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Amerika

Washingtons neuer Mann in Peking

Sein Großvater kam per Dampfschiff aus China und suchte in den USA sein Glück, Enkel Gary Locke kehrt nun zurück – als US-Botschafter. Barack Obama schickt seinen bisherigen Handelsminister auf einen delikaten Posten.

US-Präsident Barack Obama (l.) und der designierte US-Botschafter in China, Gary Locke, hier noch in seinem Amt als Handelsminister am 11. August 2010 (Foto: AP)

US-Präsident Obama (l.) und der designierte US-Botschafter in China, Gary Locke

Ein hoch profilierter Botschafter geht, ein hoch profilierter Botschafter kommt. Gary Locke wird Jon Huntsman als Vertreter der USA in China ablösen. Damit entsenden die USA erstmals einen Amerikaner chinesischer Abstammung als Botschafter nach Peking. Der bisherige Handelsminister Gary Locke könnte noch am Dienstag (08.03.2011) offiziell von US-Präsident Barack Obama für den Posten nominiert werden, wie aus Washingtoner Regierungskreisen verlautete. Der Senat muss die Berufung bestätigen, bevor Locke den scheidenden US-Botschafter in China, Jon Huntsman, ablösen kann.

Jon Huntsman, scheidender US-Botschafter in China, während einer Pressekonferenz mit US-Außenministerin Hillary Clinton (Foto: AP)

Jon Huntsman (r.): Noch US-Botschafter in China, bald Präsidentschaftskandidat?

Der Demokrat Gary Locke war vor seiner Übernahme des Handelsministeriums Gouverneur des US-Bundesstaates Washington – und damit der erste chinesisch-stämmige Politiker in den USA, der ein so hohes Regierungsamt bekleidete. Bereits als Gouverneur stärkte Locke die Beziehungen zu China. Der Bundesstaat Washington, im äußersten Nordwesten der USA gelegen, hat durch die dort vertretenen Großkonzerne wie Microsoft und Boeing enge Wirtschafts-Kontakte zur Volksrepublik. Locke, dessen Großvater und Vater 1931 in die USA einwanderten, hat mitunter heftige Kritik an China geübt. Zuletzt warf der Jurist der Pekinger Führung vor, entgegen ihrer Versprechen die Märkte nicht zu öffnen.

Komplexe Beziehungen

Auf Locke wartet ein verworrenes Knäuel bilateraler Beziehungen. Die Verflechtungen zwischen den USA und China, den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, sind komplex und nicht nur wegen Handelsfragen bisweilen stark angespannt. Im vergangenen Jahr gerieten die Obama-Regierung und die kommunistische Führung des aufstrebenden Schwellenlandes mehrfach aneinander. Deutlich vernehmbar anderer Meinung war man in Washington und Peking unter anderem wegen der Bewertung der chinesischen Währung, wegen der Menschenrechte und der Taiwan- und Tibet-Frage.

Gary Locke besucht hier als Gouverneur von Washington am 11. Oktober 1997 das Perlflussdelta in China (Foto: AP)

Gary Locke: Sein Großvater und Vater wurden in China geboren

Der scheidende Botschafter Huntsman hatte sich demonstrativ gegen die Bemühungen der Pekinger Regierung gestellt, öffentlichen Dissens und die Berichterstattung über Proteste zu unterdrücken. Im Weißen Haus hatte der Republikaner Huntsman für Irritationen gesorgt, als er vor einigen Wochen laut über seine mögliche Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr nachdachte. Der studierte Sinologe und frühere Gouverneur von Utah war 2009 von Obama berufen worden. Huntsman gebe den Posten in Peking nun auf eigenen Wunsch ab, hieß es.

Autor: Sven Töniges (rtr, dpa, afp)

Redaktion: Oliver Pieper

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