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Deutschland

Wedig: "Wir hätten im Vorfeld helfen können"

Die deutsche Bergbauindustrie kritisiert die schlechten Sicherheitsstandards bei ihren türkischen Kollegen. International setzt sich der deutsche Dachverband für Sicherheit und Nachhaltigkeit im Bergbau ein.

DW: Herr Wedig, Sie sind Geschäftsführer der Vereinigung Rohstoffe und Bergbau, der Lobbyorganisation der deutschen Bergbauindustrie. Sind Sie von der Katastrophe im türkischen Soma überrascht worden?

Martin Wedig: Von einem Unglück ist man zunächst einmal immer überrascht, gleichwohl sind natürlich schlechte Sicherheitsstandards im türkischen Bergbau, vor allem im türkischen Tiefbau, bekannt. Und offensichtlich, wie auch die Meldungen aus der Türkei belegen, ist in den letzten Jahren relativ wenig passiert, um die Sicherheitsstandards in den Bergwerken zu verbessern.

Sie sind ebenfalls Geschäftsführer des Fachbereichs Auslandsbergbau für deutsche Unternehmen, die eigene Grubenbeteiligungen im Ausland haben oder als Dienstleister international tätig sind. Hätten Sie vorher helfen können, diese Katastrophe zu vermeiden?

Wir hätten schon vorher helfen können. Beispielsweise existiert ein deutsch-türkisches Energieforum. Dort sind wir auch beteiligt mit der Bergbausparte und dort haben wir auch immer wieder die Forderung eingebracht, in der Türkei sogenannte Bergbau-Trainingszentren zu errichten und diese dann auch mit deutscher Hilfe entsprechend auszustatten. Nicht nur mit Lehrmaterial, sondern auch mit der entsprechenden Expertise, die aus den Reihen unserer Mitglieder kommen könnte.

In welchen Ländern würden Sie wegen der schlechten Sicherheits- und Menschenrechtssituation Ihren Mitgliedern empfehlen nicht tätig zu werden?

Wir verfolgen eigentlich das Ziel, möglichst in alle Länder reinzugehen. Immer da, wo sich deutsche Unternehmen befinden, wird es im Grunde genommen sicherer. Da wird der Bergbau auch nachhaltig im Sinne eines aktiven Umweltschutzes und natürlich auch der sozialen Komponenten des Bergbaus und der Rohstoffgewinnung.

Kann man denn davon ausgehen, dass alle Ihre Mitglieder auch die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO einhalten - zum Beispiel die ILO-Konvention 176 über Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsrechte im Bergbau?

Davon gehen wir aus. Und mir ist eigentlich auch kein Fall bekannt, dass es nicht so ist. Also das wird ganz stark von unseren Mitgliedern verfolgt, und da wo die tätig sind, kann man von einem sicheren Bergbau ausgehen, ja.

Konzessionen werden von den jeweiligen Regierungen jedoch nicht nur nach Einhaltung der internationalen Umwelt- und Sozialstandards vergeben, sondern vor allem nach Geld. Sind Ihre Unternehmen mit ihren Forderungen da international im Nachteil?

Uns geht es im Wesentlichen um den Begriff der Nachhaltigkeit. Die Ergebnisse in der Vergangenheit haben inzwischen auch in afrikanischen Ländern den Regierungen gezeigt, dass hier deutlich mehr entsteht, wenn wir nachhaltigen Bergbau betreiben. Das hat eben damit zu tun, dass man in das Land geht und auch Arbeitskräfte vor Ort gewinnt, diese Arbeitskräfte selbst ausbildet und diese Arbeitskräfte einstellt, im Vergleich zu anderen, die hingehen, ihre Arbeitskräfte komplett selbst mitbringen und dann Industriebrachen hinterlassen.

Martin Wedig ist Geschäftsführer der Vereinigung Rohstoffe und Bergbau, der Dachverband des deutschen Bergbaus. Er ist ebenfalls Geschäftsführer des Fachbereichs Auslandsbergbau. Mitglieder dort sind deutsche Unternehmen, die international in Grubenbeteiligungen oder Bergbaudienstleistungen tätig sind.

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