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Das Kurzinterview

Was ist Social Freezing?

Social Freezing ist das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen, um den Kinderwunsch auf später verschieben zu können. Wir haben dazu mit Reproduktionsmediziner Prof. Dr. med. Frank Nawroth gesprochen.

DW: Wie funktioniert Social Freezing?
Prof. Dr. med. Frank Nawroth: Die Patientinnen spritzen sich in aller Regel selber etwa zehn Tage subkutan, also unter die Haut, Hirnanhangsdrüsen-Hormone, die die Reifung der Eizellen stimulieren. In dieser Zeit macht man normalerweise ein bis zwei Ultraschalluntersuchungen. Das sind zehn-Minuten-Termine, bei denen man guckt, wie schnell die Eizellen reifen. Dann werden die Eizellen nach circa zehn Tagen Stimulationsdauer entnommen, in einer kurzen Narkose. Das dauert fünf Minuten. Man geht mit dem Ultraschallkopf in die Scheide und saugt über die Scheide die Eizellen ab und guckt, ob sie reif sind. Dabei sticht man durch die Scheidenwand, hinter der die Eizellen liegen. Die Eizellen, die ein ganz bestimmtes Reifestadium haben, friert man ein.

In welchem Alter gibt es denn noch gute Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft mit eingefrorenen Eizellen?
Der Begriff „gut“ ist sehr dehnbar. Idealerweise sind die Patientinnen Ende 20, Anfang 30. Bei uns in der Praxis beraten wir die Patientinnen je nach Alter entsprechend und haben uns als Grenze ein Alter der Patientinnen von 38 bis 39 Jahren gesetzt. Bei älteren Patientinnen frieren wir die Eizellen nicht ein, da die Chancen deutlich eingeschränkt sind. Die Hoffnung, die man dann weckt, können wir nicht rechtfertigen. Also idealerweise sind die Patientinnen Ende 20, aber in diesem Alter kommt keiner momentan.

Wie lange kann man die Eizellen einfrieren?
Die Dauer spielt nach heutigem Kenntnisstand keine Rolle. Das gilt aber auch für befruchtete Eizellen, für Spermien und für Gewebe. Wichtig ist, dass die Eizellen das Einfrieren und Auftauen überleben. Die Lagerzeit spielt keine Rolle. Jahre, Tage – das ist völlig egal.

Welchen Risiken setzt sich eine Frau beim Einfrieren ihrer Eizellen aus?
Das ist sehr überschaubar. Man hat etwa ein Risiko von einem Prozent, dass bei der Entnahme der Eizellen Entzündungen oder Blutungen auftreten und ein Risiko von einem Prozent für eine so genannte Überstimulation mit Bauchschmerzen.

Gibt es Risiken für das Kind?
Man geht davon aus, dass die Risiken nicht erhöht sind, weil das Einfrieren von befruchteten Eizellen macht man seit 30 Jahren und das sind nach Schätzungen wahrscheinlich mehr als eine Million Kinder. Von denen weiß man, dass das Verfahren nichts macht. Es gibt ein paar Tausend Kinder aus eingefrorenen Eizellen und von denen ist nicht bekannt, dass die Risiken erhöht sind. Das wäre auch logisch nicht erklärbar, warum das bei unbefruchteten Eizellen anders sein sollte als bei befruchteten. Wir gehen davon aus, dass das Risiko für das Kind nicht erhöht ist. Man muss nur diskutieren, was passiert, wenn eine Frau sich mit 50 Jahren die Zellen einsetzen lassen will. Dann ist das Risiko für das Kind erhöht, weil die Mutter so alt ist und Schwangerschaftserkrankungen bekommen kann. Es ist viel relevanter, dass man sich das überlegt.


Prof. Dr. med. Frank Nawroth ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sein Schwerpunkt ist die Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Er arbeitet bei den amedes experts, einem Facharzt-Zentrum für Kinderwunsch, Pränatale Medizin, Endokrinologie und Osteologie in Hamburg.
http://www.amedes-experts-hamburg.de

Das Interview führte Dorothee Grüner

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