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Kultur

Wasserzeichen für Videos

Die Höhepunkte der Champions League, Folgen von Comedy Shows oder die beliebtesten Filmszenen aller Zeiten – auf der Multimediaplattform YouTube kann fast jedes Video aufgerufen werden. Doch nicht mehr lang.

Screenshot einer YouTube-Seite

Wasserzeichen und Fingerabdrücke sind für den Zuschauer nicht sichtbar

Auf YouTube stellen Nutzer auch ohne Genehmigung der Urheber Inhalte der Öffentlichkeit zur Verfügung. Google, Mutterkonzern von YouTube hat nun reagiert und für das "Mitmachfernsehen" eine Software entwickelt, die Besitzern von Urheberrechten ermöglicht, ihre Videos zu finden und sperren zu lassen. Ganz uneigennützig kommt dieser Schritt nicht. Denn in den letzten Monaten wurde Google mit Klagen zu YouTube überhäuft. Der Medienriese Viacom fordert 750 Millionen Euro Schadensersatz, weil Nutzer der Plattform urheberrechtlich geschützte Filminhalte öffentlich zugänglich machten. Auch die britische Fußballliga sowie der französische Tennis- sowie Fußballverband folgten mit juristischen Schritten.

Fingerprints auf Datenmaterial

In einer Testphase im Juli will die Plattform mit der neuen Kontrolltechnik starten. Eine eigens entwickelte Software wird dann alle eingehenden Video-Beiträge darauf prüfen, ob beispielsweise Material von Fernsehsendern oder Filmstudios enthalten ist. Diese Technik basiert auf der Erkennung von so genannten Fingerprints, zu Deutsch Fingerabdrücken. "Bei einem Fingerprint", so Hannes Federrath, Professor für Management der Informationssicherheit an der Universität Regensburg, "werden in den Inhalt des Filmmaterials Informationen zum Käufer, zur Nutzungslizenz eingebettet. An Hand dieser Daten, die optisch nicht sichtbar sind, kann ein Software-Programm dann erkennen, ob beispielsweise ein Video lizenziertes Material enthält und von der Plattform entfernt werden kann. Fingerprints setzten allerdings voraus", so Federrath weiter, "dass sich Lizenzgeber und Plattformanbieter wie YouTube über Datensätze austauschen."

Watermarking für Urhebererkennung

Doch auch Fernsehsendungen, die nicht per Lizenz vertrieben werden, können auf YouTube aufgespürt werden. Und zwar durch Watermarking. Ähnlich wie bei Geldscheinen wird in das Sendungsmaterial ein Wasserzeichen eingebettet, das für den Zuschauer nicht sichtbar ist, jedoch für den Decoder einer Software. "Wenn eine Sendung über Kabel oder über Satellit verbreitet wird und später unerlaubt auf einer Plattform wie YouTube auftaucht", erläutert Federrath, "wird das Wasserzeichen auch hier wieder erkannt und gefiltert werden."

Stecknadel im Heuhaufen

Sollte die Testphase bei YouTube positiv anlaufen und die Plattform das Scannen von Filmmaterial zum Standard machen, wird die Prüfung keinen Mehraufwand mit sich bringen. Filmmaterial, egal welcher Länge muss von den Nutzern ohnehin eins zu eins auf die Plattform geladen werden. Parallel dazu kann dann die Software das Material durchleuchten und bei Verstößen den Lizenzvertreiber oder Urheber melden. "Dann wird es keine Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen mehr geben", so Federrath. YouTube kommt seinen rechtlichen Pflichten mit diesem Schritt endlich nach. "Dennoch", warnt Federrath, "können Watermarksysteme relativ schnell geknackt und manipuliert werden."

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