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Wirtschaft

Was kommt nach dem Öl?

Bundeskanzlerin Merkel reist durch die Golfstaaten. Die mitreisenden Wirtschaftsbosse hoffen auf florierende Handelsbeziehungen, denn die Staaten fixieren sich schon lange nicht mehr nur auf Erdöl.

Scheichs in Dubai, Foto: AP

Neue Wirtschaftsmacht am Golf?

Inselgruppe «The Palm Jumairah» Computersimulation eines Modells der künstlichen Inselgruppe «The Palm Jumairah» vor der Küste des Golfemirats Dubai (undatiertes Foto). Im Persischen Golf entsehen riesige künstliche Inselgruppen mit Luxusimmobilien. Diese Villen mit Privatstrand ziehen sowohl seriöse Investoren als auch den verwöhnten Jet-Set und biedere Unternehmer mit dicken Geldbeuteln magisch an, Foto: dpa

Dubai: Tourimus statt Erdöl

Rekordpreise von 70 Dollar pro Barrel – so einen Boom haben die Erdölförderländer seit den 1970er Jahren nicht mehr erlebt: Allein die Wirtschaft in den Vereinigten Arabischen Emirate, die Bundeskanzlerin Merkel am Montag (5.2.) besucht, wuchs im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Doch anders als beim ersten Ölboom in den siebziger Jahren werden die Überschüsse aus dem Ölexporten jetzt wesentlich "klüger und zielgerichteter eingesetzt", sagt Felix Neugart, Nahost-Experte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), denn die Ressource Erdöl ist endlich – dieses Bewusstsein ist auch in den Golfstaaten angekommen.

Daher gibt es laut Neugart bereits ernsthafte Versuche, sich zu diversifizieren und unabhängiger vom Erdöl zu werden. Gasvorkommen werden vermehrt genutzt, die Tourismusindustrie aufgebaut und das Profil der Region als Schnittstelle zwischen Europa und Asien geschärft: "Dubai ist in der Hinsicht der Vorreiter: Jabal Ali ist mittlerweile der größte Containerhafen der Welt." Auch in den anderen Ländern reagiere man mit dem Ausbau der Infrastruktur und des Gesundheitssystems auf die wachsende Bevölkerung, Bildung werde zur Schlüsselressource für die Menschen der Region, erklärt Neugart.

Reise mit Signalwirkung

Erdölförderung, Foto: AP

Wie lange reicht das Erdöl noch?

Darum knüpfen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundeswirtschaftminister Michael Glos und die 40köpfige Wirtschaftdelegation große Hoffnungen an die Reise bis zum 6. Februar. Ägypten und Saudi-Arabien liegen bereits hinter Merkel, es folgen noch die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait. "Das ist für uns ein ungemein bedeutsamer Wirtschaftsraum", kündigte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm bereits im Vorfeld an. DIHK-Experte Neugart spricht von einem "Signal", dass die Golfregion als strategischer Partner für Deutschland und die Europäische Union an Bedeutung gewinne: "Allein in den ersten zehn Monaten 2006 hat Deutschland seine Exporte in die Staaten des Golfkooperationsrats um mehr als 13 Prozent auf knapp elf Milliarden Dollar gesteigert."

"Die Nahost-Region ist eine Boom-Region", findet auch der Geschäftsführer der deutsch-arabischen Handelskammer Peter Göpfrich: "Wir erhoffen uns vom Besuch Merkels neue Wirtschaftskontakte." Und diese beschränken sich schon lange nicht mehr auf das Ölgeschäft: Siemens liefert Kraftwerke nach Kuwait, MAN Ferrostaal baut eine Methanolanlage in Oman, die Duisburger Hansa Chemie hält die Fäden für das größte Tourismus-Projekt Irans auf der Insel Kish in den Händen.

Klimaschutz soll auf die Agenda

Windräder in Ägypten, Foto: AP

Ägypten baut bereits die Windenergie aus

Doch auch die Themen Klimaschutz und erneuerbare Energien sollten auf die Agenda der Kanzlerin, fordert Göpfrich. Das könne durchaus geschäftsträchtig und lukrativ für die Zukunft sein, denn gerade bei den Technologien von Solarenenergie, Windenergie und Biodiesel sei Deutschland ein Vorreiter. "Leider herrscht in der Region hier noch kein großes Bewusstsein für Ökoeffizienz, weil der Druck fehlt. Noch ruht man sich auf den Ölpolstern aus."

Attraktiv für die Europäer ist auch die zunehmende wirtschaftliche Integration der Region: Nach dem Vorbild der Euro-Zone wollen sich die sechs im Golf- Kooperationsrat (GCC) zusammengeschlossenen Staaten Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und das Sultanat Oman zu einer Währungsunion zusammenschließen. Göpfrich rechnet mit einer Realisierung innerhalb der nächsten zwei Jahren, denn wirtschafts- und zollrechtliche gemeinsame Vereinbarungen gebe bereits. "Das ist ein wichtiger Schritt", sagt er, "denn die Schaffung eines großen neuen Marktes erhöht die Absatzmöglichkeiten für Europa."

Wirtschaftsmacht in spe

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Foto: dpa

Wird sie das Nahost-Quartett beleben können?

"Die Bedeutung der Region ist erkannt", sagt Göpfrich. Von einer geeinten Wirtschaftsmacht am Golf mag er jedoch noch nicht sprechen, auch wenn das Potenzial da sei. Das setze jedoch politische Macht voraus. Und es müsse eine stärkere gemeinsame Identität geben: "Sowohl bezogen auf die Legitimität vieler Regierungen, als auch auf die Zerstrittenheit der Staaten untereinander und ihre unkoordinierte Politik." Seine größte Hoffnung ist jedoch, dass Angela Merkel auch in ihrer Funktion als EU-Ratspräsidentin anreist: "Wir hoffen auf eine Wiederbelebung des Nahost-Quartetts und eine Friedenslösung im Nahost-Konflikt."

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