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Deutschland

"Wehe, es brennt!"

Deutschland ist weltweit führend, was ehrenamtliche Helfer bei der Feuerwehr betrifft. Doch die Brandschützer plagen Nachwuchssorgen.

Feuerwehrleute vor ihrem Einsatzwagen (DW)

Rund hundert freiwillige Feuerwehrleute sind in Monheim am Rhein im Einsatz

Nils Hupperts ist rund um die Uhr einsatzbereit. Wenn der Funkmeldeempfänger an seinem Gürtel piepst, lässt der 40-Jährige alles liegen und stehen: "Man setzt sich ins Auto, fährt zur Wache, zieht sich um – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit!"

Werner Opherden, Leiter der Monheimer Feuerwehr(DW)

Werner Opherden: Leiter der Monheimer Feuerwehr

Hupperts ist einer von rund hundert freiwilligen Feuerwehrleuten in Monheim am Rhein. Sein Arbeitgeber, das städtische Wasserwerk, stellt ihn für die Einsätze frei. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, obwohl das Feuerschutzgesetz Arbeitgeber zur Unterstützung freiwilliger Helfer verpflichtet. Werner Opherden, Leiter der Monheimer Feuerwehr, beklagt, dass sich Beruf und Ehrenamt immer schwerer vereinbaren lassen: "Wir hatten einen Kollegen, der am Fließband gearbeitet hat, der konnte nicht weg. Das hat er einmal gemacht und dann gab es Probleme," sagt er.

Unentbehrliche Helfer

Viele Freiwillige kommen aus mittelständischen Betrieben, doch gerade diese können oft keine Arbeitskraft entbehren, selbst wenn sie einen Lohnausgleich dafür erhalten. Andererseits läuft ohne die Freiwilligen Feuerwehrleute in Monheim nichts, bei Großeinsätzen sind sie unverzichtbar. Sie stellen zwei Drittel aller Einsatzkräfte in der 44-Tausend-Einwohner-Stadt.

Werner Opherden erzählt von der vergangenen Nacht. Vier Brände brachen zeitgleich aus, dann gab es noch einen Verkehrsunfall mit Verletzten. "Die Freiwilligen haben die Feuer gelöscht, während die Hauptamtlichen beim Unfallort waren", berichtet der 59-Jährige.

Überalterung kommt Kommunen teuer zu stehen

Ein Feuerwehrwagen in der Nacht auf der Straße (DW)

Freiwillige Feuerwehrleute sind bei Großeinsätzen unverzichtbar

Rund tausend Einsätze im Jahr bewältigt die Freiwillige Feuerwehr in Monheim. Doch wie lange noch? Ein Zehntel ihrer Mitglieder wird in den nächsten Jahren aus Altersgründen ausscheiden – und wer die Sechzig überschritten hat, darf nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Werner Opherden prophezeit, dass der Brandschutz den Steuerzahler künftig mehr kosten wird. Freiwillige müssten durch Beamte ersetzt werden – und das wird für die Stadt teurer.

Nachwuchs durch gezielte Jugendförderung

Noch ist "Feuerwehrmann" der Traumberuf vieler Jungen, und noch kommen die meisten Nachwuchskräfte aus der Jugendfeuerwehr. Atemschutz, Funkausbildung, technische Hilfeleistung - dem 16-jährigen Alexander Iffland macht es großen Spaß, immer etwas Neues zu lernen.

Gerade übt er den Einsatz eines Hebekissens. Das Rettungsgerät kann ein schweres Fahrzeug versetzen und helfen, eingeklemmte Personen zu befreien. Noch ein Jahr, dann ist der Gymnasiast aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, und darf dann auch schon mal einen richtigen Einsatz begleiten.

Zu wenig gesellschaftliche Anerkennung

Feuerwehrleute am Einsatzort (DW)

"Viele Leute empfinden es als selbstverständlich, dass die Feuerwehr kommt"

Löschzugführer Markus Paikert wünscht sich, dass das Engagement der Freiwilligen von der Gesellschaft stärker gewürdigt wird. Früher sei die Anerkennung größer gewesen – damals, als die Sirene noch auf den Dächern heulte und jeder sehen konnte, wenn die die Feuerwehrleute zum Einsatz liefen.

Mit dem stillen Alarm hätte sich das öffentliche Bewusstsein geändert. Heute übermittelt manchmal nur ein Vibrieren des Funkmelders dem Empfänger den Alarm. "Viele Leute empfinden es als selbstverständlich, dass die Feuerwehr kommt, wenn man sie ruft", sagt Markus Paikert. "Aber sie wissen oft nicht, dass wir das ehrenamtlich machen."

Autorin: Claudia Hennen

Redaktion: Michael Borgers