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Kultur

Warum wandern Wanderer?

Wandern ist wieder Trend. Alles nur wegen frischer Luft und Postkartennatur? Wir haben es ausprobiert und gemerkt: es machen viele mit, die ihre Heimat entdecken wollen. Oder die, die einen Partner suchen.

Wandergruppe in der Oberpfalz (Foto: DW)

"Das zieht natürlich magisch an", sagt Wanderfreund Tom über den Glanz des Rosenquarzfelsens in Pleystein. Die kleine Stadt liegt in der Oberpfalz im Osten Bayerns und der Rosenquarzfelsen ist europaweit bekannt. Zusammen mit knapp 30 weiteren Wanderern will Tom dort hinaufsteigen - in einer geführten Tour mit Rangerin Eva Ehmann. Sein Blick ist geschult, er ist Hobbyfotograf und wandert vor allem, um schöne Naturfotos zu schießen. Damit er genug Zeit hat, auf das perfekte Motiv zu warten, ist er meist allein unterwegs.

Wandergruppe mit ihrer Wanderführerin in der Oberpfalz (FOto: DW)

Eva Ehmann gibt Infos

Andere Wanderer, die an diesem Tag auf den Berg marschieren, mögen es geselliger: "Die Pflanzen, die Tiere, die Ruhe genießen, abschalten vom Alltagsstress. Das ist einfach schön. Noch dazu, wenn man es mit der Familie, mit den Kindern machen kann", sagt ein Mann mit Edelweiß-Emblem auf dem T-Shirt. Eine Frau schwärmt: "Ich wandere sehr gerne. Man bewegt sich, man ist in der frischen Luft. Man tut was für die Gesundheit und es macht halt Spaß, die Natur anzuschauen, alles zu beobachten, Tiere und Pflanzen."

Lernen an der frischen Luft

Rangerin Eva Ehmann erklärt der Gruppe, wie der Rosenquarzfelsen vor rund 300 Millionen Jahren aus glühend heißem Magma entstanden ist. In ihrer dritten Saison ist sie als Rangerin unterwegs. Seit 2001 vermitteln geschulte Wanderführer wie sie im Auftrag des Geoparks Bayern-Böhmen die geologischen Besonderheiten der Region. Ehmanns Erfahrung: Zu den Touren kommen immer mehr Einheimische – obwohl der Geopark eigentlich als touristisches Projekt geplant war. "Es gibt ganz viele, die immer wieder mitgehen. Denn es werden ja viele verschiedene Themen angeboten und das Einzugsgebiet wird immer größer."

Wanderweg in der Oberpfalz (Foto: DW)

Wanderwege in allen Schwierigkeitsgraden

Auch heute sind fast alle von Ehmanns Zuhörern Einheimische. Die Heimat biete viele schöne Ausflugsziele, "man muss nicht immer verreisen", meint ein Mann mit kariertem Holzfällerhemd und Oberlippenbart. Seine größte Freude sei es, mit dem Fernglas von Aussichtstürmen zu schauen. "Man hat da rundum schöne Sachen. Ich find halt, das sollte man schon anschau’n", betont er in bestem Bayerisch.

Geselligkeit suchen und finden

Die Möglichkeit, an professionell organisierten Touren teilzunehmen, lockt die Menschen nach wie vor auch in die Vereine. Hannelore Meierhöfer zum Beispiel leitet hier in der Oberpfalz eine Ortsgruppe des Oberpfälzer Waldvereins. Über mangelnden Zulauf kann sie sich nicht beklagen. 500 Mitglieder hat ihre Gruppe – "Tendenz eher steigend", berichtet sie stolz. „Der Oberpfälzer Waldverein, denke ich, ist schon sehr beliebt“, sagt sie über ihren Verein. "Wandern ist einfach Natur erleben, Freundschaften pflegen und die Geselligkeit halt, das ist immer noch in."

Wandergruppe genießt die Aussicht von einem Berg in der Oberpfalz (Foto: DW)

Aussicht genießen, Leute kennenlernen. Feine Sache

Einige der heutigen Teilnehmer an der Geopark-Tour zieht es auch in die Ferne. So wie Christiane aus Köln, die hier in Bayern gerade eine Wanderfreundin besucht. Mit einer Reisegesellschaft wandert sie oft im Ausland, Teneriffa, Menorca oder Mallorca heißen ihre Ziele. Ihre Wanderreisen kann sie nur weiterempfehlen. Vor allem an Männer: "Merkwürdigerweise sind das meistens Singlefrauen, so um die 40, und wir fragen uns immer, wo sind die Männer dazu?", verrät sie. "Wir haben eine Bekannte, die immer noch auf ihren Wanderprinzen wartet, aber es ist nie ein brauchbarer dabei. Wir wissen nicht wo die stecken. Warum wandern die nicht?"

Autor: Marcel Kehrer

Redaktion: Marlis Schaum