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Europa

Warum Schweden auch weiblich managt

In Schweden sitzen mehr Frauen in den Vorständen als in den meisten anderen EU-Ländern. Das liegt auch an Mentoringorganisationen wie Ruter Dam. Dort kümmern sich CEOs selbst um die Karrieren der Nachwuchs-Managerinnen.

Gunilla Arhén (Foto: Niklas Palmklink)

Gunilla Arhén hat vor 22 Jahren Ruter Dam gegründet

Rund ein Drittel der Frauen, die heute in Schweden hohe Führungspositionen haben, sagt Gunilla Arhén, haben das Mentoringprogramm von Ruter Dam durchlaufen. Denn Ruter Dam bietet das, was für ein steile Karriere unerlässlich ist: gute Kontakte und Netzwerke.

Vor 22 Jahren hat Arhén Ruter Dam gegründet, in einer Zeit, in der es auch in Schweden kaum Frauen in Top-Positionen gab. "Wir machen Trainings für Frauen, die bereits in Führungspositionen sind, aber weiter nach oben wollen", sagt sie. "Die Vorstandschefs der größten Unternehmen in Schweden waren in den vergangenen 22 Jahren Mentoren für diese Frauen. Das ist ein wichtiger Punkt."

Diese Unterstützung durch die bereits Mächtigen, sagt Magdalena Gerger, ist der vielleicht wichtigste Faktor für die eigene Entwicklung. Ruter Dam hat Magdalena Gerger gerade zur mächtigsten Frau Schwedens gekürt. Sie ist Top-Managerin einer großen schwedischen Einzelhandelskette, die Alkohol verkauft, und arbeitet unter anderem auch im Aufsichtsrat des berühmten Möbelhauses IKEA. "Ich hatte eine Umgebung, in der andere Menschen mich unterstützt haben, an mich geglaubt haben und mir Chancen gegeben haben." Das sei ihr Karrieretipp Nummer eins, sagt sie. "Aber wenn sie in einer Umgebung enden, wo die Umwelt nicht mit ihrer Persönlichkeit harmoniert - das hilft ihnen nicht. Es muss Verständnis geben und Unterstützung. Dann können sie voran kommen."

Letztlich entscheidet immer der Boss

Logo Ruter Dam

Unterstützung durch die Mächtigen - das Konzept von Ruter Dam

In jeder Firma entscheidet die Leitung, wer Karriere macht und wer nicht. Es dauert meist lange, sagt Gunilla Arhén, bis die Unternehmen festlegen, welche Frau am Mentoringprogramm von Ruter Dam teilnehmen darf. Und auch da hat Magdalena Gerger einen Tipp: Mut zum Wechsel. Gibt die Firma einem keine Chance – schnell weg. "Wenn sie einen Chef haben, der ihnen nicht erlaubt, etwas Neues auszuprobieren, zu zeigen wie effektiv und kompetent sie sind, dann haben sie keine Zukunft", sagt sie.

Doch neben den Netzwerken in der Wirtschaft und unterstützenden Unternehmen ist auch das private Umfeld entscheidend für die Karriere von Frauen. "Erfolgreiche Frauen heiraten nur Männer, die ihre Karrieren unterstützen", sagt Arhén. Wenn sie Männer haben, die das nicht tun, dann werden sie keine Karriere haben. "Einige Frauen tragen die größte Verantwortung zuhause - aber sie arbeiten. Tageskrippen, unterstützende Familiensysteme und Hilfe zuhause - solche Unterstützung brauchen sie, wenn sie viel arbeiten, denn der Tag hat nur 24 Stunden."

Am Ende zählt der Profit

In Studien zur Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Europa liegt Schweden meist weit vorne. Das liegt auch daran, dass hier die unterstützende Infrastruktur für Familien mit Kindern gut ausgebaut wurde und die meisten Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen. Möglichst viele Erfahrungen sammeln zu können, im Berufsleben wie im privaten Bereich, ist ein weiterer Karrierefaktor, sagt Magdalena Gerger. Sie hat sich jahrelang auch in NGOs engagiert. "Das ist eine Erfahrung des Gebens und sich Engagierens. Aber auch eine große allgemeine Lernerfahrung."

Den meisten Unternehmen gehe es nicht explizit darum, Frauen erfolgreich zu machen, glaubt Gunilla Arhén. Auch viele Männer in den schwedischen Führungsetagen haben eingesehen, dass Unternehmen eine gemischte Führung brauchen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen. "Am Ende zählt natürlich der Profit. Und Frauen in der Führung tragen zum Profit bei." Hat eine Firma nur Männer eines bestimmten Alters im Vorstand, wird sie blind, weil sie nicht bemerkt, dass sich etwas verändert, so Arhén. "Sie riskieren nicht mehr, die besten zu sein am Ende. Deshalb ist es profitabel, Frauen zu haben und andere Kulturen."

Das Erfolgsrezept Schweden in Fragen der Gleichberechtigung liege deshalb weniger in gesetzlichen Veränderungen, sagt Gunilla Arhén, sondern in einer Veränderung der Einstellungen in den Führungsetagen.

Autorin: Jutta Schwengsbier

Redaktion: Manfred Götzke