1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Warum giftige Chemikalien immer wieder in unserem Essen auftauchen

Der Skandal um mit dem Insektengift Fipronil verunreinigte Eier hat die Alarmglocken schrillen lassen: Wie kommen diese verbotenen Substanzen überhaupt auf unsere Teller? Und wie lassen sich solche Skandale verhindern?

Die Berichte über die mit hochgiftigen Insektenvernichtungsmitteln verseuchten Eier , haben Verbraucher verunsichert: Wie viele giftige Chemikalien gelangen eigentlich ungewollt in mein Essen?

Nach Angaben der europäischen Lebensmittelaufsichtsbehörde enthält rund die Hälfte der Nahrung, die Europäer zu sich nehmen, Spuren von Pestiziden - allerdings in den meisten Fällen in so kleinen Mengen, dass sie für Menschen als nicht schädlich gelten. 

Die meisten dieser Substanzen sind farb- und geruchslos. Deshalb ist es für uns Konsumenten schwierig herauszufinden, ob Nahrung gesundheitsschädliche Stoffe enthält. Wir verlassen uns auf Kontrollen. Doch die Behörden können mit der Geschwindigkeit in der die industrielle Landwirtschaft arbeitet oft nicht mithalten  - Nahrungslieferketten zu verfolgen ist ohnehin kompliziert.

Skandale gibt es nur dann, wenn eine giftige Substanz gefunden wird. Doch wie viele verunreinigte Nahrungsmittel sind vorher unentdeckt durchgekommen? Laut Experten gibt es nur eine Lösung: Strengere Regulierung und Kontrollen. 

Das Gift auf unseren Tellern

Obwohl Pestizide in der Hälfte der europäischen Nahrungsmittel gefunden wurden, überschritten weniger als drei Prozent der Proben die erlaubten europäischen Grenzwerte. 

Allerdings enthielten sieben Prozent der Nahrungsmittelimporte in die EU Pestizidwerte, die die erlaubten Level überschritten. 

Und es sind nicht nur Pestizide, die auf unseren Tellern landen. Andere giftige Substanzen wie Dioxin - eine krebserregende Verbindung, die bei unsauberer Verbrennung entsteht, oder Alpha-Toxine, die von Bakterien gebildet werden, tauchen ebenfalls in unserer Nahrung auf.

Niederlande Eier-Produktion Code NL (Imago/Hollandse Hoogte)

Die Lieferketten der meisten Eier lassen sich mithilfe eines Kennungscodes zurückverfolgen

Solche unerwünschten Substanzen können auf verschiedensten Wegen in unser Essen gelangen. Unter anderem könnten Nahrungsmittelproduzenten Hygienestandards nicht erfüllt haben. Eigentlich erlaubte Tierarzneimittel könnten falsch angewandt worden sein - oder aber illegale Substanzen wurden schlichtweg missbraucht, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

"Giftige Substanzen können während des gesamten Produktionswegs in unser Essen gelangen", sagt auch Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin e.V.

"Verbotene Substanzen können auch bewusst in unser Essen gemischt werden – um zum Beispiel die Nahrung besser aussehen zu lassen."

Das Insektengift Fipronil wurde anscheinend für die Entlausung von Hühnern in den Niederlanden benutzt – das Mittel ist jedoch für Tiere, die Lebensmittel liefern, verboten. 

Risiken regulieren 

Pestizide sind eine der häufigsten Ursachen für Vergiftungen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, so die Weltgesundheitsorganisation WHO. Pestizide sind so giftig, weil sie dazu entwickelt wurden, Schädlinge zu töten. Deshalb ist es umso wichtiger, sie stärker zu regulieren. 

Die EU hat für Mensch und Tier hochgiftige Pestizide verboten – etwa die für Bienen schädlichen Neonicotinoide – und solche Substanzen, die nur langsam in der Natur abgebaut werden. Europa hat außerdem Höchstgrenzen für Pestizide in Nahrungsmitteln und im Wasser festgelegt.

Doch neben menschlichem Fehlverhalten und den wenigen Fällen von vorsätzlichem Missbrauch steigt auch die Anzahl der illegalen und gefälschten Pestizide, die von kriminellen Gangs in die EU geschmuggelt werden.

Video ansehen 01:48

Nahrungsmittel: Konzerne regieren Märkte

Nach Angaben des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) kostet dieser illegale Handel die 28 EU-Mitgliedsstaaten jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Euro.

Letzte Woche erst haben griechische Behörden über 700 Kilogramm illegaler Pestizide gefunden, die über die Türkei in die EU geschmuggelt werden sollten. 

Doch die Behörden sind eher schlecht aufgestellt, wenn es um Kontrollen geht, sagt Christiane Huxdorff, Pestizid-Expertin bei Greenpeace.

"Die Skandale werden immer wieder bei uns auftauchen, solange Nahrung in solchen Massen hergestellt wird und zu wenig Geld da ist, um auf Qualität zu achten", sagte Huxdorff im DW-Gespräch.

Wonach suchen wir eigentlich?

In den jährlichen Pestizid-Kontrollen der EU testen Spezialisten eine bestimmte Anzahl von Nahrungsmitteln auf Spuren von 770 Pestiziden. Diese Analysen führen dann im Nachgang in vielen Fällen zu stärkeren Kontrollen.

Nationale Behörden kontrollieren Nahrungsmittel ebenfalls in regelmäßigen Abständen – jedes Produkt durchläuft außerdem eine Art Sicherheitskontrolle, bevor es in die Supermärkte kommt, so Schautz.

Video ansehen 01:01

Was tun wir unseren Bienen an?

Allerdings können die Experten nur Substanzen finden, nach denen sie auch suchen – die anderen blieben unentdeckt, so Huxdorff. Im Skandal um die Fipronil-Eier ist immer noch unklar, woher die Behörden den Tipp hatten.

Daher könne es durchaus sein, dass wir schon länger verunreinigte Eier gegessen haben, so Huxdorff.

Und das bringt uns zurück zu dem erschreckenden Gedanken, wie viel schadstoffbelastete Nahrung eigentlich unentdeckt bleibt – und dann schlussendlich in unseren Bäuchen landet.

Keine Panik, gibt Schautz Entwarnung. Nahrungsmittel in Europa würden sehr streng kontrolliert und solche Verunreinigungen blieben die Ausnahme.

In Deutschland werden Produktrückrufe und Warnungen auf einer Online-Plattform veröffentlicht, die permanent aktualisiert wird.

Idealerweise würden kontaminierte Nahrungsmittel den Konsumenten allerdings gar nicht erst erreichen.

"Eine größere Dichte an Nahrungsmittelkontrollen, bevor Nahrung in den Supermarkt gelangt, ist sehr wichtig, um das Ausmaß der Konsequenzen zu verringern", so Schautz.

Wichtig seien vor allem schnelle Warnsysteme, die auch EU-übergreifend warnen, sowie die korrekte Kennzeichnung und Rückverfolgung von Produkten, die beispielweise die verunreinigten Eier enthalten können.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema