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Welt

Was vom Goldrausch übrig bleibt

Mit Südafrika, Ghana und Tansania gehören drei afrikanische Länder zu den Spitzen-Goldproduzenten der Welt. Doch wer verdient eigentlich an dem großen Rausch? Der Goldschürfer? Der Bergbaukonzern? Alle ein bisschen.

Goldstücke (Foto: DW)

Abubakar Lawal ist zufrieden. Er ist zu Besuch in Ghanas Hauptstadt Accra. Geschäftlich, sagt er. Lawal ist Goldhändler - und das Goldgeschäft läuft gut: "Gerade mache ich einen ganz guten Gewinn. Auch hier ist der Goldpreis enorm in die Höhe geschnellt und davon profitieren wir." Für ein Gramm Gold erhält Lawal momentan 63 Cedis, umgerechnet knapp 30 Euro. Ein guter Schnitt, gemessen am Weltmarktpreis.

Mit einer Jahresproduktion von knapp 100 Tonnen zählt Ghana zu den zehn größten Goldproduzenten der Erde. Der industrielle Bergbau liegt in den Händen multinationaler Konzerne aus Kanada, den USA oder Südafrika. Sie sind die eigentlichen Nutznießer des momentanen Goldbooms, meint Sebastian Rötters von der Menschenrechtsorganisation FIAN. "Der hohe Goldpreis kommt vor allem denen zugute, die auch vorher schon ganz ordentlich verdient haben: Unternehmen, die im großen Stil Gold abbauen. Die haben auch die direkten Vertriebswege und die Möglichkeiten, das Gold zu einem vernünftigen Preis weiter zu verkaufen."

Mehr Profit, mehr Steuern?

Goldmine nahe der Stadt Prestea, Ghana (Foto: DW)

Für den Gold-Abbau brauchen Unternehmen die Erlaubnis des jeweiligen Staates

Doch die Konzerne agieren nicht im luftleeren Raum. Der Staat, in dem sie schürfen, verdient ordentlich mit - sollte man meinen. Aber höhere Profite führen nicht unbedingt zu höheren Steuereinnahmen, weiß Rötters: "Im Rohstoffsektor ist ja immer weltweit die große Frage: Wo bleibt der Profit? Bodenschätze gehören in der Regel per Gesetz dem Staat. Der vergibt Förder-Konzessionen; in der Regel an große Konzerne. Und die müssen einen bestimmten Prozentsatz als Förderzins an den Staat zurückzahlen."

In den meisten Fällen sind diese Sätze sehr niedrig. In Ghana beträgt der Förderzins fünf Prozent. Aber so genannte Stabilitätsabkommen sichern großen Bergbaukonzernen wie AngloGold Ashanti oder Newmont Mining Sonderkonditionen, sprich Steuervergünstigungen, zu. Das ist nicht nur in Ghana der Fall. "Ich muss leider sagen, dass Tansania gar nichts von dem gestiegenen Goldpreis hat", beklagt Humphrey Moshi, Ökonom an der Universität von Dar es Salaam.

Tansania ist Afrikas drittgrößter Goldförderstaat. Hier profitieren zwar die Unternehmen, nicht aber der Staat vom Boom. Der Hauptgrund, so Moshi, "sind schlechte Verträge zwischen der Regierung und den Investoren. Die meisten Unternehmen müssen praktisch keine Steuern zahlen. Und das bringt den Staat um wertvolle Einnahmen."

Die Macht der Bergbaukonzerne ist groß. Da knickt der Staat schnell ein. Schließlich will man ja so ein Unternehmen nicht verprellen, sondern im Land behalten. Das schafft Arbeitsplätze, Umsatz, Einnahmen. So bietet man Investoren Verträge, die auf Jahrzehnte angelegt sind. Oder Investitionsschutzabkommen.

Schwacher Dollar - starker Rand

Ein anderes Beispiel: Südafrika. Nach China, den USA und Australien ist das Land am Kap der Guten Hoffnung der viertgrößte Goldproduzent der Welt. Der globale Marktführer, AngloGold Ashanti, ist in südafrikanischer Hand. Und trotzdem: Der Goldpreisboom schlägt sich auch hier kaum in barer Münze nieder, sagt René Hochreiter, Gold-Analyst vom Johannesburger Investmenthaus Allan-Hochreiter: "Das Problem in Südafrika ist, dass die südafrikanische Währung, der Rand, so stark ist. Das verschlingt alle Gewinne. Weil Kosten und Arbeitslöhne ja in Rand bezahlt werden."

Südafrika verkauft seine Edelmetalle und bekommt dafür US-Dollar, muss dann den schwachen Dollar aber eintauschen in einen starken Rand. Ein Verlustgeschäft, so Hochreiter. Zudem streiken gerade die 250.000 Minenarbeiter. Sie fordern höhere Arbeitslöhne. Das treibt die Produktionskosten enorm in die Höhe.

Goldschürfer in Ghana (Foto: DW)

Kleinschürfer tragen zur globalen Goldproduktion erheblich bei

Kleinschürfer ganz groß

Hochtechnisierter industrieller Bergbau ist das eine. Auf der anderen Seite stehen weltweit 20 Millionen Kleinschürfer. Mit Hacke und Schaufel waschen sie kleinste Goldsplitter aus dem Gestein von Oberflächenminen. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass Kleinschürfer etwa zwölf Prozent der globalen Goldproduktion fördern. Das ist wesentlich mehr als der größte industrielle Goldproduzent erbringt.

Das Problem: Sie schürfen illegal am Rande großer Minen, ihre Arbeitsbedingungen sind miserabel und sie haben praktisch keine Rechtsansprüche. Vom hohen Goldpreis spüren sie am wenigsten, sagt Sebastian Rötters von FIAN: "Wir haben die absurde Situation, dass der Kleinbergbau zwar deutlich mehr Arbeitsplätze schafft und deutlich mehr Menschen den Lebensunterhalt sichert, aber von den Staaten praktisch ignoriert wird." An den Arbeitern im informellen Sektor verdient der Staat gar nichts. Da sind die großen Bergbauunternehmen schon lukrativer, so Rötters. "Die Staaten versuchen, die Kleinschürfer möglichst fernzuhalten von den Minen, weil natürlich das Geld damit zu verdienen ist, dass man Konzessionen an die multinationalen Konzerne vergibt."

Autorin: Stefanie Duckstein
Redaktion: Katrin Ogunsade

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