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Weiberfastnacht

An einem Tag im Jahr übernehmen die Frauen traditionell die Herrschaft im Land: an Weiberfastnacht. Da werden Rathäuser gestürmt, Krawatten abgeschnitten. Der Ursprung eines eigenen Frauenfestes liegt im Mittelalter.

Wissen Sie, was Grundholde sind? Nein, es sind keine Fabeltiere und auch keine neuen Comicfiguren. Grundholde sind so eine Art Bauern. Besser gesagt, sie waren es. Mit diesem seltsamen Begriff wurden im späten Mittelalter die Leute bezeichnet, die zwar selbstständig ein kleines Gut bewirtschafteten, das aber jemand anderem gehörte. Nämlich dem Grundherrn. Diesem mussten sie Abgaben bezahlen und sie durften nur das tun, was er bestimmte.

Die "Grundholdfrauen"

Was in aller Welt haben Grundholde nun mit Weiberfastnacht zu tun? Nichts. Aber die Grundholdfrauen. Diese bekamen unmittelbar vor Beginn der kirchlichen Fastenzeit von ihren Grundherren eine Einladung zum eigenen Mahl und Tanze, wie es damals hieß.

Wenn der Herr besonders großzügig war, durften neben den Grundholdinnen auch Witwen und Jungfrauen zu diesem Weiberfest kommen. Weib, erstmals im achten Jahrhundert verzeichnet, stammt vom althochdeutschen wīb. Weib und Weiber galt damals als höchst ehrbares Wort. Erst viel später wurde es abwertend gebraucht.

Der Ursprung der Weiberfastnacht

Zu dem Weiberfest waren sogar die so genannten gemeinen Töchter geladen – gemein nicht in der Bedeutung von böse oder hinterhältig. Nein, die gemeinen Töchter waren das, was heutzutage die Prostituierten sind. Früher wurde der Begriff Freudenmädchen verwendet.

Das Gemälde 'Der Kampf zwischen Fastnacht und Fasten' von Pieter Bruegel dem Älteren. Zu sehen ist eine mittelalterliche Marktszene

Der Kampf zwischen Fastnacht und Fasten im Mittelalter

Bei so einem Fest wurde nicht nur getanzt und gegessen, sondern auch ordentlich getrunken. Dass es dabei lustig zuging und nicht nur harmlose Scherze gemacht wurden, versteht sich von selbst. Und da die Männer ja nicht dabei waren, ließ es sich ungeniert über sie spotten. Diese alljährlich wiederkehrenden Feste waren die Urform der Weiberfastnacht.

Die Fastnacht

Im Lauf der Zeit bekamen die Frauen Geschmack an der Sache. Sie begannen, ihre Fastnacht selbst zu veranstalten. Womit wir beim zweiten Bestandteil des Wortes Weiberfastnacht sind. Fastnacht leitet sich von fasanaht her. Die Wortherkunft ist unklar, wobei fasanaht schon früh im 13. Jahrhundert als fastnacht, als Vorabend der österlichen Fastenzeit, verstanden wurde. Und diese beginnt am Aschermittwoch.

Bevor die katholische Kirche die Fastnacht im 12. Jahrhundert auf die Zeit vor dem Fasten eingrenzte, wurde sie in ganz Deutschland als Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsfest gefeiert.

Der Donnerstag

Als die Weiber dann begannen, ihre Fastnacht alleine zu gestalten, konnten sie dies anfangs aber nicht so ganz ohne Erlaubnis ihrer Grundherren. Ja, und diese gestatteten nur einen einzigen Tag im Jahr.

Ob es ursprünglich schon immer der Donnerstag vor Aschermittwoch war, lässt sich nicht so genau feststellen. Mit zunehmendem Kircheneinfluss jedoch fiel die Wahl auf den Donnerstag, da man am Freitag, dem Todestag Christi, nicht so ausgelassen feiern konnte.

Bräuche

Ein, ja mehrere Bräuche aus jener Zeit haben sich bis heute gehalten. Während der Weiberfastnacht durften die Frauen mal den Männern befehlen und nicht umgekehrt. Damals fürchteten die Männer um ihre Kopfbedeckungen, heute um ihre Krawatten. Sie gelten als Zeichen der Männlichkeit.

Wäscherinnen im 19. Jahrhundert

An Weiberfastnacht hatten sie mal frei, die Waschfrauen

Hut oder Mütze wurden erst dann herausgerückt, wenn ein Lösegeld bezahlt worden war – meist in Form eines ordentlichen Bechers Wein. Im heutigen Bonner Stadtteil Beuel begründeten die dortigen Waschfrauen Anfang des 19. Jahrhunderts eine der rheinischen Formen des Karnevals. Sie nutzten die Abwesenheit ihrer Männer, um zu feiern. Die Männer waren im benachbarten Köln unterwegs, um schmutzige Wäsche einzusammeln und diese nach Bonn zu bringen. Daher auch ein anderer Name für Weiberfastnacht: gumpiger, schmotziger Donnerstag.

Selbstbewusste Waschweiber

Die Beueler Wäscherinnen waren es auch, die eine Teilnahme am bisher rein männlichen Karneval durchsetzten. Sie schlossen sich zu einer Organisation zusammen. Aber bei jeder Art von Frauenherrschaft, auch wenn sie wie in der Weiberfastnacht gespielt ist, reagieren selbst Narren allergisch. Bei einem Rosenmontagszug in Mainz wurden die emanzipierten Närrinnen kräftig auf die Schippe genommen.

Hatten die Frauen doch kampfeslustig gereimt: "Die Frau allein soll jetzt regieren, der Mann fortan sey unterthan. Und wagt er sich zu opponiren, so stören wir uns nicht daran". Das war 1843. Schon im Jahr zuvor hatten sie sich über Themen wie Standesdünkel, Geldgier und Klatschsucht lustig gemacht.

Gute Miene machen

Wenn nun an Weiberfastnacht die Krawatte abgeschnitten wird, raus mit dem "Lösegeld". Nicht wenige Männer ziehen an diesem Tag sowieso nur die Krawatten an, die schon bessere Tage gesehen haben. Der materielle Verlust hält sich also in Grenzen.

Fragen zum Text

Jemand ist gemein, wenn er/sie …

1. sich boshaft verhält.

2. jemand anderen anständig behandelt.

3. durchschnittlich aussieht.

Die Grundherren erlaubten, dass die Frauen … im Jahr feierten.

1. fünfmal

2. einmal

3. zweimal

Klatschsucht bedeutet, dass jemand …

1. andere gerne verprügelt.

2. gerne die Hände gegeneinander schlägt.

3. meist schlecht über andere Leute redet.

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich über die Karnevalsbräuche in Deutschland. Schreiben Sie einen Bericht, in welcher Region wie gefeiert wird.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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