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Kultur

Weg aus der Vertrauenskrise?

Seit Januar dieses Jahres sind in den USA nahezu 250 katholische Geistliche ihrer Ämter wegen Pädophilie entbunden worden. Eine Bischofskonferenz im texanischen Dallas soll helfen, die Sexskandale zu überwinden.

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"... und vergib ihnen ihre Schuld"

Spätestens seit immer neue Fälle von Pädophilie und sexueller Verfehlung innerhalb des katholischen Klerus bekannt geworden sind, gehen die Bischöfe auf ihre Kritiker und Opfer zu: Am Vorabend der von vielen Kirchenmitgliedern als schicksalshaft empfundenen Tagung saßen die rund 300 Bischöfe mit Vertretern der Opfer zusammen.

Die Statistik des Skandals scheint ihnen auch keine andere Wahl zu lassen: In den USA sind seit Januar 2002 mindestens dreihundert Zivilklagen gegen katholische Geistliche wegen sexuellen Missbrauchs erhoben worden.

Abfindungen und Schweigegelder

Nach Angaben der Opferanwälte gibt es mehrere hundert weitere Fälle, die zwischen der Kirche und den Opfern geregelt werden. Dabei geht es um Abfindungen in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar. Der Erzbischof von Milwaukee, Rembert Weakland, hatte im Mai 2002 im Vatikan um die Entlassung in den vorzeitigen Ruhestand gebeten, nachdem bekannt geworden war, dass er vor 20 Jahren umgerechnet etwa eine halbe Million Euro Schweigegeld an einen Theolegie-Studenten gezahlt hatte, der ihn heute sexueller Verfehlungen beschuldigt.

Katholische Kirche in Bedrängnis

Viele der nun aufgedeckten Fälle liegen Jahre oder Jahrzehnte zurück. Doch die Opfer - damals Minderjährige - wagen zum Teil erst heute als Erwachsene den Gang in die Öffentlichkeit. Die Zahl der anhängigen Zivilklagen mit den für Amerika typischen hohen Streitwertsummen droht das katholische Kirchen-Establishment nicht nur moralisch, sondern auch finanziell in Bedrängnis zu bringen.

Vorladung in Rom

Seinen Ausgang nahm der Skandal im Januar 2002: Da wurde bekannt, dass in der Erzdiözese Boston ein mehrfach überführter Kinderschänder im Priesteramt von der Kirchenführung immer wieder in andere Gemeinden versetzt wurde, ohne dass ihm der Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern vewehrt worden wäre. Im April hatte der Skandal derartige Ausmaße angenommen, dass die amerikanischen Kardinäle zu einem Krisengespräch mit dem Papst in den Vatikan zitiert wurden.

Unter den Teppich gekehrt

Das Krisengespräch beim Papst hat aber nichts gebracht: Seitdem hat sich die Zahl der Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche sowie der Vertuschungsversuche durch die Kirchenhierarchie weiter erhöht. Nach einem Dossier der Washington Post haben sich seit den frühen 1960-er Jahren mindestens 850 Priester sexueller Verfehlungen an Minderjährigen schuldig gemacht. Anderen Quellen zufolge soll dies in mehr als der Hälfte aller US-amerikanischen Diözesen mit Wissen der Kirchenführung geschehen sein.

Versuche der Aufarbeitung und Wiedergutmachung

Inzwischen mehren sich die Stimmen unter den Bischöfen, die für eine Politik der Null-Toleranz gegenüber sexuellen Missetätern plädieren. Die Bischöfe wollen verbindliche Regeln im Umgang mit Missetätern innerhalb des Klerus verabschieden. Die Regeln werden allerdings nur empfehlenden Charakter haben: Das letzte Wort hat stets der Papst.

Doch das ist den zahlreichen Kirchen-Kritikern und über 4.000 zusammengeschlossenen Opfern nicht mehr genug: Sie fordern die Entlassung aller glaubwürdig belasteten Priester und den Rücktritt von Kardinälen und Bischöfen, sofern sie der Mitwisserschaft und Vertuschung von derartigen Fällen angeklagt sind.

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