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Kultur

Was hat Hitler mit Kebab zu tun?

Mit seinen Lesungen aus Hitlers "Mein Kampf" wurde Serdar Somuncu bekannt. Mit seinem neuen Programm "Hitler Kebab. Getrennte Rechnungen" ergründet der Deutsch-Türke leiser, aber nicht schmerzfrei, die eigene Herkunft.

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Sein Kampf: Serdal Somuncu

Als Serdar Somuncu 1996 das erste Mal Hitlers "Mein Kampf" auf der Bühne las, dachte kaum jemand, dass das gut gehen würde: Ein Türke in Deutschland, der Hitler öffentlich vorliest und verreißt. Seither sind über 1500 Auftritte vergangen, Hörbücher erschienen, Radio- und Fernsehauftritte erfolgt.

Somuncus Kampf


Der Kabarettist und Schauspieler Serdar Somuncu hat Hitler rauf und runter, quer durch die Republik und Europa gelesen, dessen Demagogie und Rassenwahn entlarvt – und das auch vor ehemaligen KZ-Häftlingen, selbst vor rechts irritierten Jugendlichen. Letzteres übrigens mit kugelsicherer Weste.


Mit dem heiklen Stoff ist Serdar Somuncu berühmt geworden. Die Erfahrungen, die der Schauspieler und Kabarettist während dieser langjährigen Tournee machte, hat er in einem Buch festgehalten: "Nachlass eines Massenmörders. Auf Lesereise mit 'Mein Kampf'".


Somuncu ist Deutsch-Türke zweiter Generation. Er studierte Schauspiel, Musik und Regie in Maastricht und Wuppertal. Seit 1987 leitete er das Kammerensemble in Neuss. Jetzt hat Somuncu die deutsche Geschichte zunächst hinter sich gelassen, um sich seiner Identität zuzuwenden. Eigentlich wollte der Schauspieler und Kabarettist als nächstes ein Kinderbuch schreiben, aber herausgekommen ist dann doch ein biografisches Werk: In "Getrennte Rechnungen" bearbeitet der 37-Jährige seine Kindheit. Teils ironisch, teils witzig und vor allem melancholisch. Liebevoll erzählt Serdar Somuncu, der in Istanbul geboren wurde, von seinen Eltern, die in den 1970er Jahren nach Deutschland kamen.

Eine türkische Kindheit in Deutschland

Da geht es um die erste Party ohne elterliche Aufsicht ("Sturmfrei ins Delirium"), das erste selbst gekaufte Fahrrad, die Ferienfahrten zu den Verwandten in die Türkei ("Wem gehört die Sonne?") oder die Frage, warum man an Weihnachten nicht zu seinen Freunden gehen kann ("Salamaleikum Herr Weihn-Ach-Mann").

In "Mein Tag" beschreibt Somuncu aus der Perspektive eines Kindes, warum man in der Grundschule in eine eigene Klasse ohne Deutsche gehen soll. Es sind Lebensmomente, die, brutal und traurig zugleich, widerspiegeln, warum Integration damals ein Fremdwort war.

In der Titelgeschichte "Getrennte Rechnungen" wird nicht nur die Zahlungsweise der Deutschen in Gaststätten ergründet, sondern auch die getrennten Welten von Deutschen und Türken, die an den Kindern nicht vorbeigehen: Bei seinen besten deutschen Freunden bleibt der kleine Serdar vom Mittagstisch ausgeschlossen.

Deutsch-türkischen Lesern schreibe er mit solchen Geschichten manchmal aus der Seele, meint er. "Sie erkennen darin eine Sehnsucht und Melancholie."Deutsche Leser seien meist erstaunt, dass sie zum ersten Mal ein Werk lesen, dass sie auf diese Art und Weise in die deutsch-türkische Erfahrungswelt eintauchen lässt.

Getrennte Rechnungen - geteilter Humor

Serdars aktuelles Bühnenprogramm "Hitler Kebab" basiert auf seinem letzten Buch und geht darüber noch hinaus: Serdar Somuncu vereint die beiden Seiten seiner Seele zu einer explosiven Mischung aus politischem Kabarett und melancholischer Selbstreflexion.

Er provoziert und bezieht Stellung zu Debatten über das Kopftuchverbot, Bush oder Terrorismus. Und das Publikum darf beruhigt sein: auch Hitler ist wieder dabei.



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