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Alltagsdeutsch – Podcast

Weihnachten kommt von "Weihen"

Weihnachten ist die Zeit des großen Konsums – und die der Konsumkritik. Man sehnt sich dann gerne zurück zu den besinnlichen Wurzeln des Festes. Aber erst, nachdem man noch schnell die letzten Geschenke besorgt hat.

Zitat: Theodor Storm, Weihnachten

"Von drauß' vom Walde komm ich her;

Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

Sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor

Sah mit großen Augen das Christkind hervor;

Und wie ich so strolcht' durch den finsteren Tann,

Da rief's mich mit heller Stimme an:

'Knecht Ruprecht alter Gesell,

Hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,

Das Himmelstor ist aufgetan ...

Und morgen flieg ich hinab zur Erden,

Denn es soll wieder Weihnachten werden!'"

Knecht Ruprecht:

"Ach ja, wenn das Christkind mich ruft, hab’ ich viel zu tun. Gestatten, mein Name ist Knecht Ruprecht und auf Erden bin ich bekannt wie ein bunter Hund. Sie kennen mich doch auch? Ich bin der Gehilfe vom Nikolaus. Er selbst hat im Moment sehr viel zu tun, darum hat er mich gebeten, ein wenig mit Ihnen zu plaudern und Ihnen etwas über die Weihnachtszeit zu erzählen. Obwohl ich ja so kurz vor Toresschluss auch nicht gerade Däumchen drehe. Ich muss Geschenke einpacken, den Schlitten anspannen, die Rentiere füttern und mich durch den einen oder anderen Schornstein zwängen, um die Geschenke zu hinterlegen, weil der Nikolaus im Laufe der Jahrhunderte etwas dick geworden ist und nicht mehr durchpasst. Außerdem wissen die Kinder ganz genau, dass ich eine Rute im Sack habe, und wenn ich jemanden auf dem Kieker habe, dann hole ich die auch heraus. Wenn die Kleinen nämlich nicht artig waren und zu viele Mätzchen gemacht haben, dann gibt es keine Süßigkeiten, sondern einen hinten drauf. Aber, Moment, da klingelt's an der Himmelspforte."

Postbote:

"Hier ist die Post. Ich bringe wieder eine ganze Ladung Wunschzettel."

Knecht Ruprecht:

"Ja, die ganzen Briefe zu sortieren gehört auch zu meinen Aufgaben. Leider schreiben immer mehr Kinder E-Mails, und ich komme mit diesem neumodischen Kram am Computer einfach nicht zurecht. Da unterläuft mir dann schon mal ein Fehler, aber wir haben da einen Engel, der hat extra einen Computerkurs gemacht und der bügelt die Fehler immer wieder aus. Ich schaue dann im großen Buch vom Christkind nach, ob ein Kind artig war, und das Christkind sucht das Geschenk aus. Manchmal kann es allerdings nur den Kopf schütteln, was für einen Firlefanz sich die Menschenkinder so wünschen. Mal sehen, was in diesem Brief steht... "

O-Ton:

"Liebes Christkind, ich wünsche mir ein Laptop, ein Mountainbike, einen DVD-Player und ein neues Handy. Vielleicht könntest du auch meine kleine Schwester mitnehmen, die immer mein Spielzeug kaputt macht. Und ..."

Sprecherin:

Wir lassen den guten Knecht Ruprecht jetzt erst mal die Wunschzettel studieren. Eine ganze Ladung davon ist im Himmel angekommen, eine ganze Menge, sozusagen eine Wagenladung. Viele Kinder schreiben nämlich erst kurz vor Toresschluss, also im letzten Augenblick, ihren Wunschzettel an das Christkind. Dieser Ausdruck erinnert an frühere Jahrhunderte, als man abends die Stadttore abschloss. Wer zu spät kam, musste im Freien übernachten. Da konnte er dann Däumchen drehen, er hatte nichts zu tun und konnte abwarten.

Sprecher:

Vielleicht haben die Kinder des Ausgeschlossen in der Zeit ja ihre Mätzchen gemacht, sie haben Unfug getrieben. "Matz" ist der Spitzname für einen dummen, einfältigen Menschen, und wer sich wie ein Matz benimmt, macht Mätzchen. In der liebevollen Variante spricht man von Kindern auch schon mal als Hosenmatz, und so ein Hosenmatz macht nun mal Firlefanz, Unsinn. Wenn er besonders viele Streiche spielt, ist er in der Nachbarschaft mit Sicherheit bekannt wie ein bunter Hund, jeder kennt ihn. Diese Redewendung verdanken wir der Tatsache, dass die meisten Hunde einfarbig sind. Wenn also ein Tier mehrere Farben hat, fällt es natürlich auf – genauso wie ein ungezogenes Kind. Und das hat Knecht Ruprecht immer auf dem Kieker, er beobachtet es ganz genau. Das Wort "kieken" stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet "sehen". Mit einer guten Tat kann ein Kind vielleicht seinen Streich wieder ausbügeln, wieder gutmachen, so wie man über ein Wäschestück bügelt, damit die Knitterfalten verschwinden und alles schön glatt ist.

Knecht Ruprecht:

"Darf ich mich mal kurz einmischen? Stellen Sie sich vor, was ich gerade für einen Firlefanz im Internet gelesen habe. Irgendein Scherzkeks behauptet da, Rentiere könnten nicht fliegen. Und dann bringt er Statistiken an, die keinen Pfifferling wert sind: Als Krönung des Ganzen hat dieses Menschenkind die dumme Idee ausgeheckt, dass ein gewöhnliches Rentier nur 24 km/h schafft und es deswegen den Weihnachtsmann nicht geben kann. Was für ein Mumpitz. Weiß dieser Kerl denn nicht, dass im Himmel alles möglich ist?! Aber warte, Bürschchen, da hole ich meine Rute raus!"

Sprecherin:

Oh weh, da ist Knecht Ruprecht aber böse geworden. Vielleicht muntert es ihn auf, wenn die Menschen erzählen, was sie so mit der Weihnachtszeit verbinden.

O-Töne:

"Leuchtende Kinderaugen." / "Schönes Fest für die Familie, vielleicht ein paar besinnliche Stunden." / "Das Schöne ist, dass die Familie zusammenkommt." / "In der Weihnachtszeit gehe ich gerne auf den Weihnachtsmarkt und da kipp' ich mir schon mal einen hinter die Binde und trinke ein paar Glühwein und hab viel Spaß dabei. Für neue Getränke, zum Beispiel den Alpenglüher, muss man viel berappen, den finde ich doch sehr überteuert mit 3,50 Euro. Trotzdem genehmige ich mir ab und an einen." / "Die vielen Lichter überall, dieses Gemütliche, Weihnachtsschmuck in der Wohnung. Heute find' ich’s immer noch schön, diese ganzen Rituale wieder aufleben zu lassen und ’nen Adventskalender zu basteln und überhaupt, dass man so ’nen Monat hat im Jahr, der so feierlich ist." / "Und dann kommt der Weihnachtsmann."

Knecht Ruprecht:

"Ja, das klingt schon besser. Wo wir uns doch solche Mühe geben im Himmel. Und das seit Jahrhunderten. Der Nikolaus war ja eigentlich der Bischof von Myra in Kleinasien. Er hat im 4. Jahrhundert gelebt und immer ein großes Herz für die armen Kinder gehabt. Nikolaus lobt und ermuntert die Kleinen. Aber wenn sie nicht artig waren, bin ich an der Reihe. Ich habe eine Nase dafür, ob sie etwas angestellt haben. In meinem Sack steckt die Rute, mit denen die Kinder früher gezüchtigt wurden. Heutzutage hole ich die Rute nur zum Erschrecken hervor und gucke dabei böse. Da habe ich den Dreh raus. Dabei bin ich gar nicht so ein Kinderschreck."

Sprecherin:

Aber Respekt flößt Knecht Ruprecht trotzdem ein, und jedes Kind weiß, dass er eine Nase dafür hat, dass er weiß, ob jemand etwas ausgeheckt hat. Der Ausdruck eine Nase für etwas haben stammt aus der Jägersprache. Der Hund des Jägers wittert mit seiner feinen Nase, ob sich hinter dem Busch etwas verbirgt. Und wer etwas ausheckt, sozusagen verborgen hinter einer Hecke plant, der bereitet heimlich etwas vor oder ersinnt einen Streich. Meist kommt dabei Mumpitz heraus, Unsinn. Weit verbreitet ist übrigens die Wendung: Red' keinen Mumpitz für "lass das dumme Geschwätz". Entstanden ist dieser Ausdruck aus dem niederdeutschen "mombotz", was "Vogelscheuche" bedeutet.

Sprecher:

Wer Mumpitz redet, ist vielleicht ein Scherzkeks. So nennt man eine Person, die sich für witzig hält, es aber meist gar nicht ist. Ihr Gerede ist keinen Pfifferling wert, es taugt nichts. Heutzutage sind Pfifferlinge zwar eine teure Delikatesse, aber im Mittelalter wuchsen sie an jeder Ecke und standen Pate für diese Redewendung. Damals musste man für diesen Pilz auch noch nicht viel berappen, bezahlen. Dieses Wort lässt sich von einem Geldstück herleiten, dem Rappen. Auf jeden Fall sollte man sich zu einem schmackhaften Pfifferlingsgericht einen guten Tropfen Wein genehmigen. Allerdings in Maßen, man sollte nicht der Versuchung verfallen, sich einen hinter die Binde zu kippen, also zuviel zu trinken.

Zitat:

"Lieber guter Weihnachtsmann

Schau mich nicht so böse an, stecke deine Rute ein

Ich will auch immer artig sein."

Knecht Ruprecht:

"Die Rute trägt doch nicht der Weihnachtsmann herum, sondern ich! Aber heutzutage bringen viele Knecht Ruprecht, den Weihnachtsmann, den Nikolaus und das Christkind durcheinander. Und wer weiß schon, dass Christi Geburt ursprünglich nicht in der Heiligen Nacht vom 24. auf den 25. Dezember gefeiert wurde, sondern am 6. Januar. Der 25. Dezember war der Tag der Wintersonnenwende, an dem die Ägypter mit dem Isis-Kult die Geburt des Horus feierten, die Römer den Sonnengott Saturn und die Germanen das Mittwinterfest, zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest. Diese heidnischen Kulte wollte Papst Liberius abschaffen und so verlegte er Christi Geburt im Jahre 336 kurzerhand in den Dezember."

Zitat: Erich Kästner

"Und wieder stapft der Nikolaus

Durch jeden Kindertraum

Und wieder blüht in jedem Haus

Der goldengrüne Baum."

Knecht Ruprecht:

"Der springende Punkt für uns im Himmel ist, dass die Menschen sich in der Adventszeit vertragen und friedlich sind. Es ist so schön, von hier oben aus die anheimelnde Atmosphäre in den Familien zu beobachten. Dafür machen wir uns gern die Mühe und bereiten das Weihnachtsfest vor. Das Ganze geht ja schon in der Adventszeit los."

O-Ton:

"Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,

erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,

dann steht das Christkind vor der Tür!"

Knecht Ruprecht:

"Ja, genau. Das gute Kind weiß natürlich noch nicht, dass der Name Advent aus dem Lateinischen stammt und Ankunft bedeutet, also auf die Geburt Jesu Christi vorbereitet. Diese Adventszeit wird schon seit dem Konzil von Saragossa im Jahre 380 gefeiert. Der Adventskranz kam erst viel, viel später und hatte ursprünglich 24 Kerzen, an jedem Tag eine. Erfunden hat ihn um 1850 ein gewisser Johann Hinrich Wichern, der Hamburger Direktor eines Erziehungsheims. Und der Adventskalender ist noch jüngeren Datums, der entstand so um 1903. Wer hat den noch aufgebracht? Entschuldigen Sie, ich bin nicht mehr der Jüngste, mein Gedächtnis lässt nach. Gerhard, Gerhard, ah ja, Gerhard Lang aus München. Der hat als kleiner Junge bei seiner Mutter so gequengelt, wann denn endlich Weihnachten sei, dass sie ihm 24 mit Plätzchen gefüllte Schachteln gebastelt hat, damit die Wartezeit bis Heiligabend kürzer wird. Und als Erwachsener hat er daraus eine Geschäftsidee gemacht. Ja, ja. Überhaupt nimmt das Geschäft überhand, da will ich kein Blatt vor den Mund nehmen, da machen wir uns im Himmel ziemlich Sorgen. Ich habe letztens ein paar Menschen belauscht. Hören Sie doch selbst mal hin:"

O-Töne:

"Ach, eigentlich ist die Weihnachtszeit ja längst zu 'ner Zeit des großen Konsums verkommen, die Leute kaufen, kaufen." / "Auf den Weihnachtsmarkt zum Beispiel diese Figürchen aus dem Erzgebirge sind sehr schön, das gefällt mir auch sehr gut, aber andere Sachen, das schlägt dem Fass den Boden aus, denn sogar Pistolen hab ich letztens gesehen. Das ist unmöglich, das hat gar nichts mehr mit Weihnachten zu tun." / "Das Geschäft steht im Vordergrund, und das mag ich nicht. Alles will nur verdienen." / "Der Rummel, der geht einem manchmal schon auf die Nerven. Wenn ich jetzt bedenke, was ich alles schon ausgegeben habe und was ich noch ausgeben muss, das ist wirklich kein Pappenstiel."

Sprecherin:

Die Weihnachtszeit hat auch negative Seiten, da nimmt Knecht Ruprecht kein Blatt vor den Mund, er spricht es ohne Scheu gerade heraus. Früher einmal hielt man ein Laubblatt vor den Mund, um eine peinliche Wahrheit nicht so laut hören zu lassen. Der springende Punkt, das Wesentliche, sollte zu Weihnachten nicht der Konsum sein. Diesen Ausdruck hat Aristoteles geprägt, der den roten, pulsierenden Punkt im Weißen eines Eis als das Herz des werdenden Vogels entdeckte.

Sprecher:

Gleich mehrere Besucher des Weihnachtsmarktes regen sich darüber auf, dass alles zu teuer ist. Das ist kein Pappenstiel bedeutet: "Das ist keine Kleinigkeit" und basiert auf dem niederdeutschen Wort "Papenblume" für "Löwenzahn". Der ist weit verbreitet und ist vielen nichts wert. Wenn man also etwas für einen Pappenstiel kauft, dann ist es sehr billig. Bei manchen überteuerten Preisen läuft einem schon mal die Galle über, man gerät in Zorn. Die Galle produziert bei Erregung eine bittere Flüssigkeit, daher ist sie schon seit alter Zeit das Sinnbild für Unangenehmes. Wenn man sich über etwas sehr ärgert, kann man auch sagen: Das schlägt dem Fass den Boden aus, das macht das Maß voll, das ist der Gipfel. Aber der ganze Rummel zur Adventszeit ist irgendwann mal vorüber und dann ...

Knecht Ruprecht:

"... ja, dann erinnern sich die Menschen wieder an wahren Werte:"

O-Töne:

"Wie wir früher Weihnachten gefeiert haben, vor allem, dass dann das Christkindchen immer kam und meine Mutter dann immer die Glocke geläutet hat und dann gesagt hat: Jetzt könnt ihr alle reinkommen, sie hat das Christkindchen noch gesehen, den Flügel, wie er durchs Fenster geflogen ist."


Fragen zum Text:

Ein anderes, ebenfalls umgangssprachliches Wort für Mumpitz ist …
1. Scherzkeks.
2. Firlefanz.
3. Kieker.

Seit wann wird Weihnachten bei uns im Dezember gefeiert?
1. seit 336
2. seit 380
3. seit 1850

Wenn etwas sehr viel kostet, dann ist das …
1. kein Pappenstiel.
2. der springende Punkt.
3. keinen Pfifferling wert.


Arbeitsauftrag:
Stellen Sie eine Podiumsdiskussion zum Thema "Weihnachten und Konsum" nach. Übernehmen Sie dabei etwa die Rollen von Kirchenvertretern, Kaufleuten oder Kindern.

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