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Wirtschaft

Weg frei für den gläsernen Manager

Ab 2007 müssen deutsche Manager ihre Gehälter offen legen. Das sieht ein lange diskutiertes Gesetz vor, das der Bundesrat nun endgültig verabschiedet hat. Unternehmer sprechen von Sozialneid, Aktionäre jubeln.

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Bezahlung in Zukunft nach Erfolg?

Es war der letztmögliche Termin. Kurz vor der Sommerpause und damit in der voraussichtlich letzten Sitzung vor den Neuwahlen hat im Bundesrat eine große Koalition aus SPD und CDU/CSU das Manager-Gesetz klaglos durchgewunken (8.7.2005). Solch Harmonie mitten im anlaufenden Wahlkampf ist bekanntermaßen eher selten, und so fragt man sich zwangsläufig: Wieso ging das alles nicht schon früher?

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Hier fiel die Entscheidung: Plenarsaal des Bundesrats

Sind Deutsche zu bescheiden?

"Geld ist einfach ein schwieriges Thema in Deutschland", seufzt Jürgen Kurz von der Schutzvereinigung Wertpapierbesitz, wenn man ihm diese Frage stellt. "Während man in puritanisch geprägten Ländern wie England oder den USA stolz ist auf das, was man verdient, ist man da hierzulande eher zurückhaltend." Ein unausgesprochener Konsens, auf den sich die deutschen Manager allzu lange verlassen konnten. In Amerika, Frankreich, Italien und den Niederlanden etwa gehen die Unternehmen schon lange mit den Gehaltszahlen ihrer Vorstände an die Öffentlichkeit.

Wem das Gesetz vor allem dient, ist eindeutig: den Aktionären. Sie sollten in Zukunft leichter beurteilen können, ob das Einkommen der Manager auch mit deren Leistung im Einklang stünde, meint Justizministerin Brigitte Zypries, in deren Haus der Entwurf entstanden ist. "Im Zweifel geht es nämlich um ihr Geld, das ihren Dividenden dann nicht mehr zur Verfügung steht." Mit der Offenlegung, so hoffen die Aktionäre, soll ihnen nun ein größeres Druckpotential zuwachsen: "Die Vorstände müssen Erfolge und Misserfolge ihrer Unternehmenspolitik direkt im Portemonnaie spüren", fordert Aktionärsvertreter Kurz.

Endlich mehr Kontrolle

Zwar bestimmen mit dem neuen Gesetz noch immer nicht die Aktionäre über die Vorstandsgehälter. In Zukunft können sie jedoch leichter nachvollziehen, wer aus dem Vorstand wie viel genau verdient - und vor allem, was davon auf erfolgsabhängige Prämien zurückgeht. Bislang mussten die Unternehmen nur den Gesamtbetrag aller Vorstandsgehälter zusammen veröffentlichen. Die Auseinandersetzungen auf Aktionärsversammlungen könnten damit in Zukunft wesentlich härter ausfallen, dem Vorstand durchaus auch einmal das Misstrauen ausgesprochen werden.

Börsen-Symbol Bulle

Anleger hoffen: Die Offenlegung wird die Aktienmärkte revolutionieren

Für die eher behäbige deutsche Aktionärskultur käme das fast einer Revolution gleich. "Viel zu lange haben wir es uns in unserer Deutschland AG einfach nur gemütlich gemacht", meint Kurz. Bis vor wenigen Jahren dominierten die so genannten Überkreuzbeteiligungen den Aktienmarkt: Hauptaktionäre waren Versicherungen oder Banken, nicht eine Vielzahl privater Anleger; oft traten sie gleichzeitig auch als Kreditgeber auf und konnten sich so die Zahlen, die sie benötigten, problemlos von alleine beschaffen. Für eine förmliche Gehaltsoffenlegung gab es keinen Grund.

Sozialismus in der Chefetage?

Mittlerweile haben die deutschen Großbanken - mit der Deutschen Bank als Vorreiter - ihre Unternehmensbeteiligungen im großen Stil abgestoßen, so dass auch in Deutschland vermehrt Privatanleger und Fonds auf den Aktienmarkt drängen. In den USA oder Großbritannien ist das schon lange so: Dort gelten Aktien als beliebte Altersvorsorge. Entsprechend deutlich spüren die dortigen Manager denn auch den "Druck von unten", wenn sie ihre Unternehmen nicht in die Gewinnzone und damit die Dividenden nach oben bringen.

Galerie Josef Ackermann

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann laechelt waehrend einer Pressekonferenz in Frankfurt am 31. Jan. 2002. Ackermann ist laut Umfrage Deutschlands attraktivster Manager. Zwoelf Prozent aller Befragten, die an einer repraesentativen Erhebung des Emnid-Institutes im Auftrag der 'Wirtschftswoche" teilnahmen, setzten den Schweizer auf Platz eins - vor DaimlerChrysler-Chef Juergen Schrempp, wie am Mittwoch, 8. Sept. 2003 gemeldet wurde. (AP Photo/Frank Rumpenhorst) ** zu APD0749 **

Fürchten sich die deutschen Manager also vor unschmeichelhaften Vergleichen? Porsche-Chef Wiedeking jedenfalls greift in seiner Ablehnung zu gewagten Formulierungen: Die neue Regelung werde zu einem "Sozialismus in der Vorstandsetage" führen, die Managergehälter sich alle einander angleichen. Im Moment differieren die Bezüge - so weit man sie denn kennt - erheblich, und das bereits im Bereich der fünf deutschen Topverdiener: Während Josef Ackermann von der Deutschen Bank 2004 über 10,1 Millionen Euro verdiente, ging Allianz-Chef Michael Diekmann mit nur 4,2 Millionen nach Hause. Andere Manager behaupten, für die Kapitalmärkte sei es gar nicht wichtig, die Gehälter genauer zu kennen.

Schlupfloch für Mimosen

Aktionärsvertreter Kurz sieht das naturgemäß anders. "Das können die uns ruhig selbst entscheiden lassen, was wir brauchen und was nicht." Zwar wäre auch er nicht begeistert, wenn plötzlich jedermann die Höhe seines Gehalts in der Zeitung lesen könnte. "Aber wenn ein Vorstand damit nicht umgehen kann, hätte er eben eine GmbH leiten sollen." Und nicht zuletzt hat das neue Gesetz scheuen Managern ein Schlupfloch gelassen: Wenn sie wollen, können sie ihre Aktionärsversammlung davon überzeugen, die Offenlegung der Gehälter wieder zurückzunehmen. Allerdings braucht es dafür eine Dreiviertelmehrheit.

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