1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Warum viel Alkohol den Heißhunger entfacht

Schon mal betrunken nach Hause gekommen und sich mit Begeisterung auf Chips oder kalte Pizza gestürzt? Kein Wunder, bestätigt eine neue Studie: Alkohol lässt das Gehirn glauben, man sei am Verhungern.

Nach einer durchzechten Nacht knurrt der Magen und das fettigste Essen ist der Himmel auf Erden. Das liegt vermutlich daran, dass Alkohol Gehirnzellen aktiviert, die normalerweise das Hungergefühl entfachen, sagen Forscher am Francis-Crick-Institut in London.

In Versuchen mit Mäusen haben sie Gehirnzellen identifiziert, die stark feuern, wenn sie mit Alkohol in Kontakt kommen. Die gleichen Zellen sind auch aktiv, wenn der Körper hungert: Sie lassen uns dann wissen, dass es höchste Zeit ist, viel energiereiches Essen zu verdrücken. "Unsere Daten lassen vermuten, dass Alkohol grundlegende Appetitsignale vermittelt", schreiben Sarah Cains und ihr Team in "Nature Communications".

Eine Maus (picture-alliance/dpa)

Betrunkene Mäuse essen doppelt so viel wie nüchterne

Heißhungrige Mäuse

Die Forscher simulierten für ihre Labormäuse ein "Alkohol-Wochenende", wie sie es in ihrem Paper nennen. Drei Tage lang injizierten sie den Tieren eine Mischung aus Wasser und Ethanol, dem Alkohol in Getränken. Die Menge an Alkohol pro Tag entsprach dem, was ein Mensch beim Trinken von anderthalb Flaschen Wein aufnehmen würde.

Daraufhin bekamen die Mäuse ziemlichen Hunger: Sie fraßen an diesen Tagen 10 bis 25 Prozent mehr als üblich.

Cains und ihre Kollegen gaben zudem Alkohol zu Gewebeschnitten von Mäusegehirnen in der Petrischale und sahen, dass spezielle Gehirnzellen daraufhin vermehrt feuerten. Wenn sie genau diese Zellen mit Chemikalien in lebenden Mäusen blockierten, verhielten die Tiere sich anders: Am "Alkohol-Wochenende" aßen diese Tiere nicht mehr als gewöhnlich.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der zugrundeliegende Mechanismus im Mäusehirn so oder ähnlich auch beim Menschen existiert.

Der Aperitif-Effekt

"Es ist seit langem bekannt, dass Alkohol Einfluss auf das Essverhalten hat", sagt Jens Reimer, Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg, im DW-Interview. So entstanden auch die Aperitifs, alkoholische Getränke, die den Appetit anregen und vor einem opulenten Mahl den Magen öffnen sollen. 

Studien haben gezeigt, dass Menschen nach exzessivem Alkoholkonsum deutlich mehr Kalorien zu sich nehmen. Auch schon nach drei Gläsern Wein verdrücken wir im Durchschnitt 6300 zusätzliche Kalorien in den darauf folgenden 24 Stunden, hat eine Umfrage der britischen Marktforschungsfirma YouGov im Auftrag der Organisation Slimming World ergeben. 

Drahtkorb mit hausgemachten Chips mit Salz und Pfeffer, dazu Bier (picture alliance/chromorange/B. Neveu)

Bier und fette Nahrung passen gut zusammen

Der neuronale Mechanismus, der dafür verantwortlich ist, blieb jedoch lange ein Rätsel. Einige Forscher vermuteten, dass große Mengen Alkohol zum Verlust der Selbstkontrolle führen, so dass Menschen sämtliche Hemmnisse bezüglich Essen über Bord werfen. "Diese Studie hat nun erstmals im Gehirn ein bestimmtes neuronales Gebiet identifiziert, das dieses Verhalten steuert", sagt Suchtmediziner Reimer.

Alkohol hat viele Kalorien

Dass Menschen nach Alkoholkonsum hungrig werden, hat Forscher schon immer verwundert. Denn Alkohol ist sehr energiereich: Ein Gramm reines Ethanol hat 7,1 Kilokalorien. Nur Fett mit neun Kilokalorien pro Gramm kann das noch toppen.

Normalerweise registriert der Körper, wenn wir etwas Kalorienreiches essen, und sorgt dafür, dass das Hungergefühl danach verschwindet. Bei Alkohol allerdings passiert genau das Gegenteil: Wir bekommen noch mehr Hunger.

Alkoholische Getränke sind fürs Abnehmen - oder auch für das Halten des Gewichts - also doppelt verheerend: Sie haben nicht nur viele Kalorien, sondern führen auch noch zu Heißhunger.

Gefährlich wird es, wenn jemand sich ungesund ernährt, viel Alkohol trinkt und sich daraufhin noch mehr ungesundes fettiges Zeug zuführt, sagt Suchtexperte Jens Reimer. "Wer dieses Verhaltensmuster entwickelt, wird schnell übergewichtig." Erhöhtes Risiko für Krebs, Diabetes, Schlaganfall und viele andere Krankheiten ist die Folge.

Wer weiß, dass eine lange Nacht mit viel Alkohol bevorsteht, sollte möglichst gut essen, bevor er loszieht. Das verhindert, dass man zu schnell betrunken wird und Heißhunger auf viel Ungesundes entwickelt. Das Gesündeste ist es natürlich, sich erst gar nicht zu betrinken.

WWW-Links