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Kultur

Was die Pfälzer Trumps zu "ihrem" Donald sagen

Der Immobilien-Milliardär Donald Trump ist heißer Anwärter auf den Posten des Spitzenkandidaten der US-Republikaner. Seine Familie stammt aus Kallstadt in der Südpfalz. Was sagen die Trumps dort zu ihrem Namensvetter?

Donald Trump, republikanischer Anwärter für den Posten des US-Präsidenten, hält eine Rede

Donald Trump bei einer Rede in Florida am "Super Tuesday"

Kallstadt in der idyllischen Südpfalz. "Edelweinort", ist auf der Webseite des 1.200-Seelen-Ortes zu lesen. Schon im Telefonbuch wird sichtbar, wofür das Dorf steht. Hier reiht sich eine Weinwirtschaft an die andere. "Saumagenkeller", "Weinkabinett", "Zum Bacchus", "Zum weißen Roß" – sämtliche Klassiker unter Pfälzer Gaststättennamen sind vertreten. Der hiesige Wein ist sehr beliebt bei deutschen und ausländischen Touristen. In Kallstadt gebe es mehr als doppelt so viele Sitzplätze für Weintrinker wie Einwohner, erzählt ein Ortskundiger.

27 Vereine gibt es in Kallstadt, berichtet Günther Anthon vom örtlichen Verkehrsverein, bei dem Touristen und neugierige Journalisten meist als erstes anfragen. Wie so viele hier im Dorf macht er die touristische Betreuungsarbeit ehrenamtlich. Auf die Frage nach der weitverzweigten Verwandtschaft des berühmten republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten räumt er ein, dass der Name Trump in der Pfalz und in Bayern sehr verbreitet sei. "Aber das sind nicht immer die gleichen Familienstämme. Das ist so wie bei den Meiers und Müllers, die sind auch nicht alle miteinander verwandt."

Dorfstraße mit Fachwerkhaus im Weinport Kallstadt in Rheinland-Pfalz

Idyllischer Weinort in der Südpfalz: Kallstadt

Name in der Umgebung verbreitet

In Kallstadt selbst lebt niemand mehr, der den Namen des Multimillonärs trägt. Obwohl viele über mehrere Ecken mit Trump verwandt sind, tragen sie als Verheiratete längst andere Namen. Zehn, zwölf Telefonbucheinträge mit "Trump" gibt es noch in der näheren Umgebung des Weindorfes. Auf den amerikanischen Wahlkampf will in der beschaulichen Weinbauregion allerdings niemand angesprochen werden. "Ich kann nichts dazu sagen, was da in Amerika gerade los ist. Damit haben wir hier nichts zu tun", ist die einsilbige Antwort eines jungen Winzers.

Nach mehreren Anläufen übers Telefon bestätigt sich der erste Eindruck: Die Trumps aus der Pfalz haben von ihrem amerikanischen Namensvetter geradezu die Nase voll. Niemand will den Erfolg des Namensvetters kommentieren. Und alle möchten unbedingt anonym bleiben. Auf die Frage, ob Trump vor Ort noch Gesprächsthema sei, antwortet ein Trump mittleren Alters: "Keiner traut sich mehr das zu sagen, was er wirklich denkt. Und das ist ein Problem. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Hinter verschlossener Tür sieht das dann nochmal anders aus". Auf der anderen Seite scheint Donald Trump eine andere Facette der Pfälzer Mentalität durchaus geerbt zu haben: "Wir sagen gern laut, was wir denken", gesteht ein weiterer anonymer Kallstädter.

Ortsschild und Straße im Weindorf Kallstadt in Rheinland-Pfalz

Weit weg vom New Yorker "Trump Tower": der Ortseingang von Kallstadt

Verzichtbarer Hype um den Großvater

Den weltweiten Hype um den Hashtag #drumpf, den der britische Late-Night-Comedian John Oliver im Netz losgetreten hat, kann hier in dem kleinen pfälzischen Dorf niemand verstehen. Donald Trumps Großvater sei 1885 als 16-jähriger Spross der Familie Trump in einer Nacht- und Nebelaktion nach Amerika ausgewandert – was der Trump'schen Polemik gegen mexikanische Einwanderer eine pikante Note gibt. Schon zu Napoleons Zeiten habe die Familie den alten Namen Drumpf abgelegt, erfahren wir beim Verkehrsverein in Kallstadt.

Das Poltrige des wortgewaltigen Republikaners scheint zwar laut Herrn Anthon mit der Mentalität der Pfälzer einiges zu tun zu haben. "Wir tragen schon das Herz auf der Zunge", lacht er. Aber in einen Topf mit dem lautstarken US-Politiker geworfen werden will dann doch kein Mitglied der weitläufigen Verwandtschaft. Da sagt man lieber nichts mehr. "Hoffentlich ebbt dieser Hype bald ab", gibt uns der junge Winzer am Telefon noch mit. Auf den Werbeeffekt eines sehr entfernten Verwandten, der gerade der nächste US-Präsident werden möchte und als konservativer Republikaner Schlagzeilen macht, können die Trumps in der Südpfalz offensichtlich locker verzichten.

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