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Wirtschaft

Webb statt Hartz?

Während Politiker und Verbände die Hartz-Vorschläge diskutieren, stellt der Amerikaner John Webb die herkömmliche Art der Jobsuche in Deutschland auf den Kopf. Im Alleingang.

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Die einen gehen zum Arbeitsamt, die Erfolgreichen gehen zu Webb

Deutschland hat ein riesiges Beschäftigungsproblem und John Webb glaubt, den Weg gefunden zu haben, um es zu lösen. In den letzten zehn Jahren brachte er Arbeitslosen und Menschen, die in ihrem derzeitigen Job unzufrieden sind, bei, wie sie die Jobs und Karrieren erreichen, die sie schon immer wollten.

Webb verwendet in seinen zweiwöchigen Kursen die Methode des "Life-Work Planning" von Richard Nelson Bolle. Der ist Autor des Welt-Bestsellers Durchstarten zum Traumjob. Seit 1990 bietet der aus Chicago stammende Webb seine Kurse immer mehr Universitäten im ganzen Lande an. Immerhin 6000 Hilfesuchende sind bereits durch die Webb-Schule gegangen. Allmählich bekommen seine Seminare, die bereits von vielen Arbeitssuchenden in den höchsten Tönen gelobt werden, sogar Fans in den Arbeitsämtern.

Diese Woche unterbrach Webb sein 177. Seminar, dass er gerade in Freiburg abhält, um mit Andreas Tzortzis von DW-WORLD zu sprechen.

Was sind die größten Unterschiede in der Art, wie Deutsche und Amerikaner auf Jobsuche gehen?

Da gibt es Unterschiede, aber die sind lange nicht so groß, wie das Deutsche gerne glauben. Ich lebe nun seit 27 Jahren in Deutschland und dieses Land ist in der Zeit sehr viel amerikanischer geworden. Ich glaube, ein großer Unterschied liegt in dem deutschen Glauben an die Ordnung. Die Leute sind geradezu schockiert, wenn man ihnen erzählt, dass es so auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht zugeht. Ich sage dann immer: „Fragt eure Eltern, wie sie ihren Job gefunden haben und nur ein Viertel von euch wird hören, dass es dabei ordnungsgemäß zuging." Amerikaner leben im Chaos und sind viel eher daran gewöhnt, dass Dinge sehr unvorhergesehen geschehen.

Was noch?

Es gibt auch Unterschiede bei der Bedeutung von Berufs-Titeln. Die gibt es zwar auch in Amerika, aber es herrscht dort ein viel stärkeres Bewusstsein dafür, dass diese Dinge nicht in Stein gehauen sind. Wenn jemand in Deutschland Jura studiert hat, dann sieht er sich als Rechtsanwalt. Man kann ihm 20 mal sagen, "Könntest du dich nicht als eine Person betrachten, die diese oder jene anderen Talente und Interessen hat und außerdem noch ein juristisches Staatsexamen?" Dann schaut der dich mit Panik in den Augen an.

Was möchten die Menschen in Ihren Seminaren lernen?

Da gibt es drei große Fragen: Zum einen "Was?". Das wird oft missverstanden, weil die meisten denken, dies bedeute die Frage danach, ob sie Arzt oder Lehrer werden wollen. Dabei meint das eher, was du tun willst, die Tätigkeiten. Die zweite Frage lautet "Wo?" Wo möchte ich das tun, mit was für Kollegen, in welcher Art von Räumen, in welcher geographischen Region? Der letzte Teil beinhaltet das "Wie?". Wie kann ich diese Dinge für mich menschlich möglich machen, wie kann ich diesen Job bekommen? Wie kann ich damit anfangen, mich in eine Beschäftigungssituation zu bringen, die das befriedigt, was ich wirklich tun will.

Ist dieses Konzept vielen Deutschen fremd?

Die Deutschen haben dieses wunderbare Sprichwort: "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps", was meint, das es eine scharfe Trennung geben sollte zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Dieser Job-Suche-Prozess ist eine ziemlich radikale Verneinung dieser Idee. Deine berufliche Qualifikation wird zu deinem Interesse.

Glauben Sie, dass diese Methode in einem Lande Fuß fassen kann, in dem die herkömmlichen Methoden, sich einen Job zu suchen, so grundverschieden von denen in den USA sind?

Es gibt kulturelle Unterschiede, die man berücksichtigen muss. Diese Methode kommt aus Amerika und vielleicht befürchten sie jetzt, das sei alles blauäugige Oberflächlichkeit. Die Botschaft ist die: probier's aus. Wenn nicht, dann wirst du's eh nie brauchen. Aber wenn du es tust, dann kannst du es anwenden. Viele Leute, die diesen Kurs besucht haben, bringen diese Methoden ihren Nachbarn bei, ihrem jüngeren Bruder oder ihrer Schwester, ihren Eltern.

Kann diese Methode Deutschlands Problem der Arbeitslosigkeit lösen?

Ich habe keinen Zweifel daran, dass das zumindest eine gute Vorbereitung dafür ist. Die Leute können lernen, was für Fähigkeiten sie bereits haben. Es gibt viele Möglichkeiten, die "Life-Work Planning“ den Menschen eröffnen kann. Die Frage lautet: "Was möchtest du tun?" Du kannst alles tun, was du willst. Ich hatte Leute in den Kursen mit kulturwissenschaftlichen Hochschulabschlüssen, die für Sinfonie-Orchester arbeiten, und solche, die in Hamburg Suppenküchen organisieren. Mit deinem Abschluss kannst du tausend verschiedene Dinge machen, alles hängt davon ab, was du wirklich gerne tust."

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