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Deutschland

Wehrbeauftragter will Klartext reden

Der neue Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus will den Rückhalt für Soldaten im Einsatz stärken und mit klaren Worten in der politischen Debatte mitmischen.

Hellmut Königshaus (Foto: AP)

Setzt auf Kontinuität: Wehrbeauftragter Hellmut Königshaus

Am Donnerstagmorgen (20.05.2010) steht Hellmut Königshaus etwas steif vor dem Bundestag und leistet seinen Amtseid. Der FDP-Politiker ist jetzt kein Abgeordneter mehr, sondern Wehrbeauftragter des Parlaments. Jetzt dürfen sich Soldaten direkt an ihn wenden, wenn sie von Vorgesetzten drangsaliert werden, die Ausrüstung versagt, oder die Kantine schlecht ist. Das Telefon im Büro des 59-jährigen Juristen aus Berlin ist seit heute so eine Art Sorgentelefon für Bundeswehrangehörige.

Von den Soldaten haben sich schon in den vergangenen Wochen einige bei Königshaus gemeldet. Da war der Vater von zwei Kindern noch Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Kein ausgewiesener Verteidigungspolitiker, kein prominenter Macher, eher ein Mann der zweiten Reihe. Königshaus?, fragte sich die Truppe, als er für den Posten des Wehrbeauftragten nominiert worden war. Dann schaffte er es, sich mit markigen Worten in der Öffentlichkeit und bei der Truppe bekannt zu machen.

Kanonenrohr-PR

Kampfpanzer Leopard 2 (Archivfoto: AP)

Kampfpanzer Leopard 2

Als wieder drei deutsche Soldaten im afghanischen Kundus gestorben waren, ergriff der frisch Nominierte die Verlegung von Kampfpanzern in die Krisenregion. Königshaus setzte auf Feuerkraft: "Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift." Die Riege der Wehr- und Sicherheitspolitiker war konsterniert. Der Leopard 2 gehörte für sie zu einer Waffengattung einer vergangenen Zeit.

Die Kampfkolosse von Krauss-Maffei waren für Panzerschlachten mit dem Warschauer Pakt konzipiert. 1500 PS, 60 Tonnen schwer, Mehrschichtpanzerung und und eine 120-Milimeter-Kanone. Der Stolz der deutschen Panzerverbände - der Panzer - mit dem die Armeen des Warschauer Pakts aufgehalten werden sollten. Ein Dinosaurier aus heutiger Sicht, nichts für die moderne asymetrische Kriegsführung.

Harsche Kritik

Königshaus dachte sich, dass soviel Stahl auch Soldaten auf dem staubigen Plateau um den Standort Kundus schützen könnte. Die Schelte kam umgehend. Der Leopard mache dort "keinen Sinn", urteilte Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg. "Man darf und muss hier sagen, dass hier auch von vielen Seiten leider viel Inkompetentes gesagt wurde", schaltete sich sogar Kanzlerin Angela Merkel in die Diskussion ein. Es war eine der freundlicheren Kritiken.

Jetzt als Wehrbeauftragter will Königshaus nicht zurückrudern, im Gegenteil. "Ich lese das aus Erfahrungsberichten der kanadischen und dänischen Verbündeten in Afghanistan heraus." Die würden schließlich deutsche Leopard-Panzer leasen und zur Verstärkung in Gefechte schicken. Das bloße Auftauchen des Kampfmonsters würde die Gegner schon in die Flucht schlagen. Königshaus sagt es im Dreisatz: "Gefecht, Leopard erscheint, Gefecht beendet!"

Viel zu tun für den Neuen

Die Ausrüstung der Soldaten ist nur ein kleiner, wenn auch sehr publizitätsträchtiger Aspekt von Königshaus´ neuem Tätigkeitsfeld als Wehrbeauftragter. Er will sich in den nächsten fünf Jahren darum kümmern, dass die Bundeswehr familienfreundlicher wird und Angehörige der Soldaten besser betreut werden. Besonders dann, wenn sie mit einem psychisch angeschlagenen Einsatzveteranen konfrontiert werden. Außerdem wünscht sich Königshaus eine Zentralstelle für Hinterbliebene.

Der frühere Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (Foto: AP)

Königshaus' Vorgänger Reinhold Robbe

Während seiner Amtszeit will sich Königshaus, wie auch sein Vorgänger Reinhard Robbe, für die Akzeptanz der Soldaten und ihre Einsätze stark machen. Soldaten hätten sich bei ihm darüber beklagt, dass sie als Mörder angepöbelt oder ihre Kinder in der Schule beschimpft würden. "Umfragen zeigen, dass der Soldatenberuf ähnlich geschätzt wird wie der von Polizisten und Feuerwehrleuten," sagt der neue Wehrbeauftragte, aber das reicht ihm nicht. Die Leute sollen aufstehen und es zurückweisen, wenn "in der U-Bahn oder am Stammtisch" schlecht über die Bundeswehr geredet wird.

Autor: Heiner Kiesel
Redaktion: Michael Wehling/Pia Gram

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