Weibo lässt homosexuelle Inhalte doch zu | Aktuell Asien | DW | 16.04.2018
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Chinesische Plattform

Weibo lässt homosexuelle Inhalte doch zu

Erst vor ein paar Tagen hatte der chinesische Kurznachrichtendienst Weibo angekündigt, homosexuelle Inhalte aus seinem Angebot zu verbannen. Nach massiven Protesten wurde der Schritt nun wieder zurückgenommen.

Nach einem Sturm der Entrüstung hat Chinas Kurznachrichtendienst Weibo eine Kehrtwende gemacht und will homosexuelle Inhalte doch wieder zulassen. Die Online-Plattform teilte mit, die angekündigte Maßnahme ziele "nicht mehr auf homosexuelle Inhalte ab". 

Der 340 Millionen Nutzer zählende Dienst hatte am Freitag angekündigt, dass Comics, Spiele, Texte und Videos drei Monate lang genau auf Pornografie, blutige Gewalt und Homosexualität überwacht und gegebenenfalls zensiert würden. Die "Säuberung" diene dazu, "ein heiteres und harmonisches Community-Umfeld" zu schaffen.

Unklar ist, ob die Entscheidung von der Weibo-Betreibergesellschaft Sina selbst getroffen oder eine Anordnung der chinesischen Regierung umgesetzt wurde. Entsprechende Anfragen beantwortete das Unternehmen bislang nicht.

Kritik selbst von der Parteizeitung

Die Ankündigung hatte heftige Empörung ausgelöst, die sich einige hundert Millionen Mal unter dem Hashtag #IAmGay Luft machte, bevor dieser am Wochenende von der Zensur geblockt wurde. Doch selbst das kommunistische Parteiorgan "Volkszeitung" fand, die Plattform sei zu weit gegangen.

Das Blatt forderte Toleranz gegenüber Homosexualität, die so "normal" wie Bisexualität sei. Homosexualität sei auch "definitiv keine Krankheit", hieß es in einem Hinweis auf die lange verbreitete und einst selbst in einigen Lehrbüchern geteilte Vorstellung, dass es eine Geisteskrankheit sei. "Vulgäre" Inhalte müssten aber unabhängig von der sexuellen Orientierung entfernt werden.

In China ist Homosexualität seit 1997 straffrei. Gleichwohl sehen sich Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle (LGBT) immer noch mit einem Tabu belegt. 

gri/rb (dpa, rtre)