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Welt

Weißhelm-Einsatz gegen Ebola?

Zu spät. Zu langsam. Zu wenig. Die Reaktion der Staatengemeinschaft auf den Ebola-Ausbruch 2014 fiel holprig aus. Die deutsche Regierung will das mit einer "Weißhelm"-Truppe ändern. Doch schon der Name stößt auf Kritik.

Nein, mit einem Helm auf dem Kopf möchte er keine medizinische Hilfe leisten. Maximilian Gertler, Arzt und Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", hält deshalb wenig von einem "Weißhelm"-Trupp im Einsatz gegen Gesundheitskrisen weltweit, wie ihn die deutschen Minister für Gesundheit und für Entwicklungshilfe

vorschlagen

. "Ich habe selber in Konfliktregionen, etwa in Flüchtlingslagern im Tschad, erlebt, dass es überhaupt nicht günstig ist, wenn man als Helfer mit militärischen Akteuren verwechselt werden kann", so Gertler im Gespräch mit der DW. Beim Einsatz gegen Ebola in Guinea habe er einen Helm sowieso nicht brauchen können. Auf dem Kopf war Schutzkleidung gefragt.

"Ärzte ohne Grenzen"

, die einzige Hilfsorganisation, die früh auf die Ebola-Epidemie reagierte, stört sich am Begriff "Weißhelme" für eine schnelle medizinische Eingreiftruppe. So verschwimme die Grenze zwischen Militärs und humanitären Helfern, für die das Gefahren bringe. "Grundsätzlich ist es natürlich richtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man beim nächsten Ausbruch schneller vorgehen kann um wirklich Hilfe zu leisten", sagt Gertler. "Ob es dazu auch neue Strukturen braucht oder eine Verbesserung der alten ausreicht, das müssen wir den Zuständigen überlassen." Klar sei zumindest, dass die alten Strukturen beim Ebola-Ausbruch versagt haben.

"Zivile Eingreifkomponente"

Das sehen auch die Minister Hermann Gröhe und Gerd Müller so, derzeit in Westafrika unterwegs, um sich über den Kampf gegen Ebola zu informieren. Internationales Hilfspersonal müsse künftig schneller bereitstehen, sagten sie schon vor der Abreise im Interview mit der "Bild"-Zeitung. Die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) werde deshalb in Zukunft eine Truppe bereithalten, "die in drei bis fünf Tagen überall auf der Welt im Einsatz sein kann", so Müller.

Evakuierungsflugzeug Robert Koch (Photo: REUTERS/Maurizio Gambarini)

Die Bundesregierung hat ein Flugzeug umbauen lassen, mit dem Menschen aus Epidemie-Gebieten gebracht werden können.

Allerdings: Allzu bald sollte man nicht damit rechnen, "Weißhelme" aus Deutschland im Einsatz zu sehen. Denn noch handelt es sich nur um einen Vorschlag, einen Zeitplan etwa gibt es nicht. "Wir werden jetzt die Einzelheiten einer solchen zivilen Eingreifkomponente auch im Lichte der Gespräche, die der Minister im Rahmen seiner Reise nach Westafrika führt, planen und dann in die Umsetzung gehen", so ein Sprecher des Ministeriums gegenüber der DW. Bei der GIZ selbst konnte man zu etwaigen Planungen auf Nachfrage nichts sagen.

Personalpool für Nothilfe

"Weißhelme" ins Spiel gebracht hatte bereits im Herbst 2014 der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und einen "Pool von Experten, von Medizinern, von Pflegepersonal" vorgeschlagen, auf die man in Krisenfällen wie dem Ebola-Ausbruch zurückgreifen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diesen Vorschlag aufgenommen. Im Januar stellte sie einen Sechs-Punkte-Plan vor, mit dem internationale Gesundheits-Krisen bewältigt werden sollen. Punkt eins: eine "Weißhelm"-Truppe. "Die Idee ist, dass die Strukturen, die wir jetzt langsam stehen haben, auch bleiben, wenn Ebola weg ist",

sagte dazu der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner.
Maximilian Gertler von Ärzte ohne Grenzen im Ebola-EInsatz (Photo: Ärzte ohne Grenzen)

Maximilian Gertler von "Ärzte ohne Grenzen"

Im Herbst 2014 hatte die Bundesregierung ihre Hilfe für die von Ebola betroffenen Länder massiv verstärkt und bislang rund 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Noch einmal soviel soll in den nächsten zwei Jahren aus Deutschland in den Wiederaufbau des Gesundheitswesens in Sierre Leone, Liberia und Guinea fließen. Ein Behandlungszentrum in der liberianischen Hauptstadt Monrovia, aufgebaut von der Bundeswehr und dem Deutschen Roten Kreuz, kam jedoch zu spät. Dort wurde kein Ebola-Patient behandelt.

Zusammenarbeit mit privaten Organisationen

Wenn die Bundesregierung nun eine eigene medizinische Nothilfe-Truppe aufbaut, wird sie deshalb auch auf die Erfahrungen von privaten Hilfsorganisationen wie "Ärzte ohne Grenzen" angewiesen sein. Sie haben seit Beginn des Ebola-Ausbruchs Ende 2013 mehr als 5000 Ebola-Patienten behandelt. Die Organisation betreibt derzeit noch sieben Behandlungszentren in Sierra Leone, Guinea und Liberia und ist an Impf- und Medikamenten-Studien beteiligt. "Auch wir haben Personalpools an Pflegern und Ärzten für unsere Einsätze gebildet", sagt Maximilian Gertler. "Und wir sind gerne bereit, unsere Erfahrungen zu teilen." Nur den Begriff "Weißhelm", den müsse man vorher streichen.

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