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Kultur

Was Oligarchen lieben

Russlands Neureiche schmeißen seit zwei Jahren auch auf dem Kunstmarkt mit Geld um sich. Dort interessieren sie sich nicht mehr ausschließlich für geschmacklosen Hochglanz. Die Händler freut's.

Auktion in Köln (Foto: VAN HAM)

Mittelsmänner ersteigern in Köln russische Meister - am Apparat: der Oligarch persönlich

Nein, sie haben in der Welt zurzeit keinen besonders guten Ruf. Wenn neureiche Russen vermehrt in deutschen Touristenhochburgen wie Mallorca oder der Türkei auftauchen, schreien deutsche Zeitschriften regelmäßig: "Die Russen kommen". Wenn in Moskau mal wieder Millionärsmesse ist, macht sich das Fernsehen über Oligarchen-Gattinen lustig, die sich mit diamantenbesetzten Mobiltelefonen, Uhren und anderen Dingen des täglichen Bedarfs eindecken.

Auktionshaus-Chef Markus Eisenbeis (Foto: VAN HAM)

Freut sich über die russische Kundschaft: Auktionshaus-Chef Markus Eisenbeis

Und jetzt auch noch der Kunstmarkt. Auch hier werfen neureiche Russen seit zwei, drei Jahren mit Geld um sich. Schließlich rangierte Russland – zumindest noch im Jahr vor der Krise – bezogen auf die Zahl seiner Milliardäre auf Rang drei. Nach den USA und Deutschland übrigens. Dem Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge haben die 100 reichsten Russen ein Privatvermögen von weit über 250 Milliarden Dollar angehäuft. Geld, das ausgegeben werden will. So wird allein auf dem russischen Kunstmarkt 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt.

Retter der Tradition

Händler und Auktionshäuser in Deutschland freut das alles. Markus Eisenbeis zum Beispiel, den Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham. Ihm haben die Russen ein ganzes Marktsegment gerettet, erzählt er. Für französische und italienische Malerei aus dem 19. Jahrhundert gab es in Deutschland so gut wie keine Käufer mehr. "Die sind uns weggestorben", erzählt er. Bis die Russen kamen.

Schöne italienische Landschaften oder Stadtansichten ersteigern seine Kunden gern. "Sie nehmen da vielleicht ein bisschen die eigene Erlebniswelt mit nach Hause", erzählt er. Die Eindrücke des letzten Toskana-Urlaubs etwa, oder eben ein Stückchen von der neu gekauften Villa im Süden. Was auch gut weggeht – und da wären wir wieder beim Klischee – Prächtiges und Prunkvolles aus der Zarenzeit: Große Porzellanprunkwaren, Kandelaber - oder silberne Samoware. Ein solcher ist vor einigen Wochen für eine hübsche Summe über den Auktionstisch gegangen. "Das passt natürlich ganz gut", sagt der Händler verschmitzt.

Keine Kitsch-Käufer

Doch wer die Russen für reine Kitsch-Käufer hält, wird ihnen nicht gerecht, sagt Eisenbeis. Sie wüssten durchaus Kunst von Kitsch zu unterscheiden. "Sie kaufen allesamt sehr kenntnisreich. Die wertlosen Sachen lassen sie links liegen."

Ein Besucher betrachtet das Gemaelde Kreuzprozession im Gouvernement Kursk (1881-1883) von Ilja Repin (Foto: AP)

Besonders beliebt: Russische Meister wie Ilja Repin (1844-1930)

Eisenbeis vergleicht die Vorlieben seiner Kunden gern mit denen der Deutschen in der Wirtschaftswunderzeit. "Russland erlebt zurzeit doch auch so etwas wie ein Wirtschaftswunder". Als die Leute in Deutschland in den 60ern zu Geld kamen, war auch eher Traditionelles angesagt, moderne Kunst war zumindest den breiten Massen ein Gräuel.

Ähnlich ist es jetzt bei den Russen. Ende der 90er kauften sie vor allem russische Werke, interessierten sich dann für die Malerei des 19. Jahrhunderts. "Und ganz langsam gehen sie jetzt auch in die Moderne", so Eisenbeis.

Den Rekord hält ein Russe

Die Begeisterung für russische Meister hält aber bis heute an. Das teuerste Gemälde, das 2009 in Eisenbeis' Haus Van Ham ersteigert wurde, ist ein Werk des bekannten russischen Malers Nikolaj Swertschkow aus dem 19. Jahrhundert. "Ein prachtvolles Bild, allein schon die monumentale Größe und dann die Darstellung der Schimmelkavallerie von Alexander II.", schwärmt Eisenbeis. Das Bild hat auch nur russische Käufer angesprochen. "Wir hatten allein acht Bieter am Telefon und drei, vier Mitbieter im Saal darauf gehabt", erzählt er. Das Gemälde von Swertschkow ging dann für die Rekordsumme von 489.000 Euro an einen russischen Sammler.

Die Finanzkrise war in Eisenbeis' Haus übrigens nur ein paar Monate ein Problem. Anfang des Jahres blieben die Russen weg – und bezahlten auch so manche Rechnung nicht. Dafür waren sie in den vergangenen Monaten umso kauflustiger. "Seit diesem Herbst sind die Russen wieder unheimlich engagierte Käufer – und das Geld haben wir am Ende auch bekommen."

Autor: Manfred Götzke

Redaktion: Sabine Oelze