Weihnachtsmärkte sind eine gute Plattform, die das Überleben des deutschen Handwerks unterstützt. Es geht aber nicht nur um Selbstgemachtes, auch andere Geschäftsmodelle sind hier zu finden: Die Sachen werden bei anderen Firmen, auch auf Messen eingekauft und zusammengestellt, und dann auf den Weihnachtsmärkten verkauft.

So kann man leichter das Sortiment erweitern, ändern und an neue Trends anpassen. "Die Produkte kommen größtenteils aus Asien", erzählt eine junge Studentin, die aus Spaß am Weihnachtsmarkt Schreibzubehör bei einer Firma verkauft. "Und dort wird ein Großteil der Sachen in Handarbeit hergestellt“, sagt sie.

Auch exotische Musikinstrumente sind auf deutschen Weihnachtsmärkten zu finden. Der junge, fröhliche Händler spielt Didgeridoo, damit zwei neugierige Passanten einen Eindruck von dem für sie unbekannten Blasinstrument aus Australien bekommen.

Warum der deutsche Weihnachtsmarkt sein gewohntes Gesicht verändert, erklärt Dieter Schubert, Chef des Bonner Weihnachtsmarkts. "Die Deutschen haben schon ziemlich viel in ihren Wohnzimmern stehen", sagt er.

Bonner Weihnachtsmarkt

Es müssen nicht immer Produkte aus Deutschland sein

Schubert zufolge müssen sich die Kunsthandwerker immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um die Kundschaft anzulocken. "Nur ist es natürlich schwierig, in der heutigen Zeit, noch etwas Neues, Spektakuläres zu entwickeln, was es noch nicht gibt", gibt er zu. Für Abwechslung sorgen auch Waren aus dem Ausland, auch wenn die Betreiber der Buden praktisch alle aus Deutschland kommen.

Soziale Gerechtigkeit

Und noch eine Besonderheit: Auch zwischen den Arten der Stände muss eine Balance gefunden werden. In einem spziellen Plan wird vorgeschrieben, in welchem Verhältnis die Imbiss- und Getränkestände zu den Kunsthandwerkerständen stehen sollen. Auf dem Bonner Weihnachtsmarkt sind das beispielweise 20 zu 80 Prozent.

Dem Präsidenten des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute, Hans-Peter-Arens, zufolge würden die meisten Budenbetreiber lieber Glühwein verkaufen statt beispielweise Weihnachtsbaumschmuck. Dem stimmt Marktchef Schubert zu: "Es gibt sicherlich Stände, die besser laufen, weil jeder Mensch essen und trinken muss. Ob jeder Mensch unbedingt eine Christbaumkugel oder ein Porzellanstück kauft, das ist jedem selber überlassen." Nach Angaben des Branchenverbandes machen Glühweinbuden verglichen mit anderen Ständen je nach Stadt und Lage das Doppelte oder sogar das Dreifache an Umsatz.

Damit auch die anderen Kaufleute auf ihre Kosten kommen, subventionieren gut gehende Stände die schwächeren. Nach einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kostet auf dem Nürnberger Weihnachtsmarkt die Miete für einen Glühweinverkäufer etwa 522 Euro pro Saison. Der Betreiber einer Handwerksbude zahlt hingegen nur etwa 83 Euro.

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