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Europa

Weiße Weihnacht - fast überall

Straßen und Autobahnen waren spiegelglatt, Bahngleise von Schneewehen versperrt und Oberleitungen vereist. Zahlreiche Flüge fielen aus, Reisende saßen auf Flughäfen fest. Auch die Weihnachtspost wurde ausgebremst.

Ein Mann geht bei Schneetreiben mit einem Koffer über eine nicht zu befahrende Straße (Foto: dapd)

Weihnachtsverkehr 2010...

Die weiße Weihnacht ist tausenden Reisenden zum Verhängnis geworden. Nicht nur in Deutschland normalisiert sich inzwischen aber die Lage nach dem weihnachtlichen Schneechaos.

Hochgeschwindigkeitszug ICE im Schnee (Foto: dpa)

Der Winter fordert von Pendlern und Reisenden viel Geduld

Am zweiten Weihnachtstag (26.12.2010) ist der Bahnverkehr in Deutschland weitgehend störungsfrei angelaufen. "Alle größeren bundesweiten Fernstrecken sind frei befahrbar", sagte ein Bahnsprecher am Sonntagmorgen. Allerdings könne es noch vereinzelt Verspätungen geben. Trotz des zu erwartenden erhöhten Passagieraufkommens wegen Rückreiseverkehrs rechnet die Bahn damit, dass alle Reisenden sicher und zuverlässig ihr Ziel erreichen werden.

Ein Lastwagen hat die Mittelleitplanke auf der Autobahn 2 (Hannover-Berlin) durchbrochen (Foto: dpa)

Unfall auf der Autobahn Berlin-Hannover

Auch auf den Flughäfen in Deutschland ist weitgehend Normalität eingezogen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main gab es Heiligabend und am ersten Feiertag nur noch wenige Ausfälle. Ein Sprecher nannte die Lage ruhig und normal.

Glättebedingte Behinderungen gibt es weiterhin auf Landstraßen und Autobahnen. In den vergangenen Tagen war es dort zu massiven Staus und zahlreichen Unfällen gekommen.

Grund für Optimismus: Wetterberuhigung

Die Meteorologen erwarten, dass es in den nächsten Tagen weniger schneien wird. Allerdings bleibt es kalt, und der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für die Nacht zum Montag örtliche Tiefstwerte um minus 20 Grad. Zehntausende Haushalte, vor allem im Nordosten Deutschlands, die Heiligabend und am ersten Feiertag ohne Strom oder Heizung waren, werden inzwischen wieder versorgt. Dennoch brachen unter den Schneelasten in vielen Teilen Deutschlands Hallendächer ein, wobei zum Glück keine Menschen zu Schaden kamen.

Verschneite Straße in Brüssel, im Hintergrund das Atomium (Foto: AP)

Heilgabend in Brüssel

Auch in den Nachbarländern entspannt sich die Lage langsam. In Belgien, wo heftige Schneefälle und Blitzeis Heiligabend und am ersten Feiertag für chaotische Verhältnisse gesorgt hatten, kehrt nach und nach wieder Normalität ein. Auf dem Brüsseler Flughafen werde erstmals seit mehreren Tagen wieder ein "normaler Betrieb" erwartet, sagte ein Sprecher. Auch die meisten Straßen sind wieder befahrbar. Allerdings gibt es bei Bussen und Bahnen noch Verspätungen. Unter den Schneelasten brach in Lutselus (Flandern) das Dach einer Kirche ein. Bei dem Unglück wurde zum Glück niemand verletzt.

In Dänemark sind die 43.000 Einwohner der Ostseeinsel Bornholm wegen starker Schneefälle weiter von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Hebamme musste sich auf Langlaufskiern zu einer Schwangeren aufmachen. Später konnte die Frau dann mit einem Kettenfahrzeug der Armee ins Krankenhaus der Inselhauptstadt gebracht werden.

Flughafenbetreiber in der Kritik

Schlafende Passagiere auf dem Pariser Flughafen (Foto: AP)

In Paris flog nichts mehr...

Nachdem Heiligabend tausende Passagiere auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle gestrandet waren, übte die Fluggesellschaft Air France massive Kritik am Betreiber des Flughafens. Es sei nicht akzeptabel, dass das Drehkreuz über nicht genügend Enteisungsmittel für Flugzeuge verfüge, sagte der Chef der Gruppe Air France-KLM, Pierre-Henri Gourgeon. Der Flughafen in Roissy bei Paris hatte mitten im Weihnachtsverkehr Enteisungsmittel aus Deutschland und den USA besorgen müssen, um seine Vorräte aufzufüllen. Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet kündigte eine Überprüfung an. Der Flughafenbetreiber Aeroports de Paris (ADP) machte das Winterwetter für die Lage verantwortlich. Seit Roissy existiert, habe man so etwas noch nie gesehen, sagte ADP-Chef Pierre Graff. Wegen der Flugstreichungen mussten Hunderte Passagiere Heiligabend in den Terminals des Flughafens verbringen. Tausende weitere wurden in Hotels untergebracht.

Gestrandete Fluggäste in London Heathrow (Foto: AP)

Auf dem Londoner Flughafen Heathrow bewegte sich tagelang nicht viel

Unterdessen prüft die britische Regierung nach dem witterungsbedingten Chaos vor Weihnachten am Londoner Großflughafen Heathrow gesetzliche Möglichkeiten zur Bestrafung von Airportbetreibern. Die Behörden sollten in entsprechenden Fällen Bußgelder in zweistelliger Millionenhöhe verhängen können, sagte Verkehrsminister Philip Hammond der Zeitung "Sunday Times". Es sei nicht akzeptabel, dass die spanische Betreibergesellschaft BAA nach den bisherigen Regelungen keine Strafen zu befürchten habe. Der Flughafen Heathrow war vor gut einer Woche wegen des Winterwetters komplett geschlossen worden. Bis zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs saßen tausende Reise tagelang in den Terminals fest.

Winterunbilden und Frühlingswetter

Eisregen hat am Sonntag (26.12.2010) in der russischen Hauptstadt Moskau zu massiven Behinderungen geführt. In der ganzen Region Moskau kam es zu Problemen beim Zugverkehr, weil Oberleitungen einfroren.

Schild mit der Aufschrift 'Passport Control', darüber in kyrillischer Schrift, am Moskauer Flughafen (Foto: dpa)

Moskauer Flughafen

Unter der Eislast gerissene Stromkabel legten am Sonntag auch einen der drei internationalen Flughäfen in Moskau lahm - den Airport Domodedowo im Südosten der russischen Hauptstadt. Dort dürfen keine Maschine mehr landen und starten. Domodedowo wird unter anderem von den deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin genutzt.

Auch in Teilen der USA hat das Winterwetter zu Weihnachten ein Verkehrschaos ausgelöst. Für die Region um die Hauptstadt Washington rechneten Meteorologen des Nationalen Wetterdienstes mit bis zu 25 Zentimetern Schnee. Die Fluggesellschaft Delta Air Lines kündigte die Streichung von landesweit 500 Flügen an. Auch die Fluggesellschaften Continental und United Airlines rechnen bis Montag mit Verzögerungen und Flugausfällen am Washingtoner Dulles International Airport sowie an weiteren Flughäfen im Nordwesten der Vereinigten Staaten.

Touristen besuchen die Akropolis in Athen (Foto: Nikos Pilos)

Athen - Akropolis

Dagegen brachten die Weihnachtstage dem Südosten Europas überaus laue Lüfte: In Teilen Griechenlands und Bulgariens herrschen frühlingshafte Temperaturen. Im Westen Kretas wurden Heiligabend im Ferienort Falassarna 27,9 Grad Celsius gemessen, in Athen stieg die Temperatur am ersten Weihnachtstag schon um neun Uhr morgens auf 18 Grad. Im bulgarischen Achtopol am Schwarzen Meer wurden 15 Grad gemessen, allerdings sollte es auch regnen. Der verfrühte Frühling werde durch südliche Winde verursacht, die seit Tagen warme Luft aus der Sahara bringen, erklärten Meteorologen.

Autor: Hartmut Lüning (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel