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Fokus Osteuropa

Wasser in Zentralasien: Eine ungelöste Frage

Während sich die Staaten Zentralasiens nicht auf ein neues Abkommen zur Nutzung der Wasser-Ressourcen der Region einigen können, nehmen die Umweltschäden zu. Experten hoffen auf die Hilfe internationaler Organisationen.

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"In der Sowjetzeit erhielten Kirgisistan und Tadschikistan dafür, dass sie den Zufluss regelten und Wasser lieferten, Gas, Öl und Kohle als Entschädigung, und zwar von Usbekistan und Kasachstan. Aber als die Staaten sich trennten, hörten die Entschädigungen auf", beklagt Chomid Arifow vom tadschikischen Ministerium für Energie und Industrie. Die derzeitigen Regelungen zur Nutzung des Wassers schadeten den Ländern an den Oberläufen der Flüsse, die Regierungsabkommen und Verträge zwischen den Ländern Zentralasiens seien veraltet und müssten revidiert werden, so die Expertenmeinung in Tadschikistan.

Länder am Unterlauf im Vorteil

Seit anderthalb Jahrzehnten haben Kirgisistan und Tadschikistan, die den Zufluss zu den Strömen Syrdarja und Amudarja regeln, von den anderen Anrainern der Flüsse keinerlei Entschädigung für die Wartung der hydrotechnischen und hydroenergetischen Anlagen erhalten. Dabei seien die Dämme und Wasserkraftwerke am Syrdarja in Kirgisistan sowie am Fluss Wachsch in Tadschikistan hauptsächlich für die Versorgung der niedriger gelegenen Anrainerländer Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan gebaut worden. Der kirgisische Stausee Toktogul und der tadschikische Stausee Kajrokkum seien gebaut worden, um den Zufluss zum Syrdarja zu regulieren – der wiederum hauptsächlich die Ackerböden in Usbekistan mit Wasser versorgt.

Interessenkonflikt bremst Regierungsabkommen

Die Republiken Zentralasiens sollten zu neuen, gegenseitig vorteilhaften Regelungen der Wassernutzung übergehen, raten Experten aus Tadschikistan. Das Land schlägt vor, erstmals entsprechende Mechanismen ins Regierungsabkommen über die Nutzung von Wasser- und Energieressourcen des Flusses Syrdarja aufzunehmen. An diesem Abkommen arbeiten die Staaten der Region bereits seit drei Jahren. Es sieht Kompensationen für die Länder am Oberlauf der Flüsse vor. Aber einen gemeinsamen Nenner haben sie bislang nicht gefunden. "Wir in Tadschikistan und Kirgisistan sind einer Meinung, aber Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan haben eine andere", sagt der Leiter des Tadschikischen Forschungsinstituts für Hydrotechnik und Melioration, Jarasch Pulatow. "Diese Staaten wollen die Wasserprobleme von den Energieproblemen trennen. Aber wenn für sie das Wasser ‚Brot und Baumwolle’ bedeutet, so bedeutet das Wasser für uns ‚Energie’."

Sorge um ökologisches Gleichgewicht

Mehr als die Hälfte des Wassers in der Region des Aralsees stammt aus Tadschikistan. Dabei nutzt Tadschikistan nur 12 Prozent des Wassers, Usbekistan und Turkmenistan hingegen nutzen etwa 80 Prozent. Der Aralsee trocknet aus – und zwar wegen der extensiven Bewässerung in der Landwirtschaft in den Ländern am Unterlauf der Flüsse Syrdarja und Amudarja. Während die Kraftwerke am Oberlauf der Flüsse das Wasser nur zur Energiegewinnung nutzen, verschwindet es durch die Landwirtschaft am Unterlauf unwiederbringlich.

Um das ökologische Gleichgewicht in der Region wiederherzustellen, sollte die Bewässerung nicht mehr oberste Priorität haben. "Alle Hauptnutzer sollten gleichwertig sein: die Bewässerung, die Wasserkraft, der Naturschutz, die Wasserversorgung, die Fischwirtschaft und die Erholung", sagt Murad Amindschanow, internationaler Experte für Wasserprobleme. Niemand solle das Recht haben, ohne Absprache mehr Wasser zu entnehmen. Diese Position in allen Ländern der Region durchzusetzen, ist schwierig. Experten in Tadschikistan fordern deshalb, die Wasserprobleme in Zentralasien unter der Oberaufsicht internationaler Organisationen zu regeln.

Nigora Buchari-sade, DW-Zentralasien, 28.10.2007