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Kultur

Weihnachten und Chanukka - zwei Feste im Winter

Weltweit feiern Christen Weihnachten und Juden das Lichterfest Chanukka. Zwei Feste, die theologisch nichts miteinander zu tun haben, aber beide im Dezember gefeiert werden.

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Eine Postkarte für beide Gelegenheiten

Weihnukka Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin, Bild 5

Im Jüdischen Museum Berlin

Zwei Feste zwischen Tradition, Kommerz und Familie, mit religiösem Bekenntnis oder politischer Botschaft. "Weihnukka - Geschichten von Weihnachten und Chanukka", eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin, erkundet nun in sechs Kapiteln die historischen Ursprünge beider Feste und ihre Entwicklung durch die Jahrhunderte, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Schaukästen in Tannenbaumform bieten alles Wissenswerte rund um Weihnachten. Dem gegenüber stehen Vitrinen die einem Chanukka-Leuchter nachempfunden sind und die Bräuche des Lichterfestes aufgreifen.

Übernommene Traditionen

Für viele muslimische Kinder, die in Deutschland leben, ist es längst selbstverständlich, dass sie in der Vorweihnachtszeit einen Adventskalender bekommen. Nicht wenige von ihnen sitzen am heiligen Abend dann sogar unter einem Tannenbaum und fiebern dem Geschenke-Segen entgegen. Mit der eigenen Religion haben diese Bräuche nichts zu tun, aber angenommen werden sie gerne. Weil Weihnachten doch so schön und eben ein Familienfest ist. So ähnlich hat man Ende des 19. Jahrhunderts wohl auch in jüdischen Familien gedacht. Denn in dieser Zeit begannen viele von ihnen, Traditionen des christlichen Weihnachtsfestes zu übernehmen:

Der Begründer des politischen Zionismus Der Judenstaat 1896 Dr. Theodor Herzl Porträtfoto

Theodor Herzl, Begründer des politischen Zionismus

Zionistische Kreise hatten dafür zunächst nur Spott übrig: "Weihnukka" titelten sie das Fest, zu dem es eigentlich keinen Feiertag, aber längst eine Tradition gab. Freilich mochte selbst Theodor Herzl seinen Kindern den Wunsch nach einen Tannenbaum damals nicht abschlagen: "Meinetwegen soll's der Chanukka-Baum heißen", soll er einlenkend gesagt und damit eine Brücke zum jüdischen Lichterfest gebaut haben.

Geburtstags- und Siegesfeier

Chanukka ist ein Fest, das an die Befreiung des Tempels in Jerusalem in 165 vor der Zeit erinnert. Im Zentrum von Chanukka, deshalb ist es auch ein Lichterfest, steht das so genannte Ölwunder, dass nämlich im Tempel zu Jerusalem nach der Befreiung ein kleiner, winziger Ölrest, der eigentlich nur einen Tag hätte brennen können, wundersamerweise für acht Tage brannte. Deswegen hat auch der Chanukka-Leuchter acht Arme.

Weihnukka Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin, Bild 3

'The Night before Hanukkah' - Zeichnung für die Titelseite des Magazins 'New Yorker'

Juden entzünden in den dunklen Dezembertagen Kerzen, um an einen politischen Sieg zu erinnern, während Christen die Geburt ihres Heilands feiern. Und dabei haben sich, so verdeutlicht die liebevoll gestaltete Ausstellung im Jüdischen Museum, über die Jahrhunderte viele Bräuche gewandelt. So galt die Adventszeit in katholischen Gegenden lange als Fastenzeit, anstelle von Butter durfte nur Öl zum Backen verwendet werden. In seinem so genannten "Butterbrief" hob der Papst Mitte des 15. Jahrhunderts dieses Verbot dann auf. Fortan waren auch Milch und Butter als Zutaten für den Christstollen zugelassen.

Geist des Widerstandes

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In der Biedermeierzeit entfernte sich das Weihnachtsfest dann von seinen christlichen Wurzeln und wurde zum Familienfest mit Tannenbaum und Geschenken. Und damit wurde es auch für die dem Judentum entfremdeten, aber mit der deutschen Kultur patriotisch verbundenen Juden attraktiv. "Weihnukka" war geboren, ein jüdisches Weihnachtsfest, an dem "Treidel" (Spielzeugkreisel) am Tannenbaum hängen und es statt Lebkuchen Latkes zu essen gibt, in Öl frittierte Kartoffelpuffer.

Durch die Unterdrückung und Verfolgung der Juden im vergangenen Jahrhundert wurde Chanukka in seiner Idee immer wichtiger. Vor allem im Krieg. Dann wurde Chanukka vor allem im modernen Staat Israel durch die Einwanderungsbewegung in das Land bedeutungsvoll. Das Fest ist nicht mehr so eng an irgendwelche religiösen Rituale gebunden, sondern es geht darum, an den Geist des Widerstandes zu erinnern.

White Christmas - komponiert von einem orthodoxen Juden

Neben all diesen historischen Rückblicken, zu denen auch die Pervertierung des Weihnachtsfestes durch die Nazis zählt, die U-Boote und Eiserne-Kreuze-Orden als Christbaumschmuck anboten, kommen die Ausstellungsmacher aber immer wieder auf die Vermischung der beiden Feste zurück.

Besonders ausgeprägt und kommerzialisiert ist diese Vermischung seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Amerika. Da gibt es Schachspiele, in denen sich Weihnachtsmänner und Rabbiner gegenüberstehen, Kopfbedeckungen, die wie Kippa und Nikolausmütze aussehen und geschnitzte Rentiere, die als Chanukka-Leuchter herhalten müssen. Außerdem erklingt in der Ausstellung der musikalische Hit: "White Christmas", der Weihnachtsschlager überhaupt, komponiert von Irving Berlin, einem orthodoxen Juden aus New York.

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