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Filme

Weihnachtliche DVD-Tipps: Deutsches Kino

Gute Filme kommen immer gut an. Wir empfehlen zum Fest: einen Stummfilm über Bayernkönig Ludwig II., deutsche Nachkriegsgeschichte, Berliner Schule und Terror-Nachwehen in Argentinien. Alles neu auf DVD erschienen.

DVD-Hüllen und goldene, mit Schleifen verzierte DVDs (Montage: DW)

Bücher unterm Weihnachtsbaum sind nach wie vor die Klassiker unter den Geschenken zum Fest. In den vergangenen Jahren haben sich aber auch mehr und mehr DVDs dazu gesellt. Die verschiedensten Anbieter bringen Filme heraus: Klassiker, aktuelle Neuerscheinungen und lange Zeit Verschollenes gibt es zu entdecken. Viele Filme erscheinen zum ersten Mal auf DVD und sind nach Jahrzehnten wieder zu sehen. Eine kleine Auswahl deutscher Filme - frisch ausgepackt für den Gabentisch!

"Ludwig II." (1930) von William Dieterle

Filmplakat 'Ludwig II., König von Bayern' von Rolf Raffé (Bild: Edition Filmmuseen)

Nach all den Feierlichkeiten zum 125. Todestag des Bayernkönigs in diesem Jahr lohnt zum Jahresende noch ein Blick auf die ersten Filme über den geheimnisvollen Monarchen. Zwei alte Versionen sind jetzt erstmals auf DVD zu sehen. Rolf Raffé drehte bereits 1920 "Das Schweigen am Starnbergersee", zehn Jahre später folgte der später nach Hollywood emigrierte William Dieterle. Sein "Ludwig II." war einer der letzten hierzulande gedrehten Stummfilme. Dieterle beginnt mit dem Insert "Dieser Film hält sich bewusst fern von allen Legenden und Vermutungen, er stützt sich nur auf streng historische Tatsachen." Was folgt, ist natürlich trotzdem durchtränkt von Dichtung und Wahrheit, Mythos und Mysterium. Bei dem Stoff lässt sich das offenbar nicht vermeiden.

Die Schauspieler, die den König zum Teil noch erlebt haben, liegen mit ihren Rollenauslegungen gar nicht so weit entfernt von heutigen Ludwig-Darstellern. Einige Aspekte der Geschichtsdeutung wurden 1930 natürlich ausgespart - etwa die homoerotischen Neigungen des Königs, andere exzessiv ausgespielt - wie die königliche Baumanie. So bekommen wir die monumentalen Königsschlösser zu sehen, die in den 1920er Jahren noch nicht so lange standen: In schönem Schwarz-Weiß wirken sie in den alten Filmen noch unfassbar jungfräulich.

"Arzt ohne Gewissen" (1959) von Falck Harnack

DVD-Cover 'Arzt ohne Gewissen' (Bild: Pidax Film)

In einem geheimnisvollen Schloss spielt auch diese deutsche Frankenstein-Variante aus der Nachkriegszeit. Es geht um einen Arzt, der davon träumt, menschliche Herzen zu verpflanzen. 1959 war das für die meisten Menschen noch eine Horrorvision, erst acht Jahre später transplantierte Christiaan Barnard in Südafrika das erste menschliche Herz. Im Film "Arzt ohne Gewissen" ist es der ehemals renommierte Chirurg Professor Lund, der bei seinen medizinischen Experimenten entschieden zu weit geht. Sogar der Hilfe eines ehemaligen KZ-Arztes vertraut er. Inmitten all der Heimat-, Operetten- und Landser-Filme des deutschen Kinos löste "Arzt ohne Gewissen" 1959 einen gehörigen Skandal aus. Aus heutiger Sicht lohnt der Film ein Wiedersehen, weil er zeigt, dass auch im Nachkriegsdeutschland wild-düstere Genrefilme entstanden sind.

"Der Rest ist Schweigen" (1959) von Helmut Käutner

DVD Cover 'Der Rest ist Schweigen' (Bild: Pidax Film)

Auch dieser Streifen ist eine etwas überbordende Filmphantasie: ein Blick in menschliche Abgründe, inszeniert vom damals renommiertesten deutschen Regisseur, Helmut Käutner. Doch "Der Rest ist Schweigen", auch aus dem Jahre 1959, gilt als Nebenwerk Käutners. "Der Film ist der Unfall eines begabten Jongleurs, der seine viel zu schweren Bälle über den Baum der Erkenntnis werfen möchte und dabei im Geäst falscher Träume hängen bleibt", schrieb die damals sehr renommierte Kritikerin Karena Niehoff im "Tagespiegel". Käutner hat sich in "Der Rest ist Schweigen" an Shakespeares Hamlet versucht und erzählt dessen Geschichte vom Sohn auf der Suche nach dem Vater als wüste Räuberpistole aus dem Deutschland der Nachkriegszeit. Auch hier gilt: Neben all dem operettenhaften, schmalzigen Kitsch der Zeit ist der Film mit Hardy Krüger, Peter von Eyck und Ingrid Andree ein Vergnügen - und bei aller übersteigerter Melodramatik sehr unterhaltsam geraten!

"Orly" (2010) von Angela Schanelec

Filmplakat 'Orly' von Angela Schanelac (Bild: Indigo)

Fünfzig Jahre später gibt es im deutschen Kino eine Tendenz, jede Dramatik und melodramatische Übersteigerung auf ein Minimum zu reduzieren. "Berliner Schule" nennt man das. Regisseure wie Christian Petzold, Christoph Hochhäusler oder eben Angela Schanelec versuchen in ihren Filmen die Welt aussehen zu lassen, wie sie wirklich ist - oder zumindest manchem so erscheint. Die Kamera ist meist bewegungslos auf die Akteure gerichtet, Musik wird nur sehr spärlich eingesetzt, die Schauspieler agieren unterkühlt. Schanelec zeigt in "Orly" vier Paare im Wartebereich des Pariser Flughafens. Die Zeit wirkt gedehnt, die Dialoge schwanken zwischen Banalität und tiefer Erkenntnis. Das ist ein interessantes filmisches Experiment von großer ästhetischer Schönheit. Stilles, kluges, zurückgenommenes Kino. Auch unterhaltsam - wenn man sich darauf einlässt und nicht gerade zuvor die beiden Filme aus dem Jahre 1959 gesehen hat.

"Das Lied in mir" (2011) von Florian Cossen

DVD Cover Das Lied in mir (Bild: Indigo/Schwarz Weiß Filmverleih)

"Das Lied in mir" ist aktuelles deutsches Kino zwischen Politthriller und Geschichtsaufarbeitung. Doch es ist nicht die deutsche Historie, die sich der junge Regisseur Florian Cossen vorgenommen hat, sondern die argentinische. Ein junge Frau (Jessica Schwarz) trifft auf Spuren ihrer Vergangenheit. Als kleines Kind ist sie ihren leiblichen Eltern, die während der Militärdiktatur verschwanden, entrissen worden. Nachdem sie jetzt, als Erwachsene, zufällig am Flughafen von Buenos Aires ein Schlaflied aus ihrer Kindheit hört und wiedererkennt, kommen Erinnerungen in ihr auf. Ihr vermeintlicher Vater (Michael Gwisdek) sucht sie daraufhin in der argentinischen Hauptstadt auf und will sie wieder mit nach Hause nehmen. Doch die junge Frau stellt sich den Schatten der Vergangenheit. Florian Cossens Debüt ist geprägt von einem ruhigen Blick auf ein schmerzliches Schicksal. Für ein Debüt erstaunlich souverän in Szene gesetzt, herausragend gespielt und zwischen stiller Beobachtung und melodramatischen Akzenten gut ausgepegelt. Einer der überzeugendsten deutschen Filme des vergangenen Jahres.

Die Ludwig-II.-Filme sind in der "Edition Filmmuseum" erschienen, die beiden Nachkriegsfilme von Käutner und Harnack in der neuen Reihe "Filmklassiker" bei Pidax. "Orly" liegt beim Anbieter "good movies/piffl medien" vor. "Das Lied in mir" erschien bei "SchwarzWeiß/Indigo".

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Marlis Schaum

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