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Asien

Was ist wirklich los in Tibet?

Regelmäßig veröffentlichen NGOs Informationen über Tibet, bringen Berichte über Selbstverbrennungen und Proteste. Dabei stützen sie sich auf so genannten Researcher. Die Deutsche Welle sprach mit einem von ihnen.

Exile Tibetans hold portraits of spiritual leader the Dalai Lama, right, and 21-year-old monk Phuntsog and participate in a candlelit vigil to honor the monk who set himself on fire in an anti-government protest, in Dharmsala, India, Thursday, March 17, 2011. Phuntsog, who like many Tibetans goes by only one name, set himself on fire Wednesday afternoon on a main street near the Kirti monastery in Aba town, in Sichuan province, said Kusho Tsering, a monk now living in Dharmsala, India. A state news agency said the monk died Thursday. (AP Photo/Ashwini Bhatia)

Indien China Demonstration gegen Verbrennung von Mönch in Kloster Kirti in Sichuan

Seinen echten Namen möchte er nicht sagen. Dorji sollen wir ihn nennen. Dorji hat gute Gründe anonym zu bleiben. Er hat einen mächtigen Gegner: Die Volksrepublik China. Der Tibeter versorgt die Welt mit Informationen aus einer für ausländische Journalisten unzugänglichen Welt: Der Autonomen Region Tibet.

Dorji ist ein so genannter Researcher der Organisation "International Campaign for Tibet" (ICT). Der 29-Jährige lebt in Dharamsala in Nordindien, dem Sitz der tibetischen Exilregierung. Geboren wurde er in Tibet. Er studierte an einer chinesischen Universität. Mit 18 Jahren beschloss er, sich der Sache des Dalai Lama zu verschreiben. Er ging freiwillig ins Exil nach Indien. Seine Familie lebt heute noch in Tibet. Auch um sie zu schützen, möchte Dorji anonym bleiben.

Kontakte nach Tibet

Tibeter protestieren mit Flagge und Plakaten gegen die Tibetpolitik Chinas (Foto: Stuart Braun)

Dharamsala: Exil-Tibeter demonstrieren aus Protest gegen die Tibetpolitik Chinas

In Dharamsala sammelt er nun Informationen über die Vorkommnisse in Tibet. "Ich interviewe Flüchtlinge, die aus Tibet nach Indien kommen", sagt Dorji über seine Arbeit. "Und ich habe natürlich Kontakte nach Tibet, zum Beispiel in die Region Aba. Seit letztem Jahr ist es zwar sehr schwer, die Leute dort zu erreichen. Aber wir nutzen verschiedene Wege, um von dort Informationen zu bekommen und auf dem aktuellsten Stand zu bleiben."

Aba liegt in einer tibetisch geprägten Region der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Hier steht das Kloster Kirti, Hauptschauplatz heftiger Spannungen zwischen Tibetern und chinesischen Sicherheitskräften. Die chinesischen Sicherheitsbehörden führen unter anderem im Kloster Kirti so genannte "patriotische Erziehungsmaßnahmen" durch. Die Mönche müssen dem Dalai Lama abschwören. Zahlreiche Mönche des Klosters Kirti zündeten sich aus Protest gegen die Tibetpolitik der chinesischen Regierung selbst an. Insgesamt kam es in den letzten zwei Jahren zu über 30 Selbstverbrennungen von Tibetern.

Der Dalai Lama lehnt diese Form des Protests ab. Dorji glaubt dennoch nicht, dass die Selbstverbrennungen aufhören. "Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat nicht zu den Selbstverbrennungen aufgerufen. Er kann sie auch nicht stoppen. Es gibt so viele Dinge im täglichen Leben der Tibeter, die sie veranlassen, sich zu opfern."

Viele politische Flüchtlinge

Morgenversammlung rotgekleideter Mönche vor dem Kloster Kiri in Sichuan, China (Foto: picture alliance/Lonely Planet Images)

Kloster Kirti: zahlreiche Mönche zündeten sich aus Protest selbst an

Früher seien jedes Jahr etwa 3000 Tibeter von China nach Indien geflohen, sagt Dorji. Seit den tibetischen Protesten im Jahr 2008 haben die chinesischen Behörden jedoch die Grenzen abgeriegelt. Etwa 800 schaffen es trotzdem jedes Jahr ins indische Exil. "Das sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Es kommen zum Beispiel Mönche, die wegen der patriotischen Erziehungsmaßnahmen fliehen." Seit 2008 kämen viele Flüchtlinge aus politischen Gründen, so Dorji. "Sie haben 2008 friedlich demonstriert. Viele mussten sich verstecken, weil die lokale Regierung sie mit Steckbriefen sucht. Die Regierung bietet jedem, der sie verrät, viel Geld. Diese Leute, die in die Proteste verwickelt waren, fürchten um ihr Leben."

Die schließlich veröffentlichten Informationen seien absolut zuverlässig, versichert Dorji. "Sobald wir eine Information bekommen, zum Beispiel über Selbstverbrennungen, suchen wir nach einer zweiten Quelle."

Fester Glaube an die Rückkehr

Portraitfoto des 77-jährigen Dalai Lama (Foto: DW)

Dalai Lama: wird er noch zu Lebzeiten nach Tibet zurückkehren können?

Während des Tibetaufstands 1959 musste der Dalai Lama ins Exil nach Indien gehen. Bis heute konnte er nicht in seine Heimat zurückkehren. Die Fronten zwischen der chinesischen Regierung und den Exiltibetern sind festgefahren. Der Dalai Lama fordert kulturelle Autonomie für Tibet unter chinesischer Flagge, die Regierung in Peking wirft dem geistigen Oberhaupt der Tibeter hingegen Separatismus vor. Trotz dieser ernüchternden politischen Lage zeigt sich Dorji optimistisch, eines Tages gemeinsam mit dem Dalai Lama nach Tibet zurückzukehren. "Jeder hat seine Hoffnungen und Träume. Vielleicht ist das unrealistisch. Aber ich glaube fest daran, mit seiner Heiligkeit gemeinsam zurückzukehren. Vielleicht in fünf, zehn oder zwanzig Jahren. Wer weiß."

Der Dalai Lama wird im Juni 77 Jahre alt. Die Zeit drängt.

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