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Fokus Osteuropa

Was geschieht mit den getöteten Kämpfern von Naltschik?

Die Angehörigen der in Naltschik getöteten Kämpfer fordern deren Leichen. Die Behörden lehnen ab. Menschenrechtler warnen vor dem Vorgehen der Behörden und fordern eine Lösung der Probleme in Kabardino-Balkarien.

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Russischer Truppeneinsatz in Naltschik (14.10.2005)

In Naltschik dauert die Identifizierung der während des Überfalls auf die Stadt am 14. Oktober von Sicherheitskräften getöteten 92 Kämpfer an. Offiziellen Angaben zufolge standen einige von ihnen auf der Fahndungsliste der föderalen Behörden. Inzwischen fordern die Angehörigen der getöteten 92 Kämpfer die Leichen, um diese bestatten zu können. Der Leiter der Menschenrechtsorganisation in Naltschik, Walerij Chataschukow, sagte in diesem Zusammenhang der Deutschen Welle: „Die Menschen versammeln sich bereits seit zwei Tagen, aber dies ist keine Kundgebung. Die Angehörigen kommen vor der Staatsanwaltschaft und vor dem Leichenhaus zusammen. Sie fordern die Herausgabe der Leichen.“ Die Behörden weisen aber deren Forderung zurück, mit der Begründung, dass Leichen von Terroristen den Angehörigen nie übergeben würden.

Gespaltene Gesellschaft

Die Angehörigen der getöteten Kämpfer meinen, die Behörden seien laut Gesetz verpflichtet, ihnen die Leichen zu übergeben. Andernfalls, so warnen sie, würde dies Spannungen verursachen und die Spaltung innerhalb der Gesellschaft verstärken. Der Menschenrechtler Chataschukow betonte, durch die Gesellschaft in Kabardino-Balkarien gehe ein Riss. Kämpfer und deren Angehörige seinen ein Teil der Gesellschaft - die Vertreter der Rechtsschutzorgane und die Opfer der andere. Eine Spaltung der Gesellschaft sei unvermeidlich, meint der Menschenrechtler.

Repressionen gegen Muslime

Auf die Frage der Deutschen Welle, ob sich die Ereignisse in Naltschik wiederholen könnten, sagte Chataschukow: „Wenn die Behörden keine radikalen Maßnahmen ergreifen, dann kann sich alles wiederholen. Wir sind überzeugt, dass an dieser Situation zu 60 Prozent die Rechtsschutzorgane schuld sind. Sie sind schuld an den völlig unbegründeten Repressionen gegen junge Muslime, an der Schließung von Moscheen, an der Verhöhnung und an der Folter. Sie wurden systematisch in den Untergrund getrieben. Diese Situation darf sich nicht wiederholen.“ Der Menschenrechtler Chataschukow unterstrich, die Leiter der Rechtsschutzorgane müssten sich ändern.

Äußere und innere Faktoren

Außerdem würden Chataschukow zufolge äußere Faktoren, wie die Lage in Tschetschenien, die Entwicklung in Kabardino-Balkarien beeinflussen. Aber auch Gruppen im Ausland würden versuchen, den Islam für politische Ziele auszunutzen. Alle diese Faktoren müssten berücksichtigt werden.

Chataschukow sagte der Deutschen Welle, auch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme müssten gelöst werden. Er betonte: „Die Arbeitslosigkeit unter der Jugend beträgt fast 70 Prozent. Das ist eine gewaltige Zahl. Die Wirtschaft liegt am Boden, man kann sogar sagen, dass sie gar nicht existiert. Wir sind der Meinung, dass ein ganzer Maßnahmenkatalog erstellt werden muss, damit sich diese Ereignisse nicht wiederholen.“

Andreas Brenner

DW-RADIO/Russisch, 17.10.2005, Fokus Ost-Südost