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Kultur

Wassernotstand in Pakistan: Wiederholt sich die Geschichte?

Die übermäßige Nutzung eines ausgeklügelten Bewässerungssystems führte zum Niedergang der Hochkultur der Sumerer. Eine ähnliche Entwicklung droht Pakistan.

Zwei Personen in tiefem Brunnen (ap)

Für Wasser müssen die Pakistaner tief hinabsteigen

Die Felder im pakistanischen Punjab sind durchzogen von Kanälen zur Bewässerung. An den Uferböschungen lassen Hirten ihre Ziegen oder Schafe grasen. Doch vor allem werden mit den Kanälen Plantagen mit Zuckerrohr und Baumwolle oder Weizenfelder bewirtschaftet, die sehr viel Wasser zum Wachstum brauchen.

Segen und Fluch zugleich

Das Kanal-Bewässerungssystem ermöglichte den Aufstieg Pakistans zu einer Agrarnation, stellt das Land heute jedoch vor große Probleme. Der Koordinator für Wasserprobleme im Umweltministerium, Iftikhar Ahmad, beklagt, dass sein Land eines der wasserreichsten Länder der Erde sei. Dennoch gebe es momentan schon in einigen Regionen Wassermangel und bald sogar vielleicht einen Wassernotstand.

Korn wird geschlagen (ap)

Noch ist die Ernte reich

Pakistan mit seinen 158 Millionen Einwohnern und einem Bevölkerungswachstum von drei Millionen Menschen pro Jahr ist dabei, seine Grundwasserreserven aufzubrauchen. Im pakistanischen Teil der fruchtbaren Punjab-Ebene scheint der Wasserspiegel genauso rapide zu fallen wie im Nachbarland Indien. Dort mussten vor kurzem wegen Wassermangels mehrere hydroelektrische Dämme abgestellt werden. Die indische Provinzregierung verweigerte zudem den weiteren Wasserexport in andere Regionen, um nicht die eigene Wasserversorgung zu gefährden.

Die Entwicklung in Pakistan ist historisch bedingt. "Im 19. Jahrhundert blühte die Wüste Punjab regelrecht auf, als die Briten ein riesiges Bewässerungssystem mit einem Netzwerk von Kanälen einführten, das vom Indus und seinen fünf Hauptarmen gespeist wurde", so Iftikar Ahmad. Die extensive Bewässerung der Felder mit Überflutungsbecken sorgt inzwischen dafür, dass das Grundwasser immer mehr an die Oberfläche steigt, dort verdunstet und sich dadurch die Salzkonzentration im Boden erhöht.

Parallelen zu Sumerer-Kultur

Damit steht Pakistan vor einem ähnlichen Problem wie die Jahrtausende alte Hochkultur der Sumerer. Diese machte nach Angaben des Direktors des Earth Policy Institute in Washington, Lester Brown, eine ähnliche Entwicklung durch.

"Die Sumerer hatten ein Bewässerungssystem mit kleinen Dämmen in den Flüssen als Staubecken. Sie benutzten Kanäle, um ihre Getreidefelder zu bewässern und erzielten damit riesige landwirtschaftliche Überschüsse. Das Problem war, dass sich das Grundwasser durch die ständige Berieselung aus den Kanälen immer weiter nach oben verlagerte, verdunstete und schließlich nur Salz an der Oberfläche zurückließ." Die Ernten seien deshalb zurückgegangen und hätten zum Zusammenbruch der Zivilisation geführt.

Bauer auf einem Feld in Indien (ap)

Noch ist Wasser vorhanden

Iftikar Ahmad vom Umweltministerium beobachtet die Lage genau. Inzwischen sei der See Manchar, früher eine der größten und fischreichsten Frischwasser-Quellen Pakistans, stark von der Versalzung bedroht. Ahmad: "Die Salzkonzentration dort nahm in den letzten Jahren dramatisch zu. Die Wasserverschmutzung führte dazu, dass 60.000 Fischer die Region verlassen mussten."

Urbanisierung beschleunigt Entwicklung

Die Landbevölkerung wandert in Megastädte wie die Wirtschaftsmetropole Karachi mit geschätzten 20 Millionen Einwohnern. Inzwischen muss die Landwirtschaft mit diesen Megastädten, ihren wachsenden Industrien und ihren Menschenmassen um Wasser konkurrieren. Mit dramatischen Folgen.

In Beobachtungsbrunnen um die Hauptstadt Islamabad sank der Wasserspiegel zwischen 1982 bis 2000 um ein bis zwei Meter pro Jahr. In der Provinz Baluchistan um die Provinzhauptstadt Quetta sogar um 3,5 Meter. Experten befürchten, dass Quetta in 15 Jahren völlig ohne Wasser dasteht, wenn der derzeitige Konsum ungebremst weiter geht.

Die mögliche pro-Kopf-Versorgung von 5600 Kubikmeter Wasser fiel auf nur noch 1000 Kubikmeter pro Jahr. Nicht nur das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage beschert der Regierung Kopfzerbrechen. Auch die Wasserqualität nimmt ab, weil Gemeinden und Industrie mit Dünger und Insektiziden belastete Abwässer ungeklärt in Flüsse und Seen leiten.

Regierung versucht gegenzusteuern

Als Ausweg aus der Krise versucht die Regierung, Regenwasserspeicher anzulegen. In der Wüste Cholistan im Süden des Punjab wurde ein entsprechendes System entwickelt, das Regenwasser auffängt, speichert und zu Trinkwasser aufbereitet.

Das alleine reicht nach Meinung des Regierungsbeamten Ahmad jedoch nicht aus. Auch die Bevölkerung und die Landwirtschaft müssten ihren Beitrag leisten, indem sie Wasser sparten. Eine Lösung für die Landwirtschaft wäre, die Felder nicht mehr zu überfluten, sondern Sprinkler-Anlagen einzusetzen. In einem Landwirtschaftsversuch, so Ahmad, sei erfolgreich Reis auf diese Art und Weise angebaut worden. Die verwendete Wassermenge hätte um 65 Prozent reduziert werden können; der Ertrag sei trotzdem um 18 Prozent gestiegen. Durch die Sprinkler-Bewässerung könnte zudem die Übersalzung der Ackerböden verhindert werden.

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