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Wirtschaft

Was passiert bei einer Griechen-Pleite?

Nach dem Scheitern der Gespräche der Euro-Finanzminister hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite Griechenlands und eines Ausscheidens aus der Währungsunion erhöht.

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Die Geberländer bestehen darauf, dass Griechenland ein Anschlussprogramm akzeptiert. Aber: "Diese Kröte kann der griechische Ministerpräsident Tsipras nur schlucken, wenn sie gut gewürzt ist", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zur DW. "Ein Kompromiss könnte vorsehen, die Laufzeit der bilateralen Kredite auf 50 Jahre zu verlängern, den Schuldendienst für die ersten zehn Jahre auszusetzen und die ohnehin niedrigen Zinsen weiter zu senken", sagt er.

Commerbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer (Foto: Commerzbank AG)

Jörg Krämer: Gesichtswahrende Tauschgeschäfte

Außerdem, so Krämer, könnte die Staatengemeinschaft eine Art Tauschgeschäft vorschlagen: Sie könnte von der Forderung abrücken, dass Griechenland, wie ursprünglich vereinbart, die Privatisierungen vorantreibt und den öffentlichen Dienst schlanker macht, wenn Athen im Gegenzug die Steuerhinterziehung und Korruption wirksam bekämpft, "wofür sich die linksradikale Syriza im Wahlkampf ohnehin stark gemacht hatte".

Geldhahn zu

Nachdem auch das Treffen der Euro-Finanzminister am Montag (16.02.2015) ohne Einigung abgebrochen werden musste, ist ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion (Grexit) wahrscheinlicher geworden. Die Volkswirte der Commerzbank bewerten die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios nun nicht mehr mit 25, sondern mit 50 Prozent.

Denn wenn sich ein Zahlungsausfall Griechenlands abzeichnet, sind auch die Staatsanleihen, die von griechischen Banken gehalten werden, wertlos. Dann müsste die Europäische Zentralbank auch die Liquiditätszufuhr über

ELA-Notkredite

kappen. "Denn der EZB ist es nicht erlaubt, ein Bankensystem am Leben zu erhalten, das nicht mehr solvent ist." Griechenland wäre "abgeknipst" von der Euro-Liquidität und damit faktisch aus der Währungsunion ausgeschieden.

Andererseits könnte Griechenland versuchen, die Drachme wieder einzuführen. Viele Experten sehen darin die beste Möglichkeit, mit einer drastischen Abwertung von ungefähr 50 Prozent die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands wiederherzustellen. Reisen würden dann deutlich günstiger und damit die für das Land so wichtige Tourismusindustrie gestärkt. Und auch billige Exportprodukte könnten die heimische Wirtschaft ankurbeln. Waren und Dienstleistungen allerdings, die Griechenland aus dem Ausland importiert, würden deutlich teurer.

Die Drachme ist keine Alternative

Allerdings hätte auch die neue Drachme einen eklatanten Geburtsfehler. Denn egal, was passiert: Die Schulden Griechenlands würden nicht etwa gestrichen, sondern blieben unverändert bestehen - und zwar in Euro. Die aufgenommenen Schulden würden aber im Zuge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen, wenn die Griechen mit der billigen Drachme die alten Schulden in Euro zurückzahlen müssten. Den Gläubigern - und das würde vor allem den griechischen Banken zum Verhängnis werden - droht damit ein Totalausfall ihrer Forderungen.

Eine weitere Gefahr ist hierbei der sogenannte Run auf die Banken, wenn die Griechen ihre Konten leerräumen, um die harten Euros vor einem Umtausch in die weichen Drachmen zu schützen. Das könnte die nationalen Banken ruinieren und in der Folge sogar den gesamten griechischen Geldkreislauf zusammenbrechen lassen.

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Harte Zeiten

Ohne neue Kredite aber könnte das Land seine laufenden Ausgaben vermutlich kaum finanzieren. Den Griechen selbst stünde eine harte Zeit bevor. Das Land müsste sich bemühen, die Sozialsysteme aufrechtzuerhalten und Beamte und Rentner weiter zu bezahlen. Die Einschnitte würden aber auch die öffentliche Infrastruktur, die Krankenhäuser, den öffentlichen Nahverkehr, die Müllabfuhr und das Bildungssystem betreffen.

Was würde eine Pleite für Deutschland und die EU bedeuten? "Ein griechischer Konkurs kostet den deutschen Staat 80 Milliarden Euro. Der Austritt kostet nichts, im Gegenteil", schrieb der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kürzlich in einem Beitrag für die "Wirtschaftswoche". "Nur wenn Griechenland die Euro-Zone verlässt, kann es abwerten, wettbewerbsfähig werden und überhaupt etwas zurückzahlen. Die Notwendigkeit, Verluste beim Austritt zu verbuchen, sollte man nicht mit dem Entstehen von Kosten verwechseln."

Die Bundesregierung hält einen Austritt Griechenlands inzwischen für verkraftbar - vor allem, da andere Krisenstaaten wie Spanien, Portugal und Irland mittlerweile wieder auf einem guten wirtschaftlichen Weg sind. Zudem haben die EU und die EZB Maßnahmen getroffen, um ein Überspringen der Krise von Griechenland auf andere Euro-Staaten zu verhindern. Dazu gehört einerseits der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM), der Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro unterstützen kann. Andererseits sorgt die ultralockere Geldpolitik der EZB dafür, dass sich Europa langsam, aber sicher wirtschaftlich wieder erholt.

* Der Artikel wurde nach dem Treffen der Euro-Finanzminister am 16.02.2015 aktualisiert (Anm. d. Red.)

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