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Kultur

Was ein Brunnen in Nairobi mit Müttersterblichkeit zu tun hat

Südlich der Sahara stirbt in Afrika jede 16. Frau bei der Geburt. Um diese Zahl zu verringern, genügt es manchmal schon, einen Brunnen zu bauen.

Der zehnjährige Abdi Nasser Mohammed und sein kleiner Bruder Imram in Kenia

Der zehnjährige Abdi Nasser Mohammed und sein kleiner Bruder Imram in Kenia

Ein Krankenhaus ohne fließendes Wasser. Luwei Pearson, die UNICEF-Zuständige für Müttergesundheit für die Region des südlichen und östlichen Afrikas, war entsetzt, als sie zum ersten Mal in die Geburtsklinik Pumwani in Nairobi kam. Zwei Jahre ist das her. Seitdem hat sich viel geändert in dem Krankenhaus.

Stein des Anstoßes zu den Verbesserungen im Pumwani Krankenhaus war ein Brunnen, der auf Initiative von UNICEF hin auf dem Gelände der Klinik gebohrt wurde. Auf die städtische Wasserversorgung war schlicht kein Verlass. Das hat auch dem Ruf von Pumwani für lange Zeit geschadet. Bis der Brunnen gebohrt wurde, herrschten fatale Zustände für die größte Geburtsklinik in Kenia, die mit 27.000 Geburten pro Jahr auch die drittgrößte Geburtsklinik in ganz Afrika ist.

Die Gebühren sind zu hoch

Kenia steht im Vergleich mit anderen Ländern der Region, wo jede 16. Frau bei der Entbindung stirbt, noch recht gut da, doch immer noch sterben 11.000 Mütter pro Jahr. Will man die Müttersterblichkeit in Kenia senken, führt kein Weg an Pumwani vorbei. So war der Brunnen auch nur der erste Schritt im Engagement von Unicef. Bis heute laufen Programme, die Ausstattung mit medizinischen Geräten und Medikamente aufzustocken. Außerdem dient Pumwani mittlerweile als nationales Trainingszentrum für Geburtshilfe.

Aber auch wenn die Klinik ihre Rate von Mütter- und Kindersterblichkeit drastisch gesenkt hat, so hat der Wandel auch eine Kehrseite. Grace Ongesha ist ebenfalls eine Patientin, die erst vor wenigen Tagen einen Kaiserschnitt hinter sich gebracht hat. "Die Gebühren sind zu hoch. Das schreckt die Leute ab. Wenn man operiert werden muss, dann kommt man wirklich in Schwierigkeiten."

6400 kenianische Schillinge, umgerechnet fast 70 Euro, muss Grace für ihren Kaiserschnitt bezahlen. Das ist etwa soviel, wie ein Bewohner aus den umliegenden Slums das ganze Jahr an Miete für seine Hütte bezahlt. Für eine einfache Geburt ohne Komplikationen zahlen die Frauen die Hälfte, als 3000 Shillinge. Charles Wanyonyi, Oberarzt in Pumwani, weiß um die Nöte seiner Patienten und versucht so gut es geht, die Not zu lindern.

"Einige der Patienten wissen noch nicht mal, wie sie die nächste Mahlzeit bezahlen sollen. Aber wir haben ein gutes Erlass-System. Wir haben ein Komitee, das sich regelmäßig trifft, und wir haben einen Sozialarbeiter, der die Familien besucht", erzählt er. Manche der Patienten bekommen die Hälfte der Gebühren erlassen, manche müssen gar nichts bezahlen.

Existenzkampf der Familie

Aber trotz des neuen Wohlfahrtssystems kommen immer noch sehr wenig Frauen, um im Krankenhaus zu entbinden. Die Fälle, die zum Tod der Mutter oder des Kindes führen, sind oft Frauen, die erst in letzter Minute mit Komplikationen eingeliefert werden, entweder aus ihrem eigenen Zuhause oder aus einem der zahlreichen kleinen Geburtshäuser der Stadt. Dabei haben die Frauen in Nairobi noch Glück, dass Pumwani recht schnell erreichbar ist. In den überwiegend ländlichen Gegenden Kenias und anderen Ländern des Kontinents fällt die Entscheidung über Leben und Tod meist weit weg von Krankenhäusern, wenn allein der Weg zum Arzt das Überleben der Familie in Frage stellt.

"Es ist wirklich ein Kampf zu entscheiden, ob man eine Kuh verkaufen soll, um das Geld für die Behandlung aufzutreiben, denn diese Familie kann ohne diese Kuh nicht überleben", erzählt Luwei Pearson von UNICEF.

Betreuung entscheidet über Leben und Tod

Auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der das Überleben der Frau Priorität hat und die ärztliche Versorgung bei Geburten erschwinglich und in erreichbarer Nähe ist, scheint in vielen Regionen Afrikas noch kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar. UNICEF selbst ist mit seinen Methoden, die Müttersterblichkeit einzudämmen, schon einen langen Weg gekommen.

In den 80er-Jahren etwa hat man den Fokus noch auf die Ausbildung traditioneller Geburtshelfer gelegt. Doch damit ging die Rate nicht runter. Erst der Vergleich mit Industrie- und Schwellenländer hat gezeigt, dass vor allem die qualifizierte Betreuung bei Komplikationen entscheidend für das Überleben der Mütter ist. So ist der Anteil von Geburten mit Komplikationen überall gleich, sei es in Deutschland, Kenia oder Malaysia. Allein die medizinische Versorgung macht den Unterschied für die Überlebenschance aus.

Hilfsorganisationen wie UNICEF versuchen, die Hebel für eine bessere Versorgung in Gang zu setzen, Pumwani ist dafür nur ein Beispiel. Zwar ist die Müttersterblichkeit in Kenia gerade wieder angestiegen. Doch im kleinen hilft der Brunnen in Pumwani und hat zur Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit beigetragen, nach dem allgemeinen UNICEF-Motto: Mit einfachen Mitteln viel erreichen.

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