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Globale Zusammenarbeit

Wasser für entlegene Regionen Kenias

Das Wasserwerk von Nyeri in Kenia ist ein Leuchtturmprojekt deutscher Entwicklungshilfe. Es funktioniert und erwirtschaftet Gewinn. Als einziges Werk südlich der Sahara zahlt es die Kredite aus Deutschland wieder zurück.

Trinkwasser für alle Menschen – das ist eines der Millenniumsziele der Weltgemeinschaft bis 2015. Doch in Afrika ist sauberes Wasser noch immer Mangelware, auf dem Land ohnehin, aber auch in den Städten. Zu den Schwerpunkten deutscher Entwicklungshilfe und -finanzierung gehört deshalb der Wassersektor. Im zentralkenianischen Nyeri haben deutsche Experten und ihre kenianischen Partner mit staatlichen Millioneninvestitionen in langer Kooperation nun ein Vorzeigeprojekt geschaffen: Dort steht das einzige Wasserwerk südlich der Sahara, das die Kredite auch an Deutschland zurückzahlt. Es gehört der Kommune, wird aber als unabhängiges Privatunternehmen geführt. Das ist auch ein Grund, warum es so erfolgreich sein kann. Niemand greift dort in die Kasse, die Einnahmen werden reinvestiert. Und nicht geplündert.

Weniger Krankheiten, bessere Ernten

Das Wasserwerk wurde mit deutsche Entwicklungshilfe finanziert. Es wird privatwirtschaftliche betriebe und gilt als Vorzeigebeispiel für gelungene Entwicklungszusammenarbeit. Das Wasserwerk wirft Gewinne ab, die Kommune kann den Kredit des BMZ zurückzahlen, die Wasserversorgung in der Region hat sich verbessert. Foto: DW/Stefan Ehlert)

Für umgerechnet 3 Euro monatlich können die Menschen in Nyeri mit Trinwasser versorg werden

Ein zweiter Grund für den Erfolg ist, dass das Wasserwerk sein Netz massiv erweitert hat und heute auch solche durchaus zahlungswilligen Kunden erreicht, die es nie auch nur gewagt hätten, von einem Wasseranschluss zu träumen. Eine von ihnen ist Julia Gichuki in der Ortschaft Githuri, hoch oben auf einem Ausläufer der Aberdares. Auf ihrer Feuerstelle in der Kochhütte brodelt das Wasser für den Maisbrei. Und draußen, neben zwei schmucken Holzhäusern ragt das Unglaubliche aus dem Boden: ein Wasserhahn. Erst seit Kurzem genießt Julia Gichuki diesen Luxus. Vorher war sie für 20 Liter Wasser drei Stunden unterwegs gewesen, bis hinunter ins Flusstal. Der Familie mit sieben Kindern geht es heute wesentlich besser. Sie sei sogar dicker geworden, sagt Julia Gichuki: "I have grown big". Erstens entfallen die regelmäßigen Magen-Darmerkrankungen, denn das Trinkwasser ist sauber. Und zweitens verdient die Familie einfach mehr Geld, weil sie ihr Vieh tränken und die Äcker bewässern kann, die daraufhin mehr Ertrag bringen.

Das alles für umgerechnet rund drei Euro im Monat. Je Kubikmeter sind 31 Kenia-Shilling fällig – das ist ein Drittel dessen, was für die undefinierte Brühe etwa beim ambulanten Wasserhändler zu zahlen wäre, wie sie in den Slums von Nairobi oder den Vororten zu finden sind.

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Das Projekt "Water Lifestock Gardens" im Osten Kenias - ein weiteres Beispiel für die Bedeutung der Wasserversorgung für Kleinbauern.

Effizientes Management

Julia Gichukis Wasser kommt aus dem Wasserwerk von Nyeri. Mit 10 Millionen Euro aus Mitteln des deutschen Entwicklungsministeriums und rund 2,5 Millionen Euro aus kenianischen Töpfen ist das privatwirtschaftlich betriebene Werk generalüberholt worden. Sein Rohrnetz erreicht heute rund 120.000 Menschen, dreimal mehr als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig wurde der aufgeblähte Mitarbeiterstab massiv verkleinert. Statt 180 sind heute nur noch rund 100 Menschen im Wasserwerk tätig, die meisten in Vertrieb, Netzpflege und Rechnungswesen. Manager Joseph Nguiguti erklärt, dass gutes Frischwasser und hoher natürlicher Druck den Wasserwerkern helfen, Kosten für Chemie und Pumpen zu sparen.

Ein kenianischer Rinderhirte treibt seine Herde über eine staubige Straße - Dank der Wasserversorgung können die Bauern höhere Erträge und Einkommen erzielen (Foto: dpa)

Dank der Wasserversorgung können die Bauern höhere Erträge und Einkommen erzielen

Wände und Türen der Büros sind in Blau gehalten, auf den Böden ist keine Fluse zu finden, nirgends haben die Wände einen Fleck, nirgends ist auch nur ein Stück Lack abgeplatzt. Es herrscht pedantische Ordnung in dieser Firma, dafür sorgt Nguiguti mit eiserner Hand höchstpersönlich. Offenbar gilt das strikte Ordnungsprinzip auch für die Bücher der Firma, denn Nguigutis Wasserwerk ist das einzige von mehr als 120 Wasserwerken in ganz Kenia, das Gewinne abwirft: 95 von 100 Kunden zahlen für ihr Wasser, sagt Manager Nguiguti und fügt hinzu: "Sie zahlen nur, wenn sie auch zufrieden sind." Versorgungssicherheit und Qualität überzeugen die Kunden, außerdem sind die Preise sozial gestaffelt. Großverbraucher zahlen mehr.

Doch es gab auch Hürden, berichtet Nguiguti. Dazu zählten säumige Zahler, allen voran Regierungsstellen: "Aber wenn jemand nicht zahlt, dann versiegeln wir den Anschluss, und wenn jemand Wasser regelrecht stiehlt, dann kappen wir die Leitung." Und das will niemand. Weder Technik noch effiziente Verwaltung dieses Wasserwerks sind Hexenkunst, räumt Nguiguti ein. Am Ende, so sagt er, liege es ganz allein am Management, ob Verluste oder Gewinne gemacht würden, und das sei auch der Hauptgrund, warum andere Wasserversorger Verluste einführen. "Da geht es um Korruption, schlechtes Management, da wird Geld gestohlen, da wird schwarz für Anschlüsse kassiert. Wenn das hier passiert, dann feuern wir die Leute."

Langfristig angelegte Entwicklungszusammenarbeit

Das Wasserwerk wurde mit deutsche Entwicklungshilfe finanziert. Es wird privatwirtschaftliche betriebe und gilt als Vorzeigebeispiel für gelungene Entwicklungszusammenarbeit. Das Wasserwerk wirft Gewinne ab, die Kommune kann den Kredit des BMZ zurückzahlen, die Wasserversorgung in der Region hat sich verbessert. (Foto: DW/Stefan Ehlert)

Das Wasserwerk von Nyeri wirft Gewinne ab - ein Beispiel für erfolgreiche Entwicklungs-zusammenarbeit

Dank moderner Computer und Software, finanziert aus Mitteln der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, fällt das Controlling leichter, bilanziert Fabian Rabe, Projektleiter der KfW-Entwicklungsbank. Er kenne zwischen Ägypten und Südafrika kein zweites deutsches Projekt, das so erfolgreich sei. Denn Nyeri zahlt seinen Kredit zurück – zu niedrigen Zinsen, drei Prozent,  aber immerhin: "Aus EZ-Sicht ist das Geld, das auch woanders verwendet werden könnte, aber es fließt zunächst zurück in den Bundeshaushalt."

Tue Gutes und verdiene Geld damit – für Rolf Steltemeier, Sprecher von Entwicklungsminister Dirk Niebel, ist das Wasserwerk von Nyeri ein Paradebeispiel für die Politik seines Hauses. Die neue Strategie der "Entwicklungshilfe aus einem Guss" sei kaum irgendwo besser abzulesen als am Beispiel Nyeri: "Allein schon deswegen, weil hier wirklich alle Hände ineinander greifen. Sowohl die KfW ist involviert als auch der Durchführer GIZ, und gesteuert wird das alles im politischen Prozess vom BMZ – das BMZ entscheidet, das BMZ kann vor Ort auch kontrollieren mit dem entsprechenden Personal, das wir hier vor Ort haben." Doch leider ist Nyeri das einzige Beispiel seiner Art für Vollkostendeckung im Wassersektor. Und geplant wurde es lange vor der Ära Niebel – seit Mitte der 1990er Jahre sind die deutschen Experten in Nyeri tätig. Auch insofern ist Nyeri also beispielhaft: Entwicklungshilfe braucht einen langen Atem.

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