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Afrika

Wassermangel durch Strom aus Äthiopien

Der Staudamm Gibe 3 im Süden des Landes ist umstritten. Zwar soll er Strom für Ostafrika erzeugen, aber das Projekt gefährdet auch die Existenz von Fischern und Bauern in Äthiopien. Denn Wassermangel wäre die Folge.

Männer arbeiten am Staudammprojekt im südlichen Äthiopien (Foto: JENNY VAUGHAN/AFP/GettyImages)

Äthiopien Omo Fluss Tal Afrika Staudamm Gibe III 3

Er ist einer der größten Seen in einer trockenen Region: der uralte Turkana-See, der zwischen dem Süden Äthiopiens und dem Norden Kenias liegt. Manche fürchten, dass dieses Biotop, von dem hunderttausende Menschen leben, gefährdet ist. Der Grund dafür heißt Gibe 3: ein Staudamm-Projekt im südlichen Äthiopien. Dort soll der Fluss Omo aufgestaut werden, der in den Turkana-See mündet. Der Damm, der einmal die höchste Staumauer in Afrika haben wird, soll mehr als 200 Millionen Menschen in fünf verschiedenen Ländern der Region mit Strom versorgen. Schon jetzt zeitlich verzögert, soll das Wasserkraftwerk 2014 in Betrieb genommen werden.

Wenig Wasser, viel Bedarf

Ob jedoch bis dahin genug Wasser im Staubecken sein wird, bezweifelt Samuel Maina. Er ist Kommunikationsberater für die kenianische Organisation "Friends of Lake Turkana", die sich seit 2008 dem Schutz des Sees widmet. Durch den Klimawandel bliebe viel Regen in der Region aus, so Maina. Und wenn alles im Staubecken gesammelt werde, könnte der Wasserspiegel des Turkana-Sees sinken. "Ein weiteres Risiko ist der Anbau von Zuckerrohr und Baumwolle, der von der äthiopischen Regierung und verschiedenen internationalen Agrarkonzernen entlang des Flusses Omo eingeführt worden ist", erklärt der Umweltaktivist.

Landschaft am Fluss Omo (Foto: AFP/GettyImages)

Der äthiopische Fluss Omo soll aufgestaut werden.

Die Zuckerrohr- und Baumwollplantangen am Omo sind Monokulturen, die sehr viel Wasser brauchen. Dadurch führt der Fluss weniger Wasser - viele Pflanzen und Tiere könnten aussterben, warnen Umweltschutzorganisationen. Und natürlich fehlt Wasser für die Bevölkerung, die das Flusswasser bislang nutzt. Schätzungsweise wären so mehr als 200.000 Menschen von den Folgen des Damms betroffen. "Friends of Lake Turkana" zufolge wurden einheimische Bewohner des Omo-Tals gegen ihren Willen in Dörfer umgesiedelt, inhaftiert und sogar ermordet, weil sie gegen die Zwangsumsiedlungen demonstriert hatten. Zwar wurden sie mit Landflächen entschädigt, aber nicht alle Leute seien damit zufrieden.

Die Menschen leben vom Wasser

Frauen der Turkana-Ethnie beim Fischen am Turkana-See (Foto: AFP/Getty Images)

Viele Familien aus der Ethnie der Turkana leben vom Fischfang im Turkana-See

Der geringe Zufluss aus dem Omo-Fluss hat Folgen für die Anwohner des Turkana-Sees in Kenia, denn dort befinden sich 90 Prozent der Fläche des Sees. "Die meisten Leute sind vom Fischfang abhängig, andere züchten Vieh. Das heißt, sie brauchen das dort wachsende Gras. Ohne den Turkana-See verdienen die Leute kein Geld mehr", so Samuel Maina.

Zu den ursprünglichen Geldgebern des Staudamms gehörte auch die Weltbank. Aber wegen mangelnder Transparenz hat sie sich schließlich aus dem Projekt zurückgezogen. Im Juli hat sich die internationale Finanzinstitution nun dafür entschieden, eine 1000 Kilometer lange Stromleitung, die von Äthiopien aus nach Kenia führen soll, zu finanzieren. Für die Kritiker steht fest: Diese Leitung soll den Strom von Gibe 3 exportieren. Lucio Monari ist Manager für die Africa Energy Abteilung bei der Weltbank in Washington. Für ihn entbehrt die Kritik jeder Grundlage, da der über die Leitung geführte Strom nicht über den Staudamm gewonnen würde. 44 Energieanlagen speisen das äthiopische Stromnetz und damit auch die Stromleitung nach Kenia. "Wir haben Analysen durchgeführt, und selbst wenn Gibe 3 nicht zu Ende gebaut wird, gäbe es immer noch Strom - sowohl für das nationale Netz als auch für den Export nach Kenia", versichert Monari.

Welcher Strom ist sauber?

Ein Fischerbott auf dem Turkana-See (Foto: AFP/Getty Images)

Der Turkana-See - noch eine Idylle

NGOs und verschiedene Umweltschutzorganisationen widersprechen dem. So auch Jessica Evans, Expertin für Finanzinstitutionen bei Human Rights Watch in Washington. Sie sagt, die Weltbank habe Human Rights Watch erklärt, dass Gibe 3 eine der Energiequellen sei. "Obwohl die Weltbank diese Tatsache anerkennt, will sie leider die Sicherungsmaßnahmen und politischen Richtlinien nicht anwenden, die dafür gedacht sind, Missbräuche gegen Menschenrechte zu vermeiden."

Die äthiopische Regierung und die Weltbank bringen als Argument vor, dass die Leitung dringend benötigten Strom in die betroffenen Länder liefern wird. Für ihre Gegner aber ist der Preis zu hoch, wenn für die Energie Menschen vertrieben werden und die Umwelt geschädigt wird.

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