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Wirtschaft

"Was haben Wasserhähne mit Atombomben zu tun?"

Die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran stoßen auf Kritik: Besonders deutsche Unternehmen fühlen sich durch die Beschränkungen massiv geschädigt. Das Geschäft machen jetzt andere.

Mahmoud Ahmadinejad vor iranischer Flagge mit Atomzeichen. Quelle: AP

Er will Atommacht sein und hat deshalb die Staatengemeinschaft gegen sich: Der iranische Präsident Ahmadineschad

Viele europäische Großkonzerne verabschieden sich zur Zeit öffentlich vom Iran-Geschäft. Gerade war der französische Ölkonzern Total an der Reihe: Total ziehe sich aus dem Iran-Geschäft zurück, hieß es in der Presseklärung. "Es gibt Zeiten, in denen man nicht investieren kann", sagte der Vorstandschef. Laufende Geschäfte würden natürlich aufrechterhalten, hieß es leise. Der britisch-niederländische Konzern Shell zog sich im Mai öffentlich aus einem Gas-Projekt im Iran zurück. Thyssen-Krupp setzte öffentlich den iranischen Staat als Aktionär vor die Tür. Und die Deutsche Bank beendete nach 40 Jahren ihre Zusammenarbeit mit dem Iran.

Total-Tankstelle

Der Öl-Konzern Total zieht sich aus dem Iran zurück

Wer weiter Geschäfte mit dem so genannten Schurkenstaat macht, tut es leise und betont unbedeutend. Siemens versichert, die Geschäfte mit dem Iran machten weniger als ein Prozent des Umsatzes aus. Volkswagen arbeitet "nach unserer Größenordnung im kleinsten Bereich" mit dem Iran zusammen. Es gebe zwar den Plan für den Ausbau der Montage-Zusammenarbeit, aber "nichts großes", so ein Sprecher. Der Öl-Konzern BP beteuert in scharfen Worten "absolut keinerlei Beteiligung" und wenn, dann "in völligem Einverständnis mit den US-Sanktionen". Der Chemiekonzern Linde half im Iran beim Bau petrochemischer Anlagen und zog sich zurück. Das politische Thema, also der Streit um das iranische Atomprogramm, spiele dabei sicherlich eine Rolle, heißt es.

Iran braucht Hilfe - und zahlt gut

Der Iran braucht besonders deutsche Firmen und deren Know-How, denn ein Großteil der iranischen Industrie hängt von deutschen Zulieferteilen ab. Der iranische Vize-Außenminister Mehdi Safari forderte deshalb jüngst die deutsche Wirtschaft auf, im Iran zu investieren. "Wir könnten mit Deutschland leicht einen Warenaustausch über 20 Milliarden Euro haben", betonte Safari.

Als Teil ihrer Wirtschaftwerbung hat die iranische Regierung Investitionsgesetze gelockert und Staatsunternehmen privatisiert, damit ausländische Investoren sich beteiligen können. Besonders beworben wird der Energie-Sektor, also das Geschäft mit Öl und Gas. Denn obwohl der Iran die zweitgrößten Erdöl und Erdgas-Vorkommen der Welt hat, muss er Benzin importieren. Es fehlen Raffinerien und eine entsprechende Infrastruktur. Riesige Gasfelder warten darauf, erschlossen zu werden.

Deutschland zögert, andere nicht

Mann liest Zeitung vor dem Eingang der Bank of China. Quelle: AP

Der iranische Handel mit China boomt

Während der deutsche Export in den Iran im vergangenen Jahr 2007 um rund 15 Prozent zurückgegangen ist, vermeldet China einen Boom im Iran-Geschäft. Das deutsche Außenhandelsvolumen liegt in diesem Jahr bei 3,5 Milliarden Euro, China dagegen vermeldet stolze 30 Milliarden Dollar - einen Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn ein Großteil des Handels auf Konsumgüter zurückzuführen sei, so erkenne man doch einen klaren Trend, sagt der Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Teheran, Daniel Bernbeck. "Die Chinesen kümmern sich eben nicht um Sanktionen, so wenig wie die Russen."

Russland hat seinen Handel mit dem Iran verdoppelt - sehr zum Ärger europäischer Unternehmen. "Wenn einige Länder durch ihre Beschränkungen des Handels weit über die UN-Sanktionen hinausgehen und andere nicht, dann bewirkt die Sanktionspolitik nichts anderes als eine Marktverschiebung", kritisiert Felix Neugart vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Dabei ist es weniger das Embargo des UN-Sicherheitsrates, das die Unternehmen trifft. Vielmehr schaden die direkten und indirekten Folgen Sanktionen der EU und der Bundesrepublik. So wurde beispielsweise die Kreditvergabe für Unternehmen, die in den Iran exportieren, von der Bundesrepublik verschlechtert. Güter werden bei der Ausfuhr derart gründlich kontrolliert, dass pünktliche Lieferungen schwierig werden. Die Konten der größten iranischen Banken wurden eingefroren. Deutsche Banken zogen sich aus dem iranischen Geschäft zurück. Und das nicht zuletzt auch als Antwort auf die Frage, welches Geschäft denn wichtiger sei, das iranische oder das US-amerikanische. Denn die USA setzten Unternehmen gezielt unter Druck, die Geschäfte mit dem Iran abzubrechen, sagen Verbandsprecher.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Sanktionen trotzdem umgangen werden.

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