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Nahost

Weihnachten in Dubai

Von wegen Krise: Dubai ist im Weihnachtsfieber. Aber bei 35 Grad im Schatten in Weihnachtsstimmung zu kommen, ist gar nicht so einfach. Die deutsche Community hat da eine Lösung gefunden: Künstliche Kälte!

Verschleierte Frauen mit Mützen (Foto: ako)

In der Stadt am Golf ist Weihnachten 'in'

Weihnachtssingen in der Eisbar (Foto: ako)

Weihnachtssingen in der Eisbar

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit….!" Laut singen die rund 30 versammelten Deutschen gegen die Kälte an: Auch das ist Dubai. Denn während es draußen gut 35 Grad im Schatten sind, herrscht drinnen in der so genannten "Eisbar" eine Temperatur von frostigen minus sieben Grad - und das mitten in Dubai Downtown. Eine Gefriertruhe als Cocktailbar sozusagen.

Tische und Stühle sind aus geformtem Eis, auf denen dicke Schaffelle liegen. Heißen Kakao gibt es gratis. Am Eingang werden Wintermäntel und Fellmützen verteilt. Manchmal verirrt sich ein Scheich zwischen die singenden und frierenden Deutschen und wundert sich über die seltsamen Bräuche. Denn damit richtige Weihnachtsstimmung aufkommen kann, braucht der Deutsche auch in Dubai vor allem eines: Kälte!

Stimmung in Eis

Wolkenkratzer in Eis: Die Eisbar (Foto: ako)

Wolkenkratzer in Eis: Die Eisbar

"Heiligabend brauche ich es kalt und dunkel - vielleicht auch Glockenläuten", sagt Daniela aus Frankfurt, die wie fast alle Deutschen zum Arbeiten in Dubai ist. "Aber Weihnachtsstimmung bekommt man hier einfach nicht: Bei der Hitze unterm Tannenbaum, das funktioniert nicht!"

Daniela fliegt deswegen mittlerweile jedes Jahr zu Weihnachten nach Deutschland. Das machen die meisten. Wer in Dubai bleibt, hat mit den örtlichen Gegebenheiten zu kämpfen: "Stille Nacht" klingt komisch beim Brausen der Geländewagen zwischen den Hochhäusern - und bevor man "Leise rieselt der Schnee" singt, werden die Vorhänge zugezogen, damit die Wüstensonne nicht allzu hell ins Bescherungszimmer scheint.

Besinnung in der Wüste

Birgit, Maja, Jens Heller (Foto: ako)

Birgit und Maja mögen Weihnachten in Dubai mit Pastor Heller

Birgit fährt gerne zu Weihnachten raus aus der Stadt in die Wüste, um ein bisschen Ruhe zu finden: "Wenn man diese ganz hohen Dünen hat und dazu die Weihnachtslieder im Radio hört, dann kommt bei dir dieses Weihnachtsgefühl hoch", erzählt sie. "Denn die Bibelgeschichten spielen ja alle hier, und mit einem Mal kann man sich das vorstellen.

Wüste hin oder her, den meisten fehlt beim Weihnachtsfest in Dubai einfach das, was zu Hause immer selbstverständlich war. "Hier merkt man erst, was man in Deutschland an der Kälte hat", sagt Lydia aus Hamburg. Nils fügt hinzu: "Weihnachten hier stelle ich mir einfach nur traurig vor, in einem islamischen Land, so ganz ohne Tradition." Auch die beiden fahren Weihnachten nach Deutschland.

Dominosteine und Kartoffelsalat

Dominosteine (Foto: ako)

Süsse Sachen gibt es auch in Dubai

Jens Heller, der deutsche Pastor in den Emiraten, bleibt dagegen in Dubai. Jedes Jahr organisiert er einen großen Familiengottesdienst am Heiligen Abend für die Deutschen, 400 Leute waren da im vergangenen Jahr. "Das gibt einem sehr viel", sagt Birgit. "Hier gibt es ja keinen Religionsunterricht in der Schule, die Kinder wachsen ohne religiöse Werte auf - da ist es sehr schön, dass wir jetzt eine evangelische gemeinde in Dubai haben!"

Für Jens Heller ist das schönste an Weihnachten in Dubai, dass es fast so wie zu Hause ist. "Wir feiern Gottesdienst, sitzen mit der Familie zusammen, essen Kartoffelsalat mit Würstchen - das ist für mich das schönste", sagt er lachend.

Plastikbäume statt nadelnde Gerippe

Plastik-Weihnachtsbäume auf einem Markt in Dubai (Foto: ako)

Plastik-Weihnachtsbäume auf einem Markt in Dubai

Aber manchmal scheitert es eben doch, an den Kleinigkeiten. So mag die Weihnachtsbäckerei in Dubai nicht so richtig gelingen, klagt Daniela: Backpulver, Vanillezucker, Puddingpulver - das alles ist hier ein bisschen komisch. So was lasse ich mir aus Deutschland schicken…"

Auch mit dem Tannenbaum ist das in der Wüste so eine Sache: Es gibt zwar echte Bäume, die sind aber unheimlich teuer. "Und sie werfen bei der Hitze so schnell die nadeln ab, dass man nichts davon hat", sagt Jens Heller. "Wir sind auch auf einen Plastikbaum umgestiegen."

Abenteuer Alkohol

Glühwein (Foto: ako)

Glühwein in Dubai ist so eine Sache...

Wer unterm Plastikweihnachtsbaum gar eine Flasche Bier oder einen guten Wein trinken will, bekommt richtig Stress: Er muss im islamischen Dubai erstmal eine offizielle Alkohollizenz erwerben - und das ist bürokratischer als so mancher Antrag in Deutschland. So muss sogar der Arbeitgeber offiziell bestätigen, dass er nichts dagegen hat, dass sein Angestellter Alkohol trinkt. Und man muss nachweisen, dass man nicht mehr als zehn Prozent seines Monatseinkommens in Alkohol investiert", schildert Heller. "Man kann sich in Dubai wirklich leichter ein Auto kaufen als einen Wein!"

Christmas-Kitsch an jeder Ecke

Atlantis-Hotel (Foto: ako)

Im Atlantis-Hotel auf der Palm-Insel in Dubai ist Baum kitschig blau

Weihnachten ist in Dubai bereits an jeder Ecke ausgebrochen: Auf den arabischen Märkten lächeln neben den Teppichverkäufern dicke Plastikweihnachtsmänner. Knalligen Kitsch gibt es an jeder Ecke. Ein indischer Vater zeigt seinem Sohn den ersten Weihnachtsmann seines Lebens - und versucht zu erklären, was Weihnachten eigentlich ist.

Inder auf Markt in Dubai (Foto: ako)

Ein Inder erklärt seinem Sohn den Weihnachtsmann

Während draußen die Hitze flirrt, dudelt es in den Aufzügen "White Christmas". Und indische Gastarbeiter dekorieren in den Luxushotels kitschige Tannenbäume und wissen gar nicht so recht, warum sie dabei auch noch Nikolausmützen tragen sollen.

Doch solange die Dominosteine in der Sonne nicht schmelzen, kann Weihnachten kommen in der Wüstenmetropole. Für die achtjährige Maja ist das Fest in Dubai jedenfalls mindestens genauso schön wie in Deutschland. Und Hauptsache, sagt sie, der Weihnachtsmann findet auch in die Wüste. Denn: Das schönste an Weihnachten ist wohl international: Jede Menge Geschenke!

Autorin: Anna Kuhn-Osius
Redaktion: Thomas Latschan