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Kultur

Was vom Tauschen übrig blieb

Napster kommt unter den Hammer: Nach dem Verkauf der Website an den Software-Hersteller Roxio werden die Reste der Musikbörse versteigert – stilgerecht im Internet.

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Napster-Gründer Shawn Fanning

Ein listiger Blick aus grünen Augen, ein leichtes Schmunzeln um den Mund, ein Kopfhörer, der sich über spitze Ohren stülpt: Das Kätzchen, das Logo von Napster, schmückte einst die Bildschirme von 65 Millionen Internet-Nutzern. Inzwischen haben die meisten Musik-Jäger das Programm von ihrem Computer verbannt, auf der Internet-Seite stehen die lakonischen Worte "under construction", rechts unten ist das Firmenzeichen von Roxio zu sehen. Es fehlt nur das obligatorische Baustellen-Schild.

Server und Schreibtischunterlagen

Am 11. Dezember aber feiert die verflossene Tauschbörse eine Renaissance - allerdings nur für einen Tag und unter einer fremden Adresse: Dovebid, ein auf Industrie-Versteigerungen spezialisierter Veranstalter, verhökert die Überbleibsel von Napster. Vom Server bis zur Schreibtischunterlage soll alles meistbietend an den Mann gebracht werden. Zum Inventar gehören auch sämtliche Marketing-Artikel, mit denen Napster in den letzten eineinhalb Jahren seiner Existenz noch Geld verdiente: Baseballmützen, T-Shirts, Mousepads. Kätzchen-Nostalgiker haben ihre letzte Chance.

Der Ausverkauf ist nur der letzte Schritt eines stufenweisen Abstiegs in die Bedeutungslosigkeit. Spätestens am 28. November 2002 war klar: Die Mutter aller Tauschbörsen ist nicht mehr. Für fünf Millionen Dollar plus 100.000 eigene Aktien kaufte das Unternehmen Roxio Namensrechte und Know-How von Napster. Roxio, eine Firma mit 400 Mitarbeitern, vertreibt Software zum Erstellen und Brennen von CDs. Der Käufer erwarb den Napster-Torso im Rahmen eines Insolvenzverfahrens: Damit ist Roxio von allen etwaigen Forderungen ehemaliger Gläubiger freigestellt.

Seid verschlungen, Millionen

So nehmen mit den Fans auch Banken, Kapitalgeber und der Medien-Konzern Bertelsmann Abschied von Napster – und von ihren Millionen. Der Riese aus Gütersloh allein versenkte seit 2000 schätzungsweise 40 Millionen Euro. Thomas Middelhoff, Ex-Vorstandschef von Bertelsmann, wollte Napster in einen kostenpflichtigen Download-Dienst umwandeln. Zwischenzeitlich gab es gar Pläne, die Website zum zentralen Entertainment-Portal des Bertelsmann-Imperiums auszubauen.

Die Metamorphose vom Billigheimer zum Abo-Service scheiterte an endlosen Streitigkeiten um das Urheberrecht. Napster gelang es nicht, von den großen Musikunternehmen Vertriebslizenzen für Musikstücke zu erhalten. Ohne die Schätze der fünf weltweit führenden Plattengiganten – Warner, Universal, EMI, Sony und BMG – war die Tauschbörse zum Scheitern verurteilt. "Du bist tot, und vor Weihnachten wirst zu zahlen", drohte Hilary Rosen, die Präsidentin der mächtigen "Recordings Association of America", dem von Bertelsmann eingesetzten Napster-Chef Konrad Hilbers im September 2001.

Tod auf Raten

Napster Logo

Napster Logo

Bertelsmann zog sich schließlich endgültig zurück, als das US-Konkursgericht in Wilmington (Delaware) im September 2002 ein eigenes Kaufangebot wegen Interessenskonflikten ablehnte. Das Ende von Napster begann indes viel früher, genauer gesagt im Juli 2001. Damals stellte die beliebte Site ihren Dienst ein, nachdem die Betreiber auf Klage der Musikindustrie hin Filter für urheberrechtlich geschützte Songs hatten installieren müssen. Die Nutzerzahlen waren daraufhin rapide gesunken. Der Erfolgszug des 19-jährigen Studenten Shawn Fanning, der Napster erfand, um mit seinen Freunden Musikstücke über das Internet auszutauschen, fand ein jähes Ende.

Die Gratis-Guerilla wich rasch auf andere Tauschbörsen aus, beispielsweise auf Kazaa, Morpheus oder Grokster, die mit einer überlegenen Technik arbeiten. Während Napster als Pionier des Peer-to-Peer (P2P) die dezentral bei den einzelnen Nutzern abgelegten Stücke über ein zentrales Verzeichnis sucht, kommen moderne Filesharing-Netzwerke ohne zentralen Server aus. Das Zwischenschalten von Filtern oder gar die Blockierung des Systems sind deshalb praktisch unmöglich.

Nachfolger stehen bereit

So saugten Umsonst-Freunde auch ohne Napster im Jahr 2001 acht Milliarden Songs aus dem Internet. Publikumsträchtige Filme, beispielsweise "Star Wars", sind Wochen vor ihrer Premiere schon in Tauschbörsen zu finden. Alle kostenpflichtigen Angebote der Musikindustrie wie Pressplay oder Musicnet bringen es dagegen zusammen nur auf 10.000 Abonnenten. Anfang Dezember vertagte ein Gericht in Los Angeles den Prozess von Musik- und Filmindustrie gegen Kazaa und zwei andere Tauschbörsen. Die Begründung: Die Richter müssten erst die Tragweite des amerikanischen Copyrights prüfen. So liegt der Hauptsitz des Kazaa-Betreibers Sharman Networks zwar in Australien. Gemeldet ist das Unternehmen aber im pazifischen Inselstaat Vanuatu.

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