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Asien

Was von Obama hängen bleibt

Wie war er, der erste Besuch Barack Obamas in Indien? Diese Frage beschäftigt die Kommentatoren sowohl in den USA als auch in Indien. Und sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

US-Präsident Obama auf dem Roten Teppich vor dem Präsidentenpalast in Neu Delhi (Foto: AP)

US-Präsident Obama auf dem Roten Teppich vor dem Präsidentenpalast in Neu Delhi

"Indien verdient einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat" – mit dieser Aussage konnte US-Präsident Obama bei seinem ersten Besuch auf dem Subkontinent natürlich punkten. Auf seiner Reise habe Barack Obama Brücken geschlagen zwischen Washington und Neu Delhi, heißt es in der "Los Angeles Times" - besonders durch seinen Auftritt vor dem indischen Parlament, wo er sich dafür aussprach, Indien als ständiges Mitglied in das UN-Gremium aufzunehmen. "Das war eine diplomatisch und politisch hoch symbolische Geste", meint die "Los Angeles Times". Allerdings - mehr auch nicht. Denn "konkrete Auswirkungen wird diese Geste kaum haben".

Präsidentenlimousine der Obamas (Foto: AP)

In dieser Präsidentenlimousine war das Ehepaar Obama unterwegs

Die "Los Angeles Times" fragt aber auch: "Hat das Land diesen Sitz tatsächlich verdient? Für die Zeitung steht fest, dass Indien bisher nicht viel dafür getan hat, um sich für eine derartige Aufgabe im Sicherheitsrat zu qualifizieren: "Nur selten hat die Regierung im internationalen Interesse gehandelt, schon gar nicht, wenn die Interessen des Auslands mit den eigenen wirtschaftlichen Zielen kollidieren." Als Beispiel führt die Zeitung das Nachbarland Birma an. Augrund der wirtschaftlichen Verbindungen "verhätschelt Neu Delhi das repressive Junta-Regime". So könne man sich nicht empfehlen für verantwortungsvolle Aufgaben innerhalb der internationalen Gemeinschaft, meint die "Los Angeles Times". Für das Blatt bleibt unter dem Strich die zentrale Frage, inwieweit Indien sich in den kommenden zwei Jahren als nicht-ständiges Mitglied des Sicherheitsrates positionieren wird. Denn nur durch Handeln könne das Land beweisen, dass es reif ist für eine derartige Aufgabe.

„India has risen“

Barack Obama und seine Frau Michelle bei ihrer Ankunft in Mumbai (Foto: AP)

Barack Obama und seine Frau Michelle bei ihrer Ankunft in Mumbai

Für die "Washington Post" hat der Indien-Besuch von US-Präsident Obama eins ganz klar gemacht: Indien ist nicht mehr das aufstrebende Land, als das es sich in den vergangenen zehn Jahren gern selbst präsentiert hat. Mittlerweile sei Indien im Club der Mächtigen angekommen, heißt es dort. "Obama hat während seiner dreitägigen Reise thematisch fast die komplette Wunschliste Indiens erfüllt und damit die wachsende Bedeutung des Landes unterstrichen", schreibt die "Washington Post" weiter. So bezeichnete der US-Präsident den Subkontinent mehrfach als unverzichtbaren Partner Washingtons und als "Schlüsselakteur auf der Weltbühne" und bezog unter anderem beim sensiblen Thema Pakistan Stellung für Indien.

Als bleibende Quintessenz des Besuchs wertet auch die "Washington Post" die US-amerikanische Unterstützung Indiens bei dem Bestreben nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat: Diese Geste würde in Indien als Meilenstein für die bilateralen Beziehungen gewertet.

"Free and footloose"

Obama kniet vor einem Mädchen, seine Frau spricht mit Kindern (Foto: Ap)

Barack Obama und seine Frau gaben sich volksnah

Auch in den indischen Medien ist die Indien-Reise des amerikanischen Präsidenten-Paares natürlich das beherrschende Thema. Die Tageszeitung "Times of India" beschäftigt sich allerdings weniger mit den politischen Inhalten des Besuchs als vielmehr mit dem Auftreten von Barack und Michelle Obama. "Diese lockere Atmosphäre, die Obama ausstrahlt, stellt einen erfrischenden Kontrast dar zu der indischen Etikette mit ihrem strengen Protokoll und den langatmigen Reden." Die indischen Politiker sollten sich ein Beispiel daran nehmen, meint die Zeitung. Die von den Obamas praktizierte Interaktion mit dem Volk sei viel zeitgemäßer als der politische Stil in Neu Delhi.

"One more step down the road"

Obama mit dem indischen Regierungschef Manmohan Singh (Foto: AP)

Obama mit dem indischen Regierungschef Manmohan Singh

Der Kommentator der Zeitung "The Express" interpretiert den Besuch Obamas als Zeichen für dessen Wertschätzung. Das Mächteverhältnis habe sich in Folge der weltweiten Finanzkrise zugunsten Indiens verschoben. "Jetzt besteht die Herausforderung für Indien darin, sich dieses neuen 'gleichberechtigen' Status als würdig zu erweisen und das Vertrauen zu stärken." Indien dürfe nicht nur nehmen, sondern müsse auch geben. Die "Hindustan Times" schließlich bezeichnet die Reise als "weiteren Schritt auf dem Weg zweier mächtiger Länder, eine dauerhafte Allianz für die Zukunft zu schmieden".

Autorin: Esther Broders
Redaktion: Silke Ballweg