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Fußball

Was bedeutet die Hoeneß-Rückkehr?

Er ist wieder da - aber war er je wirklich weg? Uli Hoeneß kehrt diesen Freitag an die Spitze des FC Bayern München zurück, an der ihn manche auch trotz seiner Steuerdelikte immer sahen. Warum ist das so?

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FC Bayern: Uli Hoeneß kehrt zurück

Weltmeister, Europameister, dreifacher Deutscher Meister und Europapokalsieger als Spieler, zweifacher Champions-League-Sieger und 18-facher Deutscher Meister als Manager beziehungsweise Vereinspräsident. Allein diese Titel sprechen für sich. Und sie erklären, warum Uli Hoeneß eine Ausnahmestellung in München hat. Er ist gewissermaßen die wahre Lichtgestalt in München, auch wenn manch Außenstehender da nur mit dem Kopf schütteln kann. Denn Uli Hoeneß ist auch ein verurteilter Straftäter, der Millionen Steuer hinterzog. Die Strafe dafür hat er nun abgesessen, will und kann nun an seinen Platz zurückkehren - und der ist nicht nur seinem eigenen Verständnis nach an der Spitze des Deutschen Rekordmeisters. Die wichtigsten Fragen zu seiner Rückkehr:

Darf Hoeneß nach seiner Verurteilung wieder das Präsidentenamt bekleiden?

Prozess Uli Hoeneß Steuerhinterziehung 13.03.2014 (Reuters)

März 2014: Uli Hoeneß vor Gericht. Am Ende des Prozesses steht sein Schuldspruch.

Ja, er darf. Es gibt keinen Paragrafen in den Statuten des Vereins oder der Bundesliga, wonach ein verurteilter Straftäter nicht wieder ein solches Amt bekleiden darf. Im Sinne einer Resozialisierung muss ein Ex-Straftäter in Deutschland nach dem so genannten Lebach-Urteil sogar die Chance haben, wieder in der Gesellschaft anzukommen. Und das wird Hoeneß, der rund 50 Millionen Euro an Steuern zurückgezahlt hat: Denn bei der Wahl des Vereinspräsidenten am Freitagabend (ab 19.00 Uhr MEZ) auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München gibt es keinen Gegenkandidaten. Im Gegenteil, es darf mit einer überwältigenden Zustimmung gerechnet werden. "Das war's noch nicht", sagte Hoeneß 2014 und er wird Recht behalten.

Wie wird Uli Hoeneß aufgenommen werden?

Hoeneß wird nicht nur so gut wie alle oder vielleicht sogar wirklich alle Stimmen auf der Jahreshauptversammlung erhalten, man darf getrost von standing ovations in der Veranstaltungshalle ausgehen. 6500 Zuschauerplätze im Audi Dome reichen nach Einschätzung des FCB nicht aus, daher wurde bereits davor ein Zelt für weitere 2000 Zuschauer aufgestellt - Hoeneß-Euphorie. Der 64-Jährige war vor seiner Haftstrafe aufgrund seiner Erfolge, aber auch seiner gewinnenden Art, seines sozialen Engagements und seiner rhetorischen Fähigkeiten schon immer ein großer Sympathieträger in München. Im Verein schätzen sie sein "deutliches Wort", wie er es selbst nennt. Doch auch der Rest der Bundesliga begrüßt Hoeneß mit viel Wohlwollen und Applaus, selbst Rivalen und ehemalige Erzfeinde: So glaubt dessen Lieblings Verbal-Gegner Christoph Daum, dass Uli Hoeneß Kompetenzen hat, die "jedem Verein gut tun - egal in welchem Amt". Selbst BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke freut sich, dass es auch mal wieder "kracht". Die einen oder anderen gegnerischen Fans werden da weniger freundlich mit ihm umgehen, aber so etwas konnte Hoeneß schon immer gut überhören.

Was wird sich beim FC Bayern unter Hoeneß ändern?

Der FC Bayern München ist - trotz der jüngsten Niederlagen gegen Dortmund und in Rostow - ein Musterverein: national nahezu unantastbar, international unter den besten vier Klubs der Welt, dazu ein Marketinggigant mit sprudelnden Einnahmen (die 2016 wohl noch einmal gestiegen sein dürften). Kurz: Viel verändern muss Hoeneß gar nicht. Was mit ihm zurückkehren soll, ist die "Abteilung Attacke". Mit jenen Verbalvorstößen in Richtung des aktuell gefährlichsten Konkurrenten versuchte Hoeneß früher schon vor dem Anpfiff Dominanz zu zeigen und seine eigene Truppe einzuschwören. "Ich werde sicher nicht herumeiern", versprach Hoeneß mit Blick auf seinen Stil, den er beibehalten will. Er wird das "Mia san mia" wieder stärker betonen, sowohl was das Selbstbewusstsein betrifft, als auch das wärmende Familiengefühl. Hoeneß kümmert sich und das kommt an in München.

Wird Hoeneß in den Aufsichtsrat der Münchner zurückkehren?

Deutschland Uli Hoeneß Besuch Bundesligaspiel (Reuters/M. Dalder)

Immer noch hoch im Kurs bei den FCB-Sponsoren: Hoeneß hier mit Adidas-Chef Herbert Hainer.

Sehr wahrscheinlich ja. Die Satzung des FCB sieht vor, dass der Vereinspräsident auch einen Sitz im Aufsichtsrat erhält. Dieser kontrolliert die Aktiengesellschafft FC Bayern München unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Rummenigge. Bislang war der Präsident auch stets zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt worden. Hoeneß strebt dies erneut in Personalunion an, um Einfluss auf den Profi-Betrieb nehmen zu können. Hoeneß Plänen entgegen stehen die Compliance-Regeln der Konzerne, die die Bayern sponsern und als Anteilseigner ebenfalls im Aufsichtsrat sitzen. Demnach dürfen Straftäter zumindest einige Jahre nach ihrer Tat kein Unternehmen führen. Da prominente Mitglieder des Gremiums bereits signalisiert haben, dass Hoeneß trotz seiner Vorstrafe wieder an die Spitze rücken könnte, darf man aber davon ausgehen, das man hier die Compliance-Regeln nicht berücksichtigt. Im Januar wählt das Gremium.

Hat sich Hoeneß verändert?

Viel lässt sich dazu noch nicht sagen, denn Hoeneß scheute in der jüngeren Vergangenheit aus verständlichen Gründen die breite Öffentlichkeit. Beobachter beschreiben ihn seit seiner Haft als demütiger und überlegter. Er lebe bewusster, verbringe möglichst viel Zeit mit seiner Familie. Zugleich ist Hoeneß eben Hoeneß und hat die klare Kante bereits schon angekündigt. Sein Ziel wird es sein, den FC Bayern wieder an die Weltspitze zu führen, also Champions League und Klub-WM zu holen - vielleicht ja auch, um damit eine Form der Abbitte bei den Fans zu leisten.

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