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Europa

Wegweisende Gespräche auf Zypern

Ankara und Athen müssen Maximalpositionen aufgeben und für ein friedliches Miteinander innerhalb der EU arbeiten. Ein Kommentar von Baha Güngör.

Wenn das Zypern-Problem erst einmal gelöst ist, wird es keine Verlierer, sondern nur Gewinner geben. Vielleicht deshalb gaben sich die Führer der Griechen und der Türken auf der Mittelmeerinsel, Glafkos Kleridis und Rauf Denktasch, demonstrativ locker, nachdem sie sich nach vier Jahren erstmals wieder zu direkten Gesprächen getroffen hatten. Allein schon dieses Treffen stellt einen Sieg der Vernunft über politische Sturheit dar. Aber noch viel bedeutsamer ist die Entscheidung der beiden, einander ebenbürtigen Polit-Profis, sich im Januar ohne Vorbedingungen erneut zu direkten Gesprächen zu treffen und die sich abzeichnende Aussicht auf eine Lösung des Zypern-Problems zu festigen.

Denktasch und Kleridis hatten keine Alternative zur Fortführung ihres direkten Austauschs ohne Vorbedingungen. Auch die beiden von der Europäischen Union unter Druck gesetzten "Mutterländer", Türkei und Griechenland, sind sehr an einem Ende ihres Gezänks um Zypern interessiert. In Athen und in Ankara sprachen die beiden Regierungschefs, Kostas Simitis und Bülent Ecevit, fast gleichlautend von "Fortschritten" und "erfreulichen Entwicklungen." Der historische Streit zwischen ihren Ländern war zunehmend zu einer Gefahr für die Bemühungen der Europäer geworden, ihre Union in östlicher und südöstlicher Richtung auszudehnen und somit den Demokratisierungsprozessen neue Impulse zu verleihen.

Optimismus verfrüht

Aber vor zu großem Optimismus sei gewarnt: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu glauben, die Wiedervereinigung Zyperns sei nur noch eine Frage der Zeit und praktisch schon eingeleitet, würde die Realitäten auf der Insel verkennen. Die Bevölkerung Zyperns hat viele leidvolle Jahre hinter sich. Morde, Massaker, Kriege und Vertreibung sowie von den Falken auf beiden Seiten geschürte Ängste vor den Menschen anderen Glaubens werden nicht einfach vergessen sein, nur weil sich die Politiker einig sind. Vielmehr bedarf es noch vieler kleiner Schritte, um gegenseitiges Vertrauen zu bilden und zu festigen.