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Welt

Weißes Haus nimmt Biden in Schutz

Der Sohn des US-Vizepräsidenten arbeitet für ein ukrainisches Gasunternehmen. Werden mit Hunter Bidens Verpflichtung Politik und Wirtschaftsinteressen verquickt? Die Regierung sieht das entspannt.

Die Verbindung von Hunter Biden zu einem ukrainischen Gasunternehmen hat zu zurückhaltenden Reaktionen in der amerikanischen Öffentlichkeit geführt. Das Wall Street Journal hatte am Mittwoch (14.05.2014) berichtet, dass der Sohn des US-Vizepräsidenten seit April für die Firma Burisma arbeitet. Zu den wenigen Medien, die die Meldung aufnahmen, gehört die renommierte Washington Post.

Die Zeitung übte allerdings heftige Kritik. Sie sieht in Hunter Bidens neuem Posten "ein Problem für die US soft power". Das Blatt meint damit die diplomatischen und politischen Optionen der USA in der Ukraine-Krise, die durch Bidens Verpflichtung an Glaubwürdigkeit verlieren könnten.

Kritik an Bidens Rolle

Die amerikanische Außenpolitik werde im Ausland oftmals als egoistische Wahrnehmung von Wirtschaftinteressen interpretiert, die vor allem von einem großen Energiehunger getrieben seien. Mit Bidens Verpflichtung bei Burisma, dem größten privaten Gasversorger, werde diese Wahrnehmung auf das Schönste bestätigt. "Schändlich" nennt der Autor des Artikels das Verhalten. Leser werden zitiert, die "sprachlos" sind oder einwenden, das Ganze sehe "wirklich schlecht" aus. Damit spielen sie darauf an, dass laut Wall Street Journal ein Vertrauer des früheren ukrainischen Präsidenten Janukowitsch hinter dem Energie-Giganten Burisma steht.

Weißes Haus bleibt gelassen

Das Weiße Haus will an der Biden-Personalie nichts Anrüchiges finden. Dessen Sprecher Jay Carney verweigerte eine Kommentierung mit der Bemerkung, dass "Hunter Biden und andere Mitglieder der Familie offensichtlich private Bürger" seien.

Michael Sawkiw vom "Ukrainian Congress Commitee of America" springt im Gespräch mit der Deutschen Welle Präsident Obamas Sprecher bei.

Lob von der Urkainischen Community

Sawkiw, dessen Organisation sich als Interessenvertretung der rund 1,5 Millionen Ukrainer in den USA sieht, gewinnt Bidens Arbeit für die ukrainische Energieindustrie nur Positives ab. Damit würden die politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern gestärkt. Außerdem verspricht er sich Abhilfe für ein Hauptübel: "Seit den letzen 25 Jahren ihrer wiedererlangten Unabhängigkeit von Russland wird die Ukraine durch Korruption ausgeraubt." Ihm ist alles recht, was "dazu beiträgt, das Korruptionsproblem stärker ins Bewusstsein zu bringen, ob durch den Sohn des Vizepräsidenten der USA oder den Sohn eines ukrainischen Politikers".

Sawkiw begrüßt es, dass die Familie des Vizepräsidenten damit noch enger mit der Ukraine kooperiert, wenn auch auf einer anderen Ebene. Denn Vizepräsident Joe Biden "war in der Obama-Administration ein wichtiger Befürworter, die Ukraine zu unterstützen".

Der Direktor des "US-Ukrainian Business Council", Morgan Williams, verweist dagegen auf die gute amerikanische Tradition, dass enge Familienangehörige von Regierung oder Kongress nicht in Organisationen arbeiten, die mit der Politik ihres Verwandten Geschäfts- oder andere Beziehungen unterhalten.

Politik vom Geschäft trennen

Dagegen habe Biden verstoßen: "Es hat den Anschein, dass hier ein Konflikt sein könnte." Williams sieht zwar bisher keinen Anhaltspunkt für einen Interessenskonflikt. "Aber wenn man den poltischen Sektor getrennt vom Business halten und die Korruption bekämpfen will, dann geht es nicht nur um die Einhaltung von Gesetzen, sondern auch um das äußere Bild."

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