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Politik

Was sucht Natasha?

Natasha, 21, blond, sucht…So fangen im Westen Kontaktanzeigen an, die mit dem Mythos von der wilden Russin spielen. Die Russinnen selbst finden, sie könnten noch einiges lernen und stürmen Schulen für Verführungskünste.

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"Also die Russinnen, da geht ja einiges." Martin* aus Deutschland bekommt den Mund nicht wieder zu, obwohl er gerade mit seiner deutschen Freundin zu Besuch in Moskau ist: Es ist Sommer in Russlands Hauptstadt, und viele Moskowiterinnen sind körperbetont knapp bekleidet und üppig geschminkt. Zentimeter hohe Pfennigabsätze und grell gefärbte Haare sind Pflicht, selbst zur Polizeiuniform. Russische Frauen geben alles, nur um den Richtigen zu finden, so scheint es dem Fremden. Doch überbordender Schmuck, nicht nur an Frauen, hat hierzulande Tradition. Man liebt es halt bunter, greller, glitzernder, das beschrieben schon holsteinische und schwedische Reisende im 17. Jahrhundert.

Jetzt wollen sie es wissen

Seit einiger Zeit aber wollen es die Russinnen wirklich wissen, glaubt man Wladimir Rakowskij. Der 42-jährige, einst Psychologe in Staatsdiensten, betreibt in Moskau eines der Nachhilfeinstitute in Sachen Männerfang, die seit einiger Zeit in Russlands Großstädten wie Pilze aus dem Boden schießen. "Stervologia" nennt Rakowskij seine Wissenschaft, die Kunst, wie eine "Sterva" Männer zu bezirzen. Sterva darunter verstehen die meisten Russen nichts anderes als eine Hure, bestenfalls ein Luder. Mit Anleitung zur Prostitution hätten seine sechswöchigen Kurse für knapp 200 Euro aber nichts zu tun, betont Rakowskij.

Die Kursteilnehmerinnen erlernen verschiede Rollenmuster, vom wilden Vamp bis zum anschmiegsamen kleinen Kätzchen, auf dem Stundeplan stehen erotische Gymnastikübungen und Stripnummern, ebenso wie ganz praktische Sachen. Zum Beispiel, wie man seine Handy-Nummer ergattert, ohne ihn selbst danach zu fragen. Oder was zu tun ist, wenn er einen zwar anlächelt, aber dann nichts weiter passiert. Seine Lektionen seien die russische Antwort auf die Emanzipation im Westen und Lebenshilfe für die junge, gebildete, erfolgreiche Russin, der zum Glück nur eines fehle: ein Mann. "Frauen haben ihre Weiblichkeit verloren nach Jahrzehnten des Karriereeiferns". Sätze wie dieser kommen an, in einer ohnehin eher konservativen Gesellschaft, die gerade abrechnet mit der sowjet-ideologisch gleichberechtigten Traktoristin Tatjana und ihrer Konstrukteursgenossin Katja.

Der Richtige

Doch was sucht Natascha wirklich? Wenn man sich in Rakowskijs Schule umhört, und Umfragen westlicher Sozialforschungsinstitute scheinen die Sehnsucht zu bestätigen, dann wollen viele vor allem eines: den Richtigen. Den Mann, mit dem sie ein besseres Leben verbringen oder planen können.. Einen, der nicht nur mit seinen Jungs um die Häuser zieht, und zu Hause allenfalls noch als strammer Max taugt. Einige wollen in einer Metropole wie Moskau aber auch einfach mehr Spaß. Geld spielt da keine Rolle, die paar Euro für ein paar Nachhilfestunden erst Recht nicht.

* Name von der Redaktion geändert.