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Welt

Warum Hillary Clinton trotz allem weitermacht

Auch nach den Vorwahlen in Kentucky und Oregon bleibt Clinton gegen Obama bei den Demokraten im Rennen als Präsidentschaftskandidatin. DW-Korrespondentin Christina Bergmann erklärt, warum sie gute Gründe dafür hat.

Die Senatorin und weibliche Anhänger bei den Vorwahlen in Kentucky (Foto: AP)

Die Senatorin und weibliche Anhänger bei den Vorwahlen in Kentucky

Im Vorwahlkampf der Demokraten geht es um mehr als nur um zwei Personen. Es geht um eine Entscheidung, die so oder so historisch ist: Sieger ist entweder ein Afroamerikaner oder eine Frau. Und während der eine für einen Generationenwechsel steht und dadurch vor allem junge Menschen begeistert, steht die andere für eine ganze Generation von Frauen, die endlich eine von ihnen an der Spitze sehen wollen.

Diese Frauen haben Jahrzehnte für ihre Rechte gekämpft. Und miterlebt, dass Gleichberechtigung in der Realität oft nur ein hehres Ideal ist. Dass Männer für den gleichen Job besser bezahlt werden, dass Frauen Spitzenpositionen oft gar nicht erreichen. Deswegen wollen diese Frauen nicht hinnehmen, dass die - vor allem männlichen - Journalisten ihrer Kandidatin sagen, sie möge doch bitte aufhören, schließlich habe sie ja sowieso keine Chance. Jetzt erst Recht, ist ihr Motto.

Warum sollte sie auch aufgeben?

Es spiegelt sich in der ganzseitigen Zeitungsanzeige einer Frauenorganisation in der "New York Times" am Dienstag (20.5.2008): "Wir wollen", steht da, "dass Hillary im Rennen bleibt bis alle Stimmen abgegeben und gezählt sind, und wir wissen, dass unsere Stimmen gehört werden".

Und warum sollte Clinton auch aufgeben? Dass man auch mit einer Minderheit an Stimmen zum Parteitag gehen kann, haben ihre zwei Männer vorgemacht.

Beispiel Edward Kennedy

Der Demokrat Edward Kennedy hatte 1980 nach den Vorwahlen gerade gut die Hälfte der Stimmen, die der Favorit und damalige demokratische Präsident Jimmy Carter gesammelt hatte. Aber Kennedy wollte nicht aufgeben, hatte er doch zum Schluss der Vorwahlen große Siege errungen. Die Unzufriedenheit mit Carters Präsidentschaft hatte sich bemerkbar gemacht. Kennedy wollte die Delegierten auf dem Parteitag von ihrer Stimmenbindung befreien lassen und so die Mehrheit erringen. Kämpferisch zog er mit seinen Delegierten in den New Yorker Madison Square Garden. Erst dort wurde über seinen Antrag abgestimmt - gegen ihn. Und erst dann, in allerletzter Minute, gab er sich geschlagen. Jimmy Carter wurde Kandidat - und verlor im November 1980 die Wahl gegen den Republikaner Ronald Reagan.

Beispiel Ronald Reagan

Dieser hatte vier Jahre zuvor ebenfalls versucht, auf einem Parteitag zum Kandidaten gekürt zu werden, obwohl er weniger Delegierte und Wählerstimmen erringen konnte als sein Konkurrent, der damalige Präsident Gerald Ford. Ford gewann die Abstimmung nur knapp - und verlor die anschließende Präsidentschaftswahl gegen Jimmy Carter.

Doch beide, Ted Kennedy wie Ronald Reagan, gingen gestärkt aus den Kämpfen hervor. Kennedy wurde und blieb einer der einflussreichsten Senatoren der Demokraten und Reagan versuchte es noch einmal und gewann vier Jahr später für die Republikaner das Präsidentenamt.

Die Versöhnung mit Obama-Anhängern fällt leichter

Nur, wenn Hillary Clinton sich und ihrer Sache treu bleibt bis die letzte Stimme gezählt ist und sie erhobenen Hauptes die Arena verlassen kann, hat sie die Sache der Frauen ihrer Generation vertreten. Ihre Wählerinnen und Wähler sehen sie gerecht behandelt - und die Versöhnung mit den Anhängern von Barack Obama und der gemeinsame Kampf gegen den republikanischen Kandidaten John McCain fallen wesentlich leichter. Aber vor allem beweist Hillary Clinton dadurch, dass sie eine zähe Kämpferin ist, deren politische Karriere gerade erst begonnen hat.

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