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Gaza

Wasser für Gaza

Seit vier Wochen herrscht Krieg im Gazastreifen. Palästinenser im Westjordanland sind entsetzt über die vielen Toten und die Zerstörungen. Sie sammeln Spenden, um zu helfen - vor allem Trinkwasser fehlt.

Ramallah in diesen Tagen. Auf einem kleinen Sportplatz in der Westbank-Metropole herrscht emsige Betriebsamkeit. Hier wird Wasser gesammelt, Trinkwasser für die Menschen in Gaza. Überall stapeln sich die blauen Plastikflaschen in Sechserpacks. Etwa ein Dutzend Paletten sind schon voll, verschnürt und bereit zum Abtransport. Decken sollen das kostbare Gut vor der sommerlichen Hitze schützen. Ständig werden weitere Wasserpakete gebracht, sie werden zu Fuß herbeigeschleppt oder mit Autos herangefahren. Es ist ein Kommen und Gehen. Männer, Frauen, Familien und halbe Belegschaften von Büros bringen Mineralwasser hierher. Kinder springen aufgeregt zwischen den Paletten umher, Jugendliche helfen beim Verpacken.

Auch Fadya Barghouthi hat Wasser gespendet. Sie möchte damit ihre Verbundenheit mit den Menschen in Gaza zeigen. "Wir haben gehört, dass es in Gaza kein sauberes Trinkwasser gibt", sagte sie. "Wir haben daher Wasser gebracht, denn das ist das mindeste, was wir tun können." Am Morgen sei sie mit ihrem Mann zunächst zum Krankenhaus von Ramallah gegangen, um Blut zu spenden. Doch dort hätten sich die Menschen schon gedrängt und so hätten sie beschlossen, erst einmal Wasser zu besorgen. Doch das sei gar nicht so leicht gewesen, denn bei vielen Händlern in Ramallah sei das Mineralwasser bereits ausverkauft gewesen. Sie selbst habe im Radio von der Aktion erfahren. Aber auch in den Moscheen sei zu Spenden für Gaza aufgerufen worden.

Nahostkonflikt Gazastreifen, Kinder in den Trümmern eines schwer beschädigten Hauses
(REUTERS/Suhaib Salem)

Leben in Trümmern - im Gazastreifen mangelt es am Nötigsten

Eine Million Liter werden gebraucht

Koordiniert wird die Sammelaktion von Basel Abu Zayid, einem Angestellten des Ministeriums für öffentliche Angelegenheiten. Im verschwitzten blauen T-Shirt und mit dunkler Baseballmütze dirigiert er die Spender und die Helfer, die die Paletten beladen. "Wir haben gestern angekündigt, dass wir diese Aktion starten und seit heute Morgen haben wir schon enorm viel Wasser bekommen, sowohl von individuellen Spendern als auch von Firmen", sagt Abu Zayd stolz und ein bisschen müde. Er weiß nicht, wieviel schon zusammen gekommen ist. Aber er weiß, dass eine große Aufgabe vor den Palästinensern des Westjordanlandes liegt, wenn sie den Gazastreifen eigenhändig mit Wasser versorgen wollen. "Der Bedarf liegt bei 10 Millionen Litern", erklärt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

Abu Zayd selbst stammt aus Jebalia im nördlichen Gazastreifen. Daher ist es ihm ein besonderes Anliegen, den Menschen dort zu helfen. Von seiner Familie hat er gehört, dass die Trinkwasserversorgung im Gazastreifen zusammengebrochen ist. Durch den Stromausfall funktionieren die Pumpen nicht mehr. Und wegen der schweren Angriffe der Israelis kommen auch keine Tankwagen mit Trinkwasser zu den Menschen in den Notunterkünften. Ärzte befürchten, dass es schon bald zu ansteckenden Krankheiten oder Seuchen kommen könnte.

Kein Mineralwasser aus Israel

Ein kleiner Lastwagen rollt auf den Hof. Der Fahrer lässt die Ladeklappe herunter und zeigt stolz eine ganze Palette voll Wasser. Aber die abgepackten Flaschen kommen aus Israel. Sie tragen die Aufschrift "Ein Gedi" und wurden in einer Quelle am Toten Meer abgezapft und in Flaschen gefüllt. "Das geht nicht", rufen die Menschen dem Fahrer zu. "Wir nehmen kein israelisches Wasser an. Kauf Arwa oder Jericho." Der Fahrer nickt. "Okay", sagt er sofort zustimmend und steigt wieder in seinen Lastwagen. Er wird das verschmähte Wasser zurückbringen und Flaschen von arabischen oder europäischen Firmen holen.

Wasser für Gaza, Aktivist Farid Tamalah steht inmitten unzähliger als Spenden gesammelter Wasserflaschen, (Foto: DW/Bettina Marx)

Farid Tamalah akzeptiert nur palästinensisches oder arabisches Wasser

Farid Tamalah achtet streng darauf, dass nur palästinensisches oder arabisches Wasser gebracht wird. Er hat eine Boykottkampagne gegen israelische Waren gestartet und ist damit sehr erfolgreich. "Es geht nicht darum, palästinensische Waren zu kaufen", erklärt er. Jede Alternative zu israelischen Produkten sei akzeptabel, ob sie aus Palästina stammten, aus anderen arabischen Ländern oder aus Europa. Ziel der Kampagne sei der Boykott israelischer Waren, mit denen das besetzte Westjordanland überschwemmt werde. "Es ist absurd, dass die Palästinenser israelische Waren kaufen und damit auch die israelische Armee finanzieren. Denn Israel erhebt 16 Prozent Mehrwertsteuer und ein Teil dieses Geldes fließt in den Verteidigungshaushalt."

Boykott israelischer Waren

Er versuche, bei seinen Landsleuten ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es zwischen dem Kauf israelischer Produkte und der Finanzierung der israelischen Armee einen Zusammenhang gebe. "Palästinenser kaufen pro Jahr israelische Waren im Wert von 4 Milliarden Dollar. Das ist fast so viel wie das Budget der Autonomiebehörde", erklärt Tamalah. "16 Prozent dieser Summe gehen direkt aus unserer Tasche in den israelischen Staatshaushalt und damit in die Kassen der israelischen Armee."

In diesen Zeiten des Krieges sind die Menschen im Westjordanland empfänglich für diese Botschaft. Sie fühlen sich hilflos im Angesicht der Bilder aus dem Gazastreifen und wollen irgendwie helfen. Sei es durch Spenden oder durch den Boykott israelischer Waren. Im Westjordanland gibt es für die Verbraucher genug Alternativen. Es gibt palästinensische Produkte und Importe aus arabischen Ländern, Europa und den USA. Oft sind sie aber teurer als die Produkte aus Israel, die außerdem bei Palästinensern als besonders gut und wertvoll gelten. "Der Krieg im Gazastreifen hat zu einem Umdenken geführt", berichtet Tamalah. Viele Menschen entschieden sich jetzt bewusst gegen israelische Produkte.

Dringend benötigt: Wegwerfwindeln

Ein Soldat am Grenzübergang Kerem Shalom (AFP PHOTO/CRIS BOURONCLE; Photo credit should read CRIS)

Über den Grenzübergang Kerem Shalom gelangen die Spenden in den Gazastreifen

Vor dem Jugendzentrum "Haus des Lebens" stehen fertig gepackte Paletten auf der Straße. Sie enthalten Decken, Lebensmittel, Spielsachen und Medikamente und sind ebenfalls für Gaza bestimmt. Der 24-jährige Azad Shams koordiniert die Sammelaktion. "Am dringendsten werden Medikamente benötigt und dann Lebensmittel", sagt er. "Wir haben eine Liste aus Gaza, auf der steht, was die Leute am dringendsten brauchen. Das sind Mehl, Milch für Babys, Wasser und Wegwerfwindeln." Papierwindeln sind besonders gefragt, denn da es kein Wasser und keinen Strom gibt, können die Mütter nicht waschen. Und in Gaza gibt es viele Babys und kleine Kinder.

Wasser für Gaza, Azad Shams, koordiniert von seinem Büro aus Spendenlieferungen in den Gazastreifen (Foto: DW/Bettina Marx)

Azad Shams setzt auf die Feuerpause für die Anlieferung der Hilfsgüter

Spenden bekommt Azad Shams von Einzelpersonen, Firmen und Organisationen. Das Haus, in dem er sonst die Treffen und Workshops des Jugendzentrums veranstaltet, ist voll mit Kisten und Tüten. Darunter sind Stapel mit Matzen, ungesäuertes Brot, das vom letzten Pessachfest übrig ist und irgend jemand billig erstehen konnte, Konserven und Spielsachen. Die Spenden werden von den Freiwilligen im Jugendzentrum verpackt. Ein Transportunternehmen holt sie dann ab und bringt sie zum Grenzübergang Kerem Shalom an der südlichen Grenze des Gazastreifens. Dort ist der einzige noch funktionierende Übergang für die Waren, die in den Gazastreifen geliefert werden. In den letzten Tagen war er wegen der schweren Kämpfe meistens geschlossen. Doch Shams und seine Freunde hoffen, dass sie die Hilfsgüter während einer der kurzen Feuerpausen hineinbekommen, denn die Not in Gaza ist groß.

Es klopft an der Metalltür des Jugendzentrums. Drei Männer kommen in das kleine Büro, das mit einer palästinensischen Fahne und gelben Smileys dekoriert ist. Sie wollen wissen, was benötigt wird. Shams zeigt ihnen die handgeschriebene Liste an der Wand. Sie nicken und gehen weg. Kurz darauf sind sie wieder da mit einem kleinen Lieferwagen, der bis unter die Decke mit Wasser und Windeln gefüllt ist.

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