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Was für ein Rummel

Eigentlich mag ihn ja keiner – den Festtagsrummel. Entziehen kann sich ihm aber auch niemand so recht. Um sich von dem ganzen Rummel zu erholen, kann man die Rumpelkammer entrümpeln. In aller Ruhe!

Fast 80 Milliarden Euro sind eine Menge Geld. Ungefähr so viel geben die Deutschen Jahr für Jahr in etwa für Geschenke an Weihnachten aus. Selbst wenn der Gürtel bei anderen Dingen enger geschnallt wird – für Urlaube und Weihnachtsgeschenke ist meist immer noch genug da.

Die Geschäfte stellen sich darauf ein und schließen am Abend später als sonst. In den Warenhäusern herrscht ein hektisches Geschiebe und lärmendes Gedränge. Dazu tönen aus den Lautsprechern Weihnachtslieder wie 'Leise rieselt der Schnee' oder 'We wish you a Merry Christmas'.

Wortursprung

Ein Kaufhaus von innen, weihnachtlich geschmückt

Im Konsumrausch, von Musik beschallt

Manch einer, der diesen Trubel und diesen Lärm nicht so mag, denkt sich: Was für ein Rummel! – Rummel? Ein Wort, das in den Mund genommen wird, wenn es um viel Lärm und Bewegung geht. Aber woher kommt es? Rummel ist ein altes Wort, das erstmals im 18. Jahrhundert verzeichnet ist. Entstanden ist es aus dem Verb rummeln, das soviel bedeutet wie lärmen, toben, also eine Mischung aus verschiedenen lauten Geräuschen.

Gleichbedeutend ist auch das Verb rumpeln, eine lautmalerische Abwandlung von rummeln. Laute, rumpelnde Geräusche machen die dicken Wackersteine, die der böse Wolf in dem Grimmschen Märchen vom "Rotkäppchen" in seinem dicken Wanst hat. Welcher Märchenfreund kennt nicht die Frage des Wolfes: "Was rumpelt und pumpelt da in meinem Bauch herum?"

Rummel auf dem Rummelplatz

Münchner Oktoberfest mit Menschentrauben, die sich über die Wege schieben

Ein riesiger Rummel: Das Oktoberfest

Das wird sich vielleicht auch manch einer fragen, der auf einem Jahrmarkt etwas gegessen hat, was ihm oder ihr nicht so gut bekommen ist. Auf einem Jahrmarkt, umgangssprachlich auch Rummel genannt, herrscht ein Stimmengewirr wie während des Weihnachtsrummels.

Nicht umsonst wird der Ort, an dem diese Jahrmärkte stattfinden, Rummelplatz genannt. Budenbesitzer schreien – Musik scheppert aus den Lautsprechern – Kinder, Jugendliche und Erwachsene lachen und kreischen, während sie auf der Achterbahn hinabrasen oder auf der Schiffschaukel kopfüber stehen.


Unnützer Rummel

Aber Rummel ist nicht nur eine Mischung von lauten Geräuschen. Wer sich die Sachen in einer Losbude anschaut – zumeist billiger Kram – hat das vor Augen, was vor allem in Norddeutschland noch heute als Rummel bezeichnet wird: Ein Durcheinander von mehr oder weniger nutzlosem Zeug.

Dieses nutzlose Zeug wiederum findet sich jedoch keineswegs nur auf Jahrmärkten, wie wir alle wissen. Ein beliebter Ort, um alles, was man nicht mehr braucht, aufzubewahren, ist der Speicher – oder Dachboden. Dort, in der Rumpelkammer, lagert das Gerümpel, im Süddeutschen auch Rumpel genannt.

Börsen- und Promi-Rummel

Sperrmüll auf der Straße

Entrümpelt!

Seinen Speicher entrümpeln muss nicht unbedingt derjenige, der den ganzen Rummel satt hat. Diese Redewendung bedeutet so viel wie etwas ablehnen, kein Interesse mehr an einer Sache haben. Zum Beispiel am Weihnachtsrummel. Oder an dem Rummel, der regelmäßig – meist in der bunten Presse – um Prominente veranstaltet wird.

Oder an der Börse. Wer sich mit Börsengeschäften auskennt, also den ganzen Rummel versteht und geschickt seine Geschäfte macht, gilt als Fachfrau beziehungsweise Fachmann. Selbstverständlich haben nicht nur die Damen und Herren der Geldwirtschaft solche Fähigkeiten.

Lessings Rummel

Ein Meister seines Fachs, wenn auch auf ganz anderem Gebiet, wird uns in Lessings Lustspiel Minna von Barnhelm vorgestellt: Dort sagt der Diener des Majors Tellheim: "Mein Herr versteht den Rummel. Er weiß, dass der Weg zu den Fräuleins durch die Kammermädchens geht". Also: Den Rummel verstehen heißt: Gewusst wie! Will man nämlich etwas bei einer Dame aus gutem Hause erreichen, muss man zuerst ihre Zofen um den Finger wickeln.

Rummelpottlaufen

Etwas erreichen wollen auch die Rummelpottläufer. Geschminkte Kinder ziehen in verschiedenen Gegenden Norddeutschlands am frühen Silvesterabend von Haus zu Haus. Sie singen Rummelpottlieder, schlagen dazu Eimer, Töpfe oder andere Gefäße – die Rummelpötte – und erwarten dann ihre Belohnung: Süßigkeiten, Gebäck oder Äpfel.

Der Schauspieler Heinz Schubert als Ekel Alfredmit verschränkten Armen

Weihnachten – ohne mich!

Weihnachten fällt aus?!

Zurück zum Weihnachtsrummel. Abgesehen von der Tatsache, dass er alle Jahre wieder für gigantische Umsätze sorgt, will eigentlich keiner etwas von dem ganzen Rummel wissen. Man ist zwar dabei, will aber nicht dazugehören. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Die großen Geschäfte bleiben in den Wochen vor Weihnachten einfach geschlossen. Tag und Nacht. Da so gut wie alle den Rummel gründlich satt haben, wäre das doch eine vernünftige Lösung. Nach dem Motto: "Stellt Euch vor es wird Weihnachten und keiner geht hin!"

Fragen zum Text

Man spricht von Rummel, wenn …

1. es ruhig ist.

2. sehr viel Lärm herrscht.

3. bei einer Orchesterprobe.

In einer Rumpelkammer finden sich …

1. Speisen und Getränke.

2. alte Sachen.

3. Musikinstrumente.

Bewegt sich etwas mit lautem Geräusch, dann … es.

1. rummelt

2. rumpelt

3. rammelt

Arbeitsauftrag

In jedem Land gibt es besondere Feste, bei denen viel Rummel herrscht. Beschreiben Sie in einem Text, bei welchem Fest in Ihrem Land viel Rummel herrscht und wie dieser aussieht.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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