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Welt

"Was feiern wir eigentlich?"

Mit Militärparaden, hohen Gästen und Jubel-Reden haben 17 afrikanische Länder 2010 ihre Unabhängigkeit gefeiert. Allerdings ist der Geburtstag umstritten. Wir haben afrikanische Musiker gefragt, was es zu feiern gibt.

Unabhängigkeitsparade (Bild: Panapress)

Parade zur Unabhängigkeit im Senegal

"Genau. Was feiern wir eigentlich?", fragt der burkinische Rapper Smockey und lacht ironisch. "Feiern wir die höchste Arbeitslosenquote auf dem ganzen Planeten? Feiern wir die letzten Plätze auf dem Index für Lebensqualität? Oder feiern wir, dass 80 Prozent der Menschen keinen Ort haben, um zum Klo zu gehen?" "Was feiern wir?" Genau diese Frage stellt Smockey auch in seinem Song "50 ans de dependance". Also "50 Jahre Abhängigkeit".

Und tatsächlich: Nach 50 Jahren Unabhängigkeit sieht die Bilanz für Burkina Faso miserabel aus. Einer der letzten Plätze auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen, fast drei Viertel Analphabeten und viel Armut. Mehr als die Hälfte der Burkinabès leben von weniger als einem Dollar am Tag.

Die Afrikanische Revolution

Tiken Jah Fakoly (Bild: AP)

Optimistisch: Tiken Jah Fakoly

Auch der ivorische Reggeamusiker Tiken Jah Fakoly hat pünktlich zum 50. Geburtstag seines Heimatlandes eine CD rausgebracht. Der Titel: African Revolution. Er sei ein optimistischer Afrikaner, sagt Tiken Jah Fakoly. Afrika sei der Kontinent der Zukunft. "Das ist ein Kontinent, der erst vor 50 Jahren die Freiheit bekommen hat. Wir sind in einem Prozess. Und langsam kommen wir an. Wir werden Fortschritte machen, aber wir müssen uns beeilen."

Ein Land, zwei Präsidenten

50 Jahre nach der Unabhängigkeit müssen sich die Afrikaner beeilen, damit sie ihre eigene Revolution schaffen. "Eine intelligente Revolution, eine Revolution der Jugend", singt Tiken Jah Fakoly in African Revolution: In seiner Heimat, der Elfenbeinküste, ist die erhoffte politische Revolution gerade gescheitert. Alt-Präsident Laurent Gbagbo weigert sich seit Ende November das Ergebnis der Präsidentschaftswahl anzuerkennen. Seitdem hat das Land zwei Präsidenten: Den selbsternannten - Laurent Gbagbo und den legitimen Wahlsieger - Alassane Ouattara. Immer wieder kommt es zu Gewalt zwischen Anhängern beider Lager. Die Internationale Gemeinschaft versucht, Druck auf Gbagbo auszuüben - bisher vergeblich. Wenn es nach Tiken Jah Fakoly geht, dann müssen die Afrikaner ihre Probleme ohnehin selbst lösen. Ohne Einmischung von außen. "Niemand wird kommen und Afrika für uns verändern", singt Tiken Jah Fakoly in "Il faut se lever". "Wir müssen aufstehen und all das ändern." Und wieder erinnert er an die Kolonialzeit: "Es war einmal ein Kontinent, der wurde gefangen genommen", heißt es in dem Song. Das ist jetzt 50 Jahre her. Gibt es für ihn etwas zu feiern? "Da gibt es nicht groß was zu feiern", sagt der ivorische Musiker. Die afrikanischen Länder könnten heute kaum behaupten, sie seienunabhängig. Viele Angelegenheiten der frankophonen Länder würden noch immer in Paris entschieden. Und die der anglophonen Länder in den USA oder in Großbritannien, sagt Fakoly. "Wir sind nicht frei! Es gibt weder eine politische noch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit."

Afrika für Afrika!

Femi Kuti (Bild: dpa)

Singt für ein friedliches Afrika: Femi Kuti

Der Nigerianer Femi Kuti hat eine ähnliche Botschaft wie Tiken Jah Fakoly. Auch er hat pünktlich zur Unabhängigkeit eine neue CD rausgebracht, auch er wünscht sich eine afrikanische Revolution. "Africa for Africa" heißt der Titelsong der neuen CD. "Ich habe diesen Titel gewählt, weil ich will, dass Afrika auf der Weltagenda nach oben rückt", sagt Femi Kuti. Er wolle, dass "Afrika für Afrika" ein Slogan für die Afrikaner werde. "Unsere Rivalitäten und ethnischen Probleme sollen ein Ende finden. Wir müssen unsere kolonialen Strukturen hinter uns lassen. Wir müssen verstehen, dass Kriege uns noch mehr Probleme bringen."

Truck und Soldat in Jos (Bild: AP)

Unruhen in Jos, Nigeria (Januar 2010)

Femi Kuti spricht Rivailtäten und ethnische Probleme an – in seiner Heimat Nigeria sorgen diese Rivalitäten immer wieder für blutige Auseinandersetzungen. Allein im Jahr 2010 starben bei Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen hunderte Menschen. Femi Kuti hofft auf eine friedliche Zukunft für sein Land und für seinen Kontinent. Was es zu feiern gibt, wenn er auf die 50 Jahre seit der Unabhängigkeit seines Landes zurückblickt?

"Nichts. Absolut nichts. Wir haben in Nigeria keinen Strom. Das ist eins unserer größten Probleme." Und Millionen Menschen hätten keinen Zugang zu Bildung oder zur Gesundheitsversorgung, sagt der Musiker. Und: "Wir haben immer noch keine guten Straßen. Vielleicht baut die Regierung eine Straße, und dann glaubt sie, sie hätte was ganz Großartiges gemacht, und dann kommst Du nach Deutschland und siehst die ganzen Straßen – dann schämst Du Dich für die Straßen die sie gebaut haben. Bei uns sind die einfach korrupt; wie kann man da feiern?!"

Was sagen Awadi, Lokua Kanza und Salif Keita? Lesen Sie hier weiter!