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Künstliche Intelligenz

Was Top-Smartphones heute alles leisten können

Mehr als 1000 Euro für ein Mobiltelefon? Das löst bei manchen Kopfschütteln aus. Doch die neuesten Geräte können einiges und werden in Zukunft voraussichtlich ganz autonom Entscheidungen treffen.

Präsentation Iphone X (Reuters/T. Peter)

Die Gesichtserkennung im neuen iPhone ist ein Schritt in Richtung Künstliche Intelligenz.

Analysten auf der ganzen Welt sind sich einig: Apples jüngste iPhone-Generation mit ihrem brandneuen Ein-Chip-System (SoC), dem A11 Bionic, ist ein Meilenstein auf dem Weg in Richtung ernstzunehmender künstlicher Intelligenz (KI).

Der neue neuronale KI-Prozessor soll ein wichtiger Anstoß in der generellen Implementierung von künstlicher Intelligenz bei Smartphones sein. Ein-Chip-Systeme ersetzen die Standardprozessoren und können eigentlich alles beinhalten - von der Grafik- über die USB-Einheit zu den WLAN-Komponenten und vielem mehr - alles auf einem Chip.

Im neuen iPhone X ist so ein System verbaut. Doch das Gerät hat seinen Preis: Ab 1150 Euro für die Standard-64GB-Version.

Das wird sich zwar negativ auf den Kontostand vieler Apple-Fans auswirken, doch wird es die SoC-Technologie nicht davon abhalten, die Runde zu machen, sagt Peter Richardson von Counterpoint Research, einer weltweiten Branchenananalyse-Firma mit Sitz in Asien. Richardson sagt, Künstliche Intelligenz werde "in die Smartphones einziehen - ob die Nutzer wollen oder nicht."

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass alle zukünftigen iPhone-Modelle ebenfalls mit neuronalen Prozessoren (NPU) ausgestattet sein werden. Wenn Sie also in Zukunft ein iPhone kaufen, wird es von sich aus schon KI besitzen."

China Huawei Kirin-Chip (picture-alliance/Photoshot/X. Yu)

Der neue Kirin-Chip von Huawei beinhaltet auch KI.

Umkämpfter Markt

Doch Apples Konkurrenz ist wachsam. Das chinesische Unternehmen Huawei brüstet sich beispielsweise mit einem neuen Chipsatz namens Kirin 970 und bezeichnet das demnächst erhältliche Modell Mate 10 Pro als ein echtes KI-Smartphone, das seine Intelligenz nicht aus der Cloud, sondern aus dem eigens eingebauten Chip erhält. Das Gerät soll in Deutschland gegen Ende dieses Monats in den Verkauf gehen. Der Preis: etwa 800 Euro.

Und dann gibt es natürlich noch die Chiphersteller selbst. "Qualcomm ist der weltweit führende Zulieferer für Smartphone-Chipsätze", fügt Richardson seiner Erklärung hinzu, dass KI bei Smartphones nicht aufgehalten werden könne. "Sie haben zwar auf dem Papier noch keinen KI-Chipsatz eingeführt, aber wir gehen davon aus, dass sie innerhalb der nächsten Monate einen Chip mit KI-Unterstützung auf den Markt bringen."

Das Wettrennen hat also begonnen. Einer aktuelle Studie von Counterpoint zufolge soll jedes dritte Smartphone, das im Jahr 2020 verkauft werden wird - das wären immerhin mehr als eine halbe Milliarde Exemplare - die Fähigkeit zu maschinellem Lernen besitzen.

Während der ursprüngliche Anstoß zu dieser Entwicklung eigentlich nur Apples neue Gesichtserkennungs-Software (Face ID) war, werden KI-Chips in Zukunft wesentlich mehr können.

In der Anfangsphase werden diese Chipsätze aufgrund ihrer sehr viel höheren Rechenleistung dazu dienen, Dinge, die wir alltäglich tun, auf eine schnellere und effizientere Weise zu erledigen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Wirtschafts- und Technologie-Berater Thomas Coughlin sagt, dass es um "tiefgehendes Lernen" (deep leaning) gehen wird, einem Zweig der KI, "der sensorische Muster erkennt während sie passieren". Aus diesem Grund würden auch Bilderkennung, Sprachtranskription und Übersetzung um einiges genauer werden.

Neuronale Prozessoren können riesige Datenmengen über die Gewohnheiten des Smartphone-Nutzers, tägliche Muster und vergangenes Verhalten verarbeiten und Vorhersagen darüber treffen, was der Besitzer als nächstes tun wird. Das mag für viele alarmierend klingen, doch Coughlin argumentiert, dass es ebenso "persönliche Assistenz wie nie zuvor" bedeuten könne.

"Bald wird ihr Mobiltelefon in der Lage sein, Vorläufer von Krankheiten zu erkennen. Es wird außerdem ihren Kalender entwirren und Konferenzgespräche eigens terminieren." In anderen Worten: KI-Geräte werden ihre eigenen Entscheidungen treffen können und Aufgaben ausüben, die "die Interaktionszeit zwischen Nutzer und Gerät drastisch senken werden."

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China als führende Kraft?

Interessanterweise glaubt die KI-Marktforschungsfirma TechEmergence, dass Asien - allen voran China - Smartphones mit KI-Leistung noch schneller als die USA und der Rest der Welt entwickeln werden.

Immerhin verzichten bereits viele Chinesen komplett auf den Computer am Schreibtisch. Das bedeutet, dass "alle Aufgaben, die westliche Nutzer erst erledigen, wenn sie zu Hause an ihrem Desktop-PC sind, von vielen asiatischen Nutzern längst mobil erledigt werden."

Außerdem seien chinesische Schriftzeichen schwieriger auf einer Smartphone-Tastatur zu tippen. Die Nachfrage nach Spracherkennung und Gestik-Befehlen, die KI voraussetzen, ist dort also um einiges höher.

Generell heißt es, das ultimative Ziel sei für Smartphone-KIs, das menschliche Gehirn zu imitieren. So weit sind wir dann doch noch nicht. Es mag zwar ein guter Marketing-Trick sein, die neuesten KI-Kunststücke der Smartphones zur Schau zu stellen, doch tatsächlich reden wir bislang nur über maschinelles Lernen. Das ist zwar mit KI verwandt, aber noch ein langer Weg, bis unsere Gehirne tatsächlich kopiert werden.

Momentan können intelligente Smartphones Dinge effizienter machen als zuvor, viel größere Datenmengen verarbeiten und Entscheidungen basierend auf internen Auswertungen treffen.

Aber zusätzliche Fähigkeiten zu erlernen ist nicht ganz so leicht. Denn das menschliche Gehirn ist in der Lage, sich vergangene Übungen zu merken und neues Wissen schrittweise zu erlernen. Wenn man einem künstlichen neuronalen Netz eine neue Fähigkeit beibringen will, muss man noch immer wieder bei Null anfangen, sagt die Tech-Nachrichtenseite Engadget. Sie nennt dies "katastrophales Vergessen". 

Doch es ist eine Branche, die sich schnell bewegt. Und wir sollten nicht vergessen, dass die massenhafte Einführung von maschinellem Lernen bei Smartphones zukünftige Entwicklung vorantreiben und den Preis für solche Geräte senken wird.

"Eine Sache, die man im Hinterkopf haben sollte, ist, dass viele der Fähigkeiten des heutigen 1000-Euro-Smartphones in fünf Jahren in wesentlich günstigeren Mobiltelefonen verbaut sein werden", sagt Coughlin. "Und natürlich werden in Zukunft teurere Geräte noch viel mehr leisten können."

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