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Kultur

"Weggeschlossen": Cyber-Dissident Huang Qi

Jedes Jahr verleiht "Reporter ohne Grenzen" einen Preis an Journalisten, die im Internet für Pressefreiheit kämpfen. 2004 geht der Preis an den Chinesen Huang Qi. Für seine Ideale ging er ins Gefängnis.

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... wegen einer Website

Die Polizei stand schon vor der Tür, um ihn zu verhaften, doch Huang Qi gelang es, noch eine letzte E-Mail loszuschicken. "Auf Wiedersehen an alle, die Polizei will mich mitnehmen. Vor uns liegt eine weite Strecke. Danke an alle, die der demokratischen Entwicklung Chinas geholfen haben." Das war am 3. Juni 2000. Heute, über vier Jahre später sitzt Huang Qi noch immer im Gefängnis.

Huang wurde im Januar 2001 der "Subversion" und der "Anstiftung zum Umsturz" angeklagt. Erst mehr als zwei Jahre später erfuhr er, dass er zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Sein Verbrechen war es, Artikel über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 auf seiner Webseite veröffentlicht zu haben. Die Seite www.tianwang.com lag auf einem Server in den USA, nachdem sie in China verboten worden war.

Misshandlungen und Einzelhaft

Huang durfte seine Familie drei Jahre lang nicht sehen und wurde im Gefängnis misshandelt. Seine Frau berichtete, die Polizei habe Huang während seines ersten Jahres in Haft regelmäßig geschlagen. Außerdem sei er ein Jahr lang gezwungen worden, auf dem Zellenboden zu schlafen. Ein weiteres Jahr habe er mit Handschellen gefesselt in einem dunklen Zimmer eingesperrt verbracht.

Vor wenigen Monaten konnte Huang mit seiner Frau telefonieren. Obwohl der Anruf von den Gefängnisbehörden mitgeschnitten wurde, drängte er sie, seinen Kampf für die Pressefreiheit weiterzuführen. Außerdem bat er sie, mit ihrem Sohn China zu verlassen in der Hoffnung, dass er nach seiner Freilassung im Ausland zu ihnen stoßen könnte. Weil Huang auch im Gefängnis weiter gegen die Zensur streitet und mit den übrigen Gefangenen diskutiert, verlegen ihn seine Bewacher inzwischen jeden Monat in eine andere Zelle.

Tabu nach 15 Jahren

Für seinen Kampf für die Meinungsfreiheit hat "Reporter ohne Grenzen" Huang den "Cyber-Freedom Prize" 2004 verliehen. Die Auszeichnung des wegen einer Webseite zum Tiananmen-Masaker verurteilten Huang hat Symbolcharakter. Erst vor wenigen Tagen jährte sich die blutige Niederschlagung der Studentenproteste auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" zum 15. Mal. Doch auch heute ist es noch immer bei Strafe verboten, darüber zu schreiben.

"Reporter ohne Grenzen" hat anlässlich des Jahrestages die Freilassung aller inhaftierten chinesischen Journalisten und Cyber-Dissidenten gefordert. Der öffentliche Druck aus dem Ausland auf die chinesische Regierung bleibt von zentraler Bedeutung für die Inhaftierten: Huang Qi selbst hat die Sorge geäußert, dass er auch nach Verbüßung der fünfjährigen Haftstrafe nicht freigelassen werden könnte.

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