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Politik

Was Mainz 05 und Grüne gemeinsam haben

Gespannte Vorfreude, ungläubiges Stauen, sie werden doch nicht? Mainz 05 in der Bundesliga und die Grünen in der Politik haben zur Zeit eines gemein: Sie sind oben.

Fernschreiber Berlin (Grafik: DW)

Mainz 05 hieß in der letzten Woche der Tabellenführer der Bundesliga: Sechs Spiele, sechs Siege. Damit hat keiner gerechnet. Sie spielten besser als der FC Bayern, viel besser als Schalke 04 - sie werden doch nicht? Oder doch? Ist das vorstellbar? Mainz 05 als Deutscher Meister? Eigentlich nicht, oder? Obwohl…

"Uns geht es gerade ein bisschen so wie Mainz 05", sagt ein Mitglied der Führung der Grünen, das hier nicht namentlich genannt werden darf, weil das im politischen Berlin so Sitte ist. Aus Hintergrundgesprächen darf man den Inhalt veröffentlichen, aber nicht, wer es gesagt hat.

Also: Warum geht es den Grünen gerade so wie Mainz 05? Weil sie in einer aktuellen Umfrage erstmals gleichgezogen haben mit der großen SPD. Das stets SPD-kritische Forsa-Meinungsforschungsinstitut gibt den Grünen 24 Prozent, der SPD ebenso. Sie werden doch nicht? Oder doch? Ist das vorstellbar? Eigentlich nicht, oder? Obwohl…

Ein grüner Kanzler?

Seitdem passieren erstaunliche Dinge: Die Grünen werden ernsthaft gefragt, ob sie zur nächsten Bundestagswahl nicht einen Kanzlerkandidaten aufstellen wollen, Jürgen Trittin etwa, den Fraktionschef, der immerhin schon mal Bundesumweltminister war. Die Pressestelle der Grünen registriert auffallend mehr Interviewanfragen. Die Parteispitze müht sich um eine einheitliche Sprache, die etwa so geht: Wir heben jetzt nicht ab, unsere guten Werte freuen uns, haben aber viel mit der schlechten Image der Regierung zu tun. Aber auch damit, dass wir uns weniger streiten als die anderen Parteien, dass wir so etwas wie einen Markenkern haben (Umweltschutz), der gerade populär ist - und das die Grünen das, was sie fordern (mehr Kindertagesstätten, weniger Atomkraft, mehr Klimaschutz, längeres gemeinsames Lernen in den Schulen, keine Wehrpflicht) schon lange fordern und nicht ständig schwanken wie die anderen Parteien.

Stimmt alles, und sicher ist es richtig, jetzt ganz ruhig zu bleiben, aber mal ganz ehrlich, liebe Freunde von Mainz 05: Hat nicht doch schon mal einer taggeträumt vom Meistertitel? Na also.

Spannende Landtagswahlen

Bis zur nächsten Bundestagwahl sind es noch drei Jahre, aber in den Ländern laufen die Grünen auch auf der Überholspur: Beispiel gefällig? Im März 2011 wird in Sachsen-Anhalt gewählt, da finden die Grünen bislang eigentlich nicht richtig statt, im Landtag sind sie nicht vertreten. Und jetzt ? Letzte Umfrage: Neun Prozent. Ganze 548 Mitglieder hat der grüne Landesverband, die stillen Mitglieder (Parteijargon: Karteileichen) mitgerechnet. Wenn die Umfragen so blieben bis zur Wahl, werden sie wohl Kräfte von außen holen müssen für ihre künftige Arbeit.

Da sind sie im grünen Stammland Baden-Württemberg besser aufgestellt, da haben sie mehr eigenes Personal. Da wird auch im März gewählt, und eine Umfrage lautete neulich: 27 Prozent für die Grünen.

Mit Umfragen gewinnt man keine Wahlen, lautet so ein Politikerspruch. Stimmt. Aber irgendwie macht sich so etwas wie eine gespannte Vorfreude breit bei den Grünen: Sie schauen sich an, fragend und ein bisschen ungläubig, zwingen sich zur Ruhe - und bereiten sich vor, so gut es geht. Sie wollen jetzt ihr Personal weiterbilden, ihre Organisation weiter professionalisieren - und freuen sich auf ihren Parteitag im November. Dort soll dann auch bekanntgegeben werden, ob Renate Künast, die Fraktionschefin im Bundestag, im Herbst 2011 als Spitzenkandidatin bei der Wahl zum Berliner Landesparlament antritt. Wo liegt sie derzeit in den Umfragen? Richtig - sie könnte gewinnen. Sie wird doch nicht. Oder doch? Berlins Regierende Bürgermeisterin eine Grüne, In der Hauptstadt? Warum eigentlich nicht? Vielleicht ist zu dem Zeitpunkt Mainz 05 ja schon Deutscher Meister…

Autor: Jens Thurau
Redaktion: Kay-Alexander Scholz